Leider wird der Opener "Perpetual Change" nur instrumental
angedeutet; Jon kommt gleich gar nicht mit auf die Bühne.
Besonders störend empfinde ich das übergroße "Show" - Logo
am rechten, oberen Bildrand; das geschätzte 8 Prozent der
Gesamtfläche einnimmt. Ärgerlich, das, - wenn auch in größeren
Abständen -, Störgeräusche den ohnehin dumpfen Ton zusätzlich
ruinieren. Jons Mikro ist oft viel zu leise; der
backround-Gesang von Steve und Trevor, und vor allem dessen Gitarre,
ungleich lauter. Auf dem Cover der DVD werden Hearts" und Real Love"
in der Reihenfolge verwechselt, was aber zu verschmerzen ist.
Schlimmer ist schon, dass der Video-Schnitt zwischen beiden Titeln
absolut stümperhaft aufjault. Die Kameraleute haben "keinen Plan",
wer zum Beispiel wann singt; und so zeigen sie Trevor;
während Jon übernimmt und umgekehrt und sind oft "missing in action".
Nun ja; die Qualität dieses digitalisierten privaten Videomitschnittes einer
Fernsehübertragung ist erträglich; aber weitab vom Standard des Jahres 1994.
Der Ton ist ein schlechtes Stereo; über weite Strecken quasi Mono.
Natürlich können wir YES-Fans froh sein, nun über ein Bild-Dokumnent
Jener Tour zu verfügen. Andererseits hätten man das Video zum Beispiel
einige Zeit, bevor man es umschneidet, etwas an der Luft "atmen" lassen
können und Selbiges auch - notfalls mit dem Fön der Frau - etwas erwärmen,
damit sich das manchmal etwas zusammenkebende Band voneinander löst und es
mehrmals durchspulen und durchlaufen lassen, damit sich zusammenklebende
Stellen nicht erst bei der Überspielung - jaulend - lösen. So müssen wir mit
einigen gelegentlichen knitterartigen, sich bei der Übertragung
ruckhaft lösenden Schmerz-und Jaul-Stellen leben. Wir erleben wohl ein
vollständiges oder beinah vollständiges Konzert in Santiago de Chile;
und die Band promotet natürlich das gerade aktuelle Album "Talk",
welches für mich die mit Abstand schlechteste Veröffentlichung von YES ist.
Mit dem - wenn auch noch so unvollkommenen - Sound der Live-Versionen
hier kann ich aber etwas besser leben als mit den kalten, sterilen
Studiofassungen auf "Talk". Schade, das die Band mit "Rhythm of Love"
hier nur einen Titel der - in meinen Ohren - wesentlich besseren
Big Generator" - Platte bringt.
Es ist deutlich zu bemerken, dass Trevor Rabin, der ja auch als Hauptproduzent
der beiden Alben "Big Generator" und "Talk" fungiert; das YES-Schiff ohne
Wenn und Aber führt und Jon Anderson leider beinah zu einer Randfigur
degradiert. Dies alles wohl mit Zustimmung des Bandchefs Chris Squire, der
mit Rabin auch immer wieder Gesten des Wohlwollens austauscht; Jon aber
deutlich ignoriert. Es ist eher Rabin, der ab und zu mit Anderson zusammen agiert.
Unklar ist mir auch immer gewesen, wofür eigentlich Billy Sherwoods
Mitgliedschaft bei YES diente; musikalisch begründet oder notwendig war sie
jedenfalls für mich nicht. Er war offensichtlich auf Wunsch/Befehl von Chris
Squire in der Band, was Trevor Rabin (später Steve Howe) wohl kaum begeistert
haben dürfte. Vielleicht wollte Squire um Rabin herum eine nächste Generation
von YES-Musikern initiieren; wer weiß ...
Tony Kaye, der ja bei den Studio-Versionen nur die Hammond-Orgel spielt
(alle Synthesizer dort spielt ja Trevor Rabin) spielt desöfteren falsche Töne und
gerät zuweilen völlig aus dem Takt; auch gewinnt man den Eindruck, dass einige
seiner Passagen von Band kommen; da seine Finger nicht spielen, was wir hören.
Mit den wenigen, ambitionierten Titeln aus der klassischen YES-Zeit, die die Band
hier angeht; ist Kaye völlig überfordert (And You And I), sodass Rabin oft
keyboard-Arbeit an der Gitarre (nebst der Einleitung am E-Klavier) übernimmt
und dabei, ganz nebenbei, auch noch Tony Kaye deklassiert. Es hätte also
auch ein YES mit Trevor Rabin an den keyboards (sagen wir: statt Igor Koroshev)
geben können; ein interessantes Gedankenspiel. Es besteht für mich kein Zweifel, dass
ambitionierte Stücke von YES wie "Close To The Edge", "Awaken", "Turn Of The
Century", "The Gates Of Delirium" und "The Revealing Science Of God" von dieser
Besetzung niemals gemeistert worden wären; dazu ist Kaye einfach nicht geeignet,
und Rabin, der Howe zwar an Virtuosität übertrifft, könnte wohl kaum dessen
klassischen Anspruch, nebst der musikalischen Vielfalt auf der Gitarre,
erreichen. Auch Jon Anderson versucht sich vor "Make It Easy"
(schade eigentlich, dass es dieses Stück niemals auf eine der 3 Platten
mit Rabin schaffte) als keyboarder und produzierte an "Olias" erinnernde Sounds.
"Endless Dream" gerät zu einer monotonen, substanzlosen, schier endlosen Selbstfeier
von Rabin an der Gitarre. Am Ende gibt es dann eine kleine Sensation:
Rabin intoniert, zur Initiierung seiner Ansprüche auf die Hendrix-Nachfolge;
dessen "Purple Haze" auf der Gitarre; und Jon singt einige Takte davon.
Es wundert mich nicht, dass Jon dem Projekt Rabin danach entgültig good bye
sagte - was uns direkt zur wunderbaren "Keys To Ascension" - DVD führen sollte ...