Wer den cool-heißen Sound der 60er-Jahre schätzt, für den besonders das damalige Quintett von Miles Davis mit Herbie Hancock, Tony Williams usw. stand, wird dieses Album von Christian Scott sicher lieben. Scott kriegt eine wunderbare Balance zwischen dem grovenden Sound von Damals und der Sicht eines heute lebenden, jungen Musikers hin. Vieles ist sehr eingängig, besonders der wunderbar interpretierte Ohrwurm "The Eraser", im Original von Thom Yorke (Radioheads).
Christian Scott hat einfach einen Wahnsinns Trompensound, melancholisch, stark, voll Blues... Wer dafür offen ist, dem geht diese Trompete nicht mehr aus dem Kopf, der will mehr. Kongenial seine Mitmusiker. Vor allem der klassische, aber dicht groovenden Klangteppich des Schlagzeugers Jamire Williams treibt den Bandmotor unwiderstehlich an. Beim Zuhören fangen einem gelegentlich die Füße mit zu zucken an. Das Quintett spielt extatisch, wie ein Organismus, sehr dicht und kompakt, ohne endlos zerfasernde Solo-Egotrips. YYST könnte also auch Leuten gefallen, die Jazz deswegen oft nervt.
Klar ist allerdings auch, dass dieses Album nie zu den ganz großen Meilensteinen des Jazz gehören wird. Dazu enthält es wiederum zu wenig wirklich Innovatives. Aber deswegen YYST keine 5 Sterne zu geben, wäre aus meiner Sicht absolut unfair. Christian Scott ist ja jung und kann noch Großes bewegen. Einfach reinhören. Aber Vorsicht: Dieses Album kann süchtig machen!