"Wer die Wahrheit spricht braucht ein schnelles Pferd" spricht der chinesische Volksmund. Ähnlich scheint es Pirincci mit seinem Roman Yin zu ergehen. Liest man sich die Kritiken auf dieser Seite durch, so ist von Niveaulosigkeit und Ekligkeiten die Rede. Diesen Äußerungen kann man stellenweise durchaus zustimmen. Die Genauigkeit, mit der Pirincci auch die wiederlichsten Details der Realität schildert, kann einen manchmal wirklich entsetzt zusammenzucken lassen. Trotzdem bleibt nach der Lektüre des Werkes der Eindruck, dass hier ein genialer und aufmerksamer Beobachter am Werk war, der wirklich versucht, die "Gegenseite" und ihre Beweggründe zu verstehen, aber eben keiner Gelegenheit zu einem spitzen Kommentar aus dem Weg gehen kann. Yin ist ein überaus spannender und unterhaltsamer Roman, der einem während dem Lesen oft eine Gänsehaut über den Rücken jagt und einen nachdenklich stimmt. Wie auch schon in den Felidae-Büchern lässt der Autor keine Gelegenheit ungenutzt, einen Blick auf die wahre menschliche Natur zu werfen, und diese zu beschreiben - so unschön sie im Einzelfall auch sein mag. Dabei kommt man nicht umhin, ihm zugute zu halten, dass sowohl Frauen, als auch Männer schonungslos demaskiert werden und Pirincci sich um eine ausgeglichene Beurteilung bemüht. Manche(r) mag sich beim Lesen des Buches wiedererkennen und empört sein. Dies sei jedem zugestanden. Die unverpackte Wahreheit ist oft brutal und wird nicht gerne gesehen.
Unabhängig von der Betrachtung des philosophischen Wertes von Yin ist jedoch eines gewiss: die Geschichte, die Pirincci hier ersonnen hat, ist hochgradig fesselnd und man möchte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, bis man weis, wie dieses bizarre Endzeitszenario zu Ende geht.