Sie sind keine begnadeten Songwriter, deren Stücke coverfähig sind, deren Lieder auch in anderen Arrangements denkbar wären, nahezu unzerstörbar sein könnten wie "Yesterday", diese Jungs haben glaube ich auch keine Message oder die Lust, eigene "Poesie" zu vertonen - die Lyrics passen in Mikroschrift immerhin auf eine CD-Innenseite. Sie vermitteln kein Weltbild oder eine Haltung, was ja in den meisten Fällen ohnehin Pose ist. Sie machen einfach nur Musik, die vor allem durch ihre ausgefeilten Arrangements fasziniert. Man merkt recht schnell, dass an jedem der zehn Tracks wochen-, wahrscheinlich auch mal monatelang gebastelt wurde. Es ist unglaublich, mit wie viel Liebe zum Detail in Intros, Übergänge, Läufe und subtile Effekte investiert wurde - ohne dass hier jemand auf Teufel komm raus einen bestimmten "Stil" abfeiert. Die ersten 30 Sekunden schon sind exemplarisch, wenn man wissen möchte, was ich und einige andere, sicherlich erfahrenere Schreiber (z. B. bei pitchfork) meinen. Tatsächlich klingt es aus der Ferne, aber immer nur ein paar Takte lang, wie Animal Collective, dann wie aufwändiger Folk, mit schönem Harmoniegesang. Und jede instrumentale Veränderung kommt ganz sanft, fügt sich völlig organisch in die Architektur jedes Stückes ein. Diese Dezenz ist die eigentliche Könnerschaft von Grizzly Bear: Ihre Ideen sind nicht übereifrig, quellen nicht hervor, putzen sich nicht heraus, und doch sind sie im Übermaß vorhanden. Eine Platte, die einem den Glauben an Pop und Rock zurück gibt, falls man sich noch an anderen musikalischen Orten aufhalten sollte.