Ein schüchternes Mädchen kommt nach dem Tod seiner Mutter bei einer Prostituierten namens "Glico" unter ("Japanese businessmen grow up sucking on glico"). Glico, ihr Freund Feihong und andere Außenseiter der Gesellschaft und Einwanderer sind Bewohner einer heruntergekommenen Siedlung in Tokio, der sie den Namen "Yen Town" gegeben haben, und werden deshalb von den Japanern herablassend "Yen Towns" genannt ("Yen Town" bezeichnet also sowohl die Siedlung als auch den Bewohner). Glico, die ein Schmetterlingstattoo auf ihrer Brust trägt, gibt dem Mädchen den Namen "Ageha" (Schmetterling). Eines Tages wird ein Yakuza, der als Freier aufdringlich wird, von "Arrow", einem Ex-Boxer und Freund der beiden, aus dem Fenster geboxt und stirbt. Als sie ihn begraben, entdecken sie in seinem Bauch (!) eine Kassette, auf der nicht nur Frank Sinatra's "My Way" zu hören ist (das später von Glico und ihrer Gruppe genial gecovert wird), sondern sich auch Daten zur Fälschung von 10.000-Yen-Noten befinden. Mit Hilfe des gemachten Geldes eröffnet die Gruppe den "YenTown Club", in welchem Glico als Sängerin mit ihrer Band auftritt. Ein Plattenlabel wird auf Glico aufmerksam, sie soll jedoch die japanische Staatsbürgerschaft annehmen und ihre Yen Town Freunde loswerden. Hinzu kommt, daß mehrere Personen hinter der Kassette her sind, darunter der japanische Gangster Ryou Ryanki, der Chinese Maofu und seine Bande, sowie der Boss des toten Yakuza...wie wird das alles enden?
Auf kaum einen anderen neueren Film passt die Phrase "unbeachtetes Meisterwerk" besser als auf diesen, zumindest, was die Aufmerksamkeit außerhalb Japans angeht. 1996 entstanden war er zwar dort sehr erfolgreich (und trat angeblich sogar eine Debatte los: an der Einstellung zum Film wurde festgemacht, ob man progressiv oder reaktionär ist), blieb hier und auch sonst im Abendland bisher aber fast völlig unbeachtet und unveröffentlicht...bis jetzt. Trotzdem wird der Film wohl noch eine dieser Perlen bleiben, nach denen man suchen muß und nach denen es sich zu suchen lohnt. Shunji Iwai hat hier (s)ein Meisterstück abgeliefert: ein modernes Märchen, schön, traurig, träumerisch, realistisch, optimistisch, pessimistisch, poetisch, skurril, bildgewaltig, sozialkritisch, tragisch, komisch, ein Auf und Ab wie im Leben. Meist mit Handkamera gefilmt, mal in schöne pastellene Töne getaucht, mal in düsteren Bildern die Tristesse eingefangen. Die Charaktere wachsen einem trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer Fehler schnell ans Herz, v.a. die drei Hauptfiguren "Glico" (gespielt von Chara, in Japan ein Popstar), "Feihong" (mit einer grandiosen, traurig-schönen letzten Szene) und "Ageha", eigentliche Hauptfigur des Films, die wie ihr Tattoo (von der Raupe zum Schmetterling) eine Wandlung vollzieht, vom schüchternen jungen Mädchen zur verantwortungsbewußten jungen Frau, die den Zusammenhalt und die Freundschaft vergangener Tage wiederherstellen will. Auch die Nebendarsteller sind klasse, wie etwa der charismatische Yosuke Eguchi ("Ryou Ryanki"), den man durchaus öfter in guten Werken besetzen sollte. Und ein Film wäre trotz intelligenter Geschichte, klasse Schauspielern und fabelhafter Regie natürlich nur die Hälfte wert ohne einen fantastischen Soundtrack - hier eine Mischung aus Japan-Pop/Rock der "Yen Town Band" (mit Chara als Frontfrau, die Gruppe hat sogar auch nach dem Film ein Album mit den Songs rausgebracht, "Montage" heißt es) und einem Instrumentalscore von Takeshi Kobayashi.
Die DVD selbst wird dem Film zwar nicht ganz gerecht, ist jetzt aber nach jahrelanger Warterei endlich mal erschienen. Die Aufmachung ist schick, die Extras sind kaum der Rede wert: Achtminütige, nicht untertitelte Impressionen vom Set, einige Trailer anderer Filme und ein doppelseitiges Poster, das jedoch ziemlich unbrauchbar ist. Hier hätte man vielleicht die Extras der japanischen DVD übernehmen und deutsch untertiteln sollen. Die Bild- und Tonqualität geht in Ordnung wenn man bedenkt, daß es von dem Film immer- und auch hiermit noch keine Referenzfassung diesbezüglich gibt. Auch das Fehlen einer deutschen Synchronisation ist okay, ja zu begrüßen, den Film mit seiner Sprachmischung aus Japanisch, Chinesisch und Englisch sollte man ohnehin im Originalton gesehen haben und die deutschen Untertitel reichen hierfür aus. Wer den Film also aus Sprach- oder anderen Schwierigkeiten bisher noch nicht gesehen hat, kann und sollte dies jetzt nachholen, zu spät ist es nie.
Insgesamt somit trotz allem eine absolute Empfehlung zum Kauf, alleine die Qualität des Films rechtfertigt diesen.