Eine moralfreie junge Frau scheitert ebenso wie die Männer in ihrem Leben letztlich an dem Missverständnis, Sinnerfüllung im äußeren Erfolg zu suchen. Damit steht sie stellvertretend für viele in unserer Gesellschaft, die glauben, ein quasi natürliches Recht auf Erfolg zu haben, das sie autorisiert, dafür wortwörtlich über Leichen zu gehen.
Mit "Yella" stellte Christian Petzold 2007 den letzten Teil seiner "Gespenster"-Trilogie fertig. Bei der Vorstellung auf der Berlinale erhielt Nina Hoss für Yella den "Silbernen Bären", wenig später folgte der Deutsche Filmpreis 2008.
Immer wieder scheitern Yella (Nina Hoss, 32), ihr Mann Ben und ihr neuer Freund Philipp (Devid Striesow, 34) bei Versuchen, zu schnellem Geld zu kommen. Ben läuft auf einen Konkurs zu, Philipp wird bei seinen Unterschlagungen erwischt und Yellas Erpressungsversuch an einem Kunden scheitert an dessen Selbstmord.
Wie mit langen Gummiseilen scheint die Ost-Heimat Wittenberge Yella von ihren Ausflügen nach Hannover zurückzuholen - aber weder Vater noch Mann noch Liebe können die junge Frau für den Verlust ihrer Träume, die natürlich alle mit Reichtum zu tun haben, entschädigen.
Ben möchte ohne Yella nicht weiterleben - und Yella nicht ohne Geld.
Petzold lässt uns in intimen Bildern das Ringen der jungen Frau in einer Schwebe zwischen Verständnis, ja Sympathie, aber auch Entsetzen und Unverständnis miterleben. Auch der mitschwingende Ost-West-Kontrast verschwimmt in farblosen, tristen Bildern von beiden Seiten. Wo im Osten kahle Felder deprimieren, gelingt das im Westen traurigen Hotels und kahlen Verhandlungsräumen ebensogut.
Hoss und Striesow halten stets in der Schwebe, ob das Spiel sich vielleicht doch noch zum Guten wenden könnte. Mal dominiert der Fatalismus, mal kommt Lebensfreude auf - doch letztlich scheitern alle Pläne und Hoffnungen an der Gier selbst.
Ob die Moral bei der Masse ankommt, muss jedoch bezweifelt werden. Der Film jedenfalls beeindruckte die Kritik, aber nicht die Zuschauer. Wie soll man bewerten? "I like it" wäre übertrieben, "it's ok" würde den zweifellos vorhandenen Qualitäten, insbesondere aber der Faszination, die - wieder einmal - von Nina Hoss ausgeht, nicht gerecht.
film-jury 4* A0886 20.2.2012eg 8A Genre: Drama | Romanze | Thriller