In gewohnt überzeugender Spielfreude und meisterhafter Manier spulen die drei Ausnahmekönner Keith Jarrett, Gary Peacock und Jack De Johnette ein Programm ab, das wieder einmal zeigt, wie bedeutend das Trio für die Entwicklung der Standards aus dem "Great American Songbook" ist. Im Gegensatz zu vorherigen Veröffentlichungen wie "Inside out", "Always let me go" oder "Changeless", auf denen (fast) ausschließlich Eigenkompositionen von Jarrett zu hören sind, sind auf "Yesterdays" nämlich wieder nur Standards versammelt.
Allerdings überzeugt die Stückeauswahl nur bedingt. Abgesehen von drei ruhigeren, in getragenerem Tempo gespielten Stücken, die zugleich auch die besten der Scheibe sind (das Titelstück "Yesterdays", "You've changed" sowie "Smoke gets in your eyes"), überwiegen flotte, teils fetzige Bebop-artige Titel, die auch gut und gerne einem Jazz-Frühschoppen an einem Sommersonntagvormittag in einem Altstadtwinkel während eines Jazz-Weekends entstammen könnten. Das Bier und die Weißwurst schmecken dazu. Das ist manchmal nett anzuhören, aber im Grunde etwas unter dem musikalischen Niveau des Trios. Das heißt nicht, dass Jarrett das Klavier nicht virtuos und DeJohnette seine Drums nicht punktgenau spielen, aber es sind meines Erachtens nach nicht die optimalen Stücke für die musikalischen Kapazitäten der drei Meister.
Bei der Mischung wurde Peacocks Bass zudem etwas zu sehr nach hinten gedrückt. Er kommt kaum zur Geltung.
In Abwägung zwischen drei und vier Sternen gibt letztlich das eigenartig schlampig auf die CD gepappte Schlussstück "Stella by Starlight" den (negativen) Ausschlag. Es entstammt einem anderen Konzert wenige Tage zuvor (ebenfalls in Tokyo), wirkt aber fast wie ein Fremdkörper, und die Plaudereien der Musiker am Ende hätte man auch nicht unbedingt konservieren müssen. "Stella by Starlight" ist auf der "Standards Live" von 1985 in einer wesentlich besseren Version zu hören.