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Yesterday: Roman Taschenbuch – 1. Dezember 1997


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Produktinformation

  • Taschenbuch: 576 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (1. Dezember 1997)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 344272239X
  • ISBN-13: 978-3442722396
  • Größe und/oder Gewicht: 12,1 x 4 x 18,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 266.877 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Lars Saabye Christensen, 1953 in Oslo geboren, ist einer der bedeutendsten norwegischen Autoren der Gegenwart. Seine Bücher sind vielfach preisgekrönt und wurden in mehr als dreißig Sprachen übersetzt. Mit seinem Roman "Der Halbbruder", für den er den "Nordischen Literaturpreis" erhielt, feierte er in ganz Europa und den USA Triumphe. Der Autor lebt in Oslo.

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Ich sitze im Sommerhaus, es ist Herbst. Meine rechte Hand irritiert mich, mit den Narben kreuz und quer, besonders der Zeigefinger. Er ist krumm und schief wie eine Klaue. Ich muß ihn immer wieder ansehen. Er klammert sich an den Kugelschreiber, der rote Buchstaben malt. Es ist ein ungewöhnlich häßlicher Finger. Eine Schande, daß ich kein Linkshänder bin, ich habe mir das mal gewünscht, Linkshänder zu sein und Baßgitarre spielen zu können. Aber ich kann mit der linken Hand spiegelverkehrt schreiben, genau wie Leonardo da Vinci. Trotzdem schreibe ich mit rechts und übe Nachsicht mit der verunstalteten Hand und dem abstoßenden Zeigefinger. Hier drinnen riecht es nach Äpfeln, ein intensiver Apfelduft steigt von dem alten Tisch auf, an dem ich mitten im dunklen Raum sitze. Es ist der erste Tag, an dem es Abend wird, und ich habe nur von einem Fenster die Fensterläden abgenommen. Der Fensterrahmen ist voll von toten Insekten, Fliegen, Mücken, Wespen, mit trockenen, dürren Beinen. Der Geruch nach Früchten macht mich ganz benommen, mein leerer Kopf löst etwas in mir aus; im Licht des Mondes, der jetzt durch das einzige offene Fenster scheint, tanzen Schatten an den Wänden und verwandeln das Zimmer in ein altmodisches Diorama. Und genau wie Olas Vater, der Friseur in Solli, der den Film immer, wenn Geburtstag war, verkehrt in den Vorführapparat legte, so daß wir drei Chaplin-Filme rückwärts sahen, so drehe ich jetzt allem den Rücken zu und begebe mich zurück. Und ohne daß ich mir dessen bewußt bin, stoppt die Filmrolle hinter meinen Augen bei einem bestimmten Bild, ich halte es für ein paar Sekunden fest, friere es ein, dann setze ich es wieder in Bewegung, denn ich bin allmächtig. Ich verleihe ihm Stimmen, Geräusche, Gerüche und Licht. Deutlich kann ich hören, wie der Kies unter den Schuhen knirscht, wenn wir über den Vestkanttorg schleichen, ich kann das berauschende Schwindelgefühl nach einem Lungenzug spüren, und immer noch kann ich Ringos Ellenbogen fühlen, der mich weich in der Seite trifft, und wir vier stehen in Reih und Glied, und John zeigt auf einen schwarzen, blankpolierten Mercedes, der vorm Naranja parkt.Es war George, der als erster etwas sagte. Und zwar:"Das ist deiner, Paul."Alle wußten, daß ich Spezialist war, wenn es um einen Mercedes ging. Ich brauchte nicht einmal Werkzeug. Man mußte nur den runden Stern dreimal nach links drehen, ihn schnell loslassen und herausziehen, dann war die Befestigung garantiert abgerissen. Wir rannten die Treppe hinauf, und es kribbelte warm unterm Pullover. Wir nahmen die Lage in Augenschein."Zu viele Leute", flüsterte John.Die anderen waren seiner Meinung. Zwei Männer standen an der Ecke unter den Apfelbäumen, eine alte Dame überquerte dicht daneben die Straße."Hat keinen Sinn, es zu v-v-versuchen", murmelte Ringo."Wir haben schon einen Opel und zwei Ford", sagte George."Aber das is' doch 'n 220 S!" sagte ich."Wir hol'n ihn an einem andern Abend", sagte John.Es war aber nicht sicher, ob er dort morgen auch noch stehen würde. Und ich spürte diesen Sog in mir, den ich seitdem so oft gefühlt habe, und ich hörte nicht mehr auf die anderen. Ich ging ruhig über die Straße, allein, beugte mich über die Motorhaube, mein Herz schlug immer noch mit schwachem, gleichmütigem Schlag, ein Pärchen kam den Hügel von Berk herab, die beiden Männer unter den Apfelblüten schielten zu mir herüber, die Papageien im Fenster schrien stumm. Da drehte ich das Mercedesgeweih dreimal herum, ließ es schnell los, zog noch mal und schob es vorsichtig unter den Pullover. John, George und Ringo waren bereits weit entfernt, sie sollten irgendwie ganz natürlich gehen, aber von hinten ähnelten sie drei Laternenpfählen mit roten Lampen. John drehte sich um und winkte mir wild, ich grinste und winkte zurück, dann rannten sie los Richtung Urra. Ich stand immer noch am Tatort, sah mich um, aber niemand hatte irgendwie reagiert. Ich begann, hinter den anderen herzugehen, langsam, wie um das Ganze zu verlängern, um deutlich zu spüren, wie es war, ich gab dem Autobesitzer eine Chance, mich zu erwischen. Diese herrliche nervöse Wärme breitete sich in meinemKörper aus. Und niemand folgte mir. Ich zog den Stern hervor, schwenkte ihn triumphierend in der Luft und lief den anderen nach.Sie warteten am Kiosk "Der Mann auf der Treppe", jeder mit seiner Safttüte. "Du bist v-v-verrückt", sagte Ringo."Verdammt, wenn wir eines Tages erwischt werden", murmelte John. Er sah zu mir hoch, lächelte nicht, wirkte leicht resigniert, fast unglücklich, wie er dasaß, mit der gefrorenen Safttüte und einer zitternden Zigarette.Es war fast neun Uhr. Wir stellten fest, daß es draußen dunkel geworden war. "Der Mann auf der Treppe" löschte im Geschäft das Licht, und wir huschten den Bondeberg hinunter. Ich gab George den Mercedesstern, denn er versteckte sie unter Zeitschriften in einem Kasten unterm Bett."Jetzt haben wir sechs davon", sagte er."Aber keinen 220 S!""Da seh' ich k-k-keinen Unterschied", meinte Ringo. "Du mußt es nicht sehen, Hauptsache ist, daß du's weißt", sagte ich."Wie viele Fiats haben wir, he", überlegte John."Neun", sagte George. "Neun Fotzen.""Mein Bruder hat aus Kopenhagen ein Pornoheft mitgebracht", sagte John.Wir blieben abrupt stehen, sahen ihn an."Aus Dänemark?" flüsterte Ringo und vergaß ganz zu stottern."Hat in Kopenhagen Handball gespielt, verdammt noch mal.""Wie... wie is' es denn?""Super", sagte John - "Ich muß jetzt abhaun.""Bring's morgen mal mit", sagte George."Mach das!" rief Ringo und schwenkte den Schraubenzieher in der Luft."Mach das!"Ich ging mit John. Wir hatten den gleichen Weg, die Lovenskioldsgate hinunter. George und Ringo latschten hinüber zum Solli-Platz. Keiner von uns sagte etwas. Der Streusand vom Winter knirschte unter unseren Schuhen, und der vertrocknete Hundedreck lag in Reih und Glied auf dem Bürgersteig. Das war ein sicheres Zeichen für den Frühling, obwohl es noch ziemlich kalt und dunkel war und wir erst Mitte April hatten.

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Kundenrezensionen

4.5 von 5 Sternen
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Ein Kunde am 7. Januar 2000
Format: Taschenbuch
Als ich es mit siebzehn zum ersten Mal in die Hand bekam, erwies sich Yesterday als DAS Buch zum Verschlingen schlechthin und auch heute ist es noch DAS Buch zum zwei-, drei- oder fünfmal lesen. Und obwohl mit seinen fast sechshundert Seiten relativ umfangreich, gehört es zu jener raren Gattung Roman, bei welcher man/frau mit Schrecken wahrnimmt, daß der noch nicht gelesene Teil ziemlich schnell immer dünner wird. Lars Saabye Christensen besitzt die Gabe, statt mit einer spannenden Handlung, mit seiner Sprache zu fesseln; unaufhörlich weckt er das Bedürfnis, Textpassagen noch einmal zu lesen, einfach weil sie so schön sind. Das Gefühl,was er dabei am besten schildern kann, ist die Melancholie, eine Melancholie, die nicht voller plumper Klischees daherkommt und die gerade so intensiv wirkt, weil sie sich ganz einfacher und trotzdem ungewohnter sprachlicher Bilder bedient. Obwohl Seb, Gunnar, Ola und Kim in einer Zeit leben, in der sich Erwachsenwerden um einiges komplizierter gestaltete, als es heute ist, scheinen doch viele der beschriebenen Erlebnisse und Emotionen absolut nachvollziehbar. Denn auch wenn es heute kaum noch Eltern gibt, die lange Haare als den Gipfel der Rebellion ansehen, weiß jede(r) noch zu gut, wie es war, zum ersten mal verliebt und voller Illusionen zu sein. Yesterday wird wohl noch eine ganze Weile mein Lieblingsbuch bleiben. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Ein Kunde am 21. Juni 1999
Format: Taschenbuch
In eindrucksvoller Weise gelingt es Lars Saabye Christensen dem Leser eine Vorstellung ueber das Leben, ueber die Wuensche und Traeume sowie ueber die Aengste und Probleme der 68-Generation zu vermitteln. Er erzaehlt die Geschichte einer Freundschaft - die Geschichte fuenf junger Norweger, die sich immer wieder um ihren Schallplattenspieler versammeln, um der neuesten Beatels Platte zu lauschen und zwischen der ersten und der letzten Platte fast unbemerkt erwachsen werden. Die Jungen traeumen von einer eigenen Band, machen erste Erfahrungen, entdecken ihre erste grosse Liebe... bemerken aber schon zu bald, dass ihre Wuensche nur Traume bleiben, ihre Ideale zu Illusionen verblassen, ihre Idole sie enttaueschen, das Leben diese scheinbar immerwaehrende Freundschaft trennen wird. Christensen schreibt feinfuehlig und lebendig, gestaltet die Charaktere mit solcher Hingabe, dass man von der ersten Seite an mit den Protagonisten in diese so aufregende Zeit gesogen und mit der letzten Seite geradezu aus dieser Illusion gerissen wird. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von "henkyman" am 12. August 2002
Format: Taschenbuch
Yesterday spielt im Zeitraum von 1965 - 1972. Der 14jährige Kim Karlsson erlebt seine Jugend in Oslo. Zusammen mit drei Freunden erfährt er eine Zeit der Veränderungen. Ob Vietnamkrieg, Prager Frühling, Pariser Maiunruhen oder den ersten Menschen auf dem Mond. Die Rebellion gegen das elterliche Spießbürgertum, Liebe und Gewalt im Leben eines Jugendlichen. Alles wird eingerahmt von der Musik der Beatles. Sie ist das inspirierende Element für Kim und seine Freunde. Jede neue Platte der Fab Four aus Liverpool wird mit Hochspannung einem Zeremonium gleich gemeinsam angehört. Die Jungs träumen davon, eine eigene Band zu gründen.......
Yesterday wird zum Ende immer besser! Was sich am Anfang noch relativ trivial liest, bekommt irgendwann eine besondere Atmosphäre und die knapp 600 Seiten vergehen wie im Flug.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Ein Kunde am 8. August 1999
Format: Taschenbuch
Selten habe ich einen Roman gelesen, in dem die Aufbruchstimmung der 60er Jahre genauer und unterhaltsamer dokumentiert wird, als in Christensens "Yesterday". Ein wahrer Lesegenuß!
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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Ein Kunde am 19. März 2001
Format: Taschenbuch
Yesterday ist ein spannendes und faszinierendes Buch, das einen so schnell nicht mehr aus seinem Bann lässt. Ich habe es bisher dreimal gelesen und jedesmal empfand ich denselben Reiz, den die Zeit in der diese vier Jungen leben, ausübt. Jedes Abenteuer ist ein weiteres Kapitel vom Kindsein zum Erwachsenenleben. Yesterday ist die Chronik der Heranwachsenden. Es erzählt von Freundschaft, Liebe, Sehnsucht, Drogen, Politik und Musik. Es ist die Zeit der Beatles, die für die vier Osloer Jungs alles sind. Das Faszinierende für mich war, dass die Geschichte am Ende diegleiche ist wie am Beginn, nur dass die Jungs andere sind. Doch kann man sie auch nun noch verstehen, da man ihr Leben kennt.
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