Im Gegensatz zu H.P. Lovecraft und Robert E.Howard ist Robert W. Chambers ein weniger bekannter Autor im Fantasy und Horror-Genre, wohl auch deshalb, weil er als Schriftsteller nicht exklusiv in diesen Bereichen tätig war. Doch ist es vor allem das allzu sichtbare Mittelmaß seiner Erzählungen, das zuerst ins Auge fällt. Chambers hat Talent, ohne Zweifel, mit einem besonderen Faible für Naturbeschreibungen. Doch wird andererseits das Mysteriöse, Unfaßbare allzu oft von einer ebenso starken Portion Kitsch unterwandert, auch fehlt es dem Autor teilweise am Gespür für realistische Situationen (Kellnerinnen und Krankenschwestern wandern nun mal nicht in ihrer Berufskleidung durch die Wildnis!). Dadurch werden viele seiner Erzählungen zu unfreiwilligen Parodien ihrer selbst.
Andereseits gibt es auch durchaus gelungene Erzählungen, z.B. "The Demoiselle D'Ys", "The Messenger", "The Harbor-Master", "The Carpet of Belshazzar", "The Venus-Sign", "The Third Eye".
Dank H.P. Lovecrafts Erwähnung von "The King in Yellow" hatte dieser Autor in mir Erwartungen geweckt, die nur teilweise erfüllt wurden. Eine thematische Nähe zu Lovecraft, Clark Ashton-Smith oder Robert E. Howard ist nicht auszumachen-es sei denn, man nimmt "The Harbor-Master" als thematischen Vorläufer zu "The Shadow over Innsmouth", bzw. den Bayou-Horror aus "The Third Eye" als Inspirationsquelle für eine ähnliche Szenerie aus "The Call of Cthulhu". Gar nichts gemeinsam hat hingegen der mysteriöse "King In Yellow" mit dem geheimnisvollen, in Gelb gehüllten Hohepriester aus dem einsamen Steinkloster des Plateus von Leng, die Namen Hali und Hastur wurden später von August Derleth in "The Trail of Cthulhu" vollkommen umgedeutet.
Akribischen Lovecraft-Fans sei dieses Buch empfohlen, auch Interessierte an der fantastischen Literatur der Übergangsperiode vom 19. zum 20. Jahrhundert werden an diesem Buch ihren Gefallen finden-bitte jedoch vorhergehende Warnungen beachten.