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4,1 von 5 Sternen
12 Years a Slave [Blu-ray]
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. Oktober 2014
diese Bezeichnung galt einmal für den grossen Stummfilmstar Erich von Strohheim.
Es könnte aber auch in der neueren Filmgeschichte nun für Michael Fassbender gelten, der hier wie ein Berserker agiert und den unberechenbaren, durchgedrehten Charakter des Sklavenhalters Edwin Epps kongenial auf die Leinwand bringt.
Brad Pitt, hier Produzent und als Schauspieler nur in einer sehr kurzen aber wichtigen Rolle zu sehen, nimmt sich angenehm zurück und riskiert in dem Film nicht den Glamour, der bei so einem Thema sicher nicht angebracht wäre.
Alle Schauspieler agieren auf sehr hohem Niveau. Kleiner Kritikpunkt wäre ausgerechnet die Hauptrolle. Chiwetel Eljofor konnte mich nicht 100%ig überzeugen, dafür umso mehr Lupita Nyong'o, die ihren psychischen und körperlichen Schmerz derart glaubhaft auf die Leinwand brachte, dass man es kaum aushalten konnte.

Steve McQueen führt sicher durch den Film. Manche Einstellungen sind für meinen Geschmack zu lang und nicht immer zielführend, Zur literarischen Umsetzung kann ich nicht viel sagen, da ich das Buch nicht gelesen habe.
Zusammenfassend kann man sagen, dass es ein sehr guter Film ist, es zum Thema aber Besseres gibt.
Das ist aber eine Aussage auf sehr hohem Niveau, wenn man bedenkt mit welcher Konkurrenz er sich auseinandersetzen muss.
Einige Vor-Rezensenten haben ja einige Beispiele genannt.
Was mich wirklich genervt hat, war ausgerechnet die Musik von Hans Zimmer (den ich sonst sehr schätze),
Die Musik ist zweifellos gut, aber letztendlich nur eine Variation von Inception. Da erwarte ich von einem Oscar-Preisträger mehr.
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238 von 310 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. Februar 2014
Darf man diesen Film kritisieren? Den angeblich wichtigsten Kinofilm, der bisher über die Sklaverei gemacht wurde? (The New Yorker) Einen Film, der von der Presse überschwänglich gerühmt, und für neun Oscars nominiert wurde? Darf man ihm nur zwei Sterne geben? - Nein, darf man nicht wirklich. Wer dieses Kunstwerk nicht lobt, setzt sich so manchen Verdächtigungen aus. (Vielleicht ist der Verfasser dieser Zeilen ein Rassist? Vielleicht hat er den Film gar nicht verstanden?)

::: Es tut mir leid, dass diese Review zu lange geworden ist. Eilige Leser mögen bitte bei Resümee 1 oder 2 weiterlesen.:::

-- Vorweg das Positive:
Der Film hat einige starke Episoden, deren buchstäbliche Bildgewalt sich nachhaltig ins Gedächtnis eingräbt. Die Visualisierung des physischen und psychischen Terrors der Sklaverei: Sie war das Hauptanliegen von Steve McQueen und in manchen Sequenzen ist sie gelungen. Und ja, durchwegs gute, vereinzelt sehr gute schauspielerische Leistungen, die von meinen VorrezensentInnenen schon gewürdigt wurden. Ein Hauptdarsteller, der glaubwürdig darum ringt, sein Leben zu retten und seine Würde. Chiwetel Ejiofor: 'Die bisher größte Herausforderung meiner Karriere.'

Doch als gesamtes hat mich das über zwei Stunden lange Historiendrama emotional kaum erreicht. Beim Nachspann war ich nicht erschüttert. Ich weiß, die meisten Zuschauer haben anders empfunden und waren tief betroffen. Ich weiß, - doch ich kann nur mein eigenes Erleben wiedergeben.

Eigentlich gehöre ich zu jenen, die sich rasch hineinziehen lassen in eine Filmwirklichkeit, die leicht gerührt sind und mitleiden. Doch bei 12 Years a Slave sprang der Funke nicht über. Einen so schrecklichen Film, der mich so wenig berührt hat, habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Es wird gedemütigt, geprügelt, gepeitscht. Unter Schmerzen werden die Wunden gereinigt. Und wieder wird gedemütigt, geprügelt, gepeitscht. Dazwischen wird vergewaltigt, erstochen, gehängt. Tote werden begraben oder über Bord geworfen. Ein aufdringlicher Overkill an Grausamkeiten, der mich schon vor der Halbzeit erschöpft und auslaugt hat.

Da greift auch das alte Argument nicht: 'So ist es eben damals gewesen. Die Wahrheit ist zumutbar.' Nein, die Dramaturgie in Film oder Theater ist eben nicht die Wirklichkeit, und funktioniert nach eigener Dynamik. Maximal etwa sechs Spannungsbögen von der Exposition bis zur Auflösung kann ein Betrachter in zwei Stunden mit voller Anteilnahme verarbeiten. Das ist eine alte Erfahrung und ein klassischer Grundsatz in der darstellenden Kunst. Zwar kann ein Drehbuchautor diese Erkenntnis auch einmal bewusst über Bord werfen, doch dann muss er sich einiges einfallen lassen.

Statt als Zuschauer selbstvergessen und mitten im Geschehen zu sein - zurückversetzt in die Mitte des 19. Jahrhunderts - glaubte ich immer wieder, ich befände mich am Set, und würde bei den Dreharbeiten zusehen. Ein allzu leicht durchschaubarer Film, dessen methodisches und didaktisches Kalkül bei jeder Sequenz spürbar ist. Wie heißt es bei Goethe? Man merkt die Absicht und ist verstimmt.

-- Lautere Absichten gibt es genug:
Manche Sequenzen sollen zeigen, wie verzweifelt die Sklaven waren (Patsey bittet Platt, sie heimlich zu töten). Manche Sequenzen sollen zeigen, dass in der damaligen Sklavenhaltergesellschaft auch die weißen Plantagenbesitzer Opfer eines unmenschlichen Systems waren. (Dazu ein erstaunlich modern anmutendes Zitat aus Solomon Northups Biografie: 'Es ist nicht so sehr die Schuld des Sklavenhalters, dass er grausam ist, wie es die Schuld des Systems ist, in dem er lebt.') Viele Sequenzen sollen Willkür und Sadismus zeigen. Auch die sexuelle Ausbeutung fehlt nicht. Auch die (von Eifersucht geprägte) Beziehung zwischen den Ehefrauen der Farmer und den Sklavinnen wird thematisiert. Alles höchst ehrenwerte Anliegen, und im Kino bisher selten erzählt. Nur: Die Methode mit dem Holzhammer habe ich nicht so gerne.

-- Sounddesign: Ein liebloser, penetranter Soundtrack durchzieht die ganze Produktion. Die lauten Zikaden, wie originell. Recycelte Musik des Blockbuster-Komponisten Hans Zimmer. Studio-Akustik bei Liedern im Freien. Was gibt es noch? Eine unnötig zerstückelte Geschichte, die keinen großen Bogen bildet und kein organisches Ganzes ergibt; manchmal laufen unverbundene, kammerspielartige Fragmente ins Leere. (Beispiel: die isoliert stehende Episode mit Mistress Harriet Shaw, - Dialog frei erfundenen.) Und dann gibt es noch den peinlich-lächerlichen Gastauftritt von Brad Pitt als edlen Retter aus dem Norden. Dazu jede Menge Regiefehler und historische Unmöglichkeiten.
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-- Film und Buch:
Die Gemeinsamkeiten: Die Storyline stimmt überein. Viele Filmdialoge wurden fast wörtlich dem Buch entnommen. Beide klagen an. Die Unterschiede: Auf der einen Seite steht eine facettenreiche und abwägend geschriebene Lebensgeschichte; auf der anderen Seite eine grimmige, reduktionistische Leinwand-Adaption, die dem Original nur stellenweise gerecht wird. Das liegt > an unnötigen Änderungen der literarischen Vorlage (Beispiel: Der Mord auf dem Mississippi-Dampfer), > an abweichenden Gewichtungen und Wertungen (Beispiel: der von Northup als vorbildlich beschriebene, prominente Baptisten-Prediger William Ford, - Zitat: 'ich kannte nie einen edleren Mann') und > an den hochgesteckten künstlerischen Ambitionen bei zu wenig Erfahrung und Professionalität. (Zumindest zwei qualvoll-quälende Plansequenzen mussten sein, - damit auch wirklich jeder merkt, dass es Kunst ist.)

Der britische Künstler Steve McQueen, der früher mit Video-Installationen bekannt wurde, im Originalton: 'I can't even say the word storyboard; I want to vomit.' (Frei übersetzt: Ich kann das Wort Storyboard nicht einmal aussprechen, ohne mich zu übergeben.) Für die beiden ersten Kino-Produktionen (Hunger und Shame) hat seine unsystematische und improvisierende Arbeitsweise gut gepasst. Doch die gestiegene Größenordnung seines dritten Projekts hat den Studienabbrecher McQueen und seinen angeblich unbezahlten Drehbuchautor nun leicht überfordert.

Für diese diffizile (und interpretationsbedürftige) literarische Vorlage hätte es ein eingespieltes Team von versierten Routiniers gebraucht, - mit mehr Sorgfalt, mehr Zeit, mehr Budget. Ein Regie-Autoren-Duo, das sich etwas fundierter mit der Geschichte der Südstaaten-Sklaverei in der Antebellum-Periode beschäftigt. Dann gäbe es wohl weniger unhistorische Szenen und Dialoge zu sehen, die so nicht hätten geschehen können.

Ich beschränke mich auf zwei Beispiele, um den nachlässigen Umgang mit den historischen Gegebenheiten zu illustrieren ( - obwohl gerade zu diesem Punkt noch sehr viel zu sagen wäre): > Die vielen Kinder der Sklaven, die damals in allen Altersstufen auf den Plantagen stets präsent waren, passten den Filmemachern nicht ins Konzept, und werden daher kaum gezeigt. Im Durchschnitt hatte eine Sklavenfamilie damals sieben Kinder. Die Darstellungen in der Fachliteratur decken sich mit dem Bericht von Solomon Northup: 'In einem Jahr besaß Epps 135 Feldarbeiter und fast ebenso viele Kinder.' > Platt konnte zwar seine Lese- und Schreibkenntnisse geheim halten, doch seinen Nordstaaten-Akzent und seine gebildete Ausdrucksweise konnte er längerfristig nicht verbergen. Seine auffällig andere Sprache müsste in Louisiana auf erstaunte Rückfragen gestoßen sein, zumindest bei Leuten wie Samuel Bass oder William Ford.
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-- Nebenbemerkungen:
Das gute, doch allzu prominente Schauspieler-Ensemble war ein mutloses Konzept. Die bekannten Gesichter haben beigetragen zu meinem Eindruck, dass ich Darstellern zusehe, die jemanden darstellen. Es gibt so viele erstklassige, unbekannte Schauspieler. Sie hätten besser in diese um Authentizität bemühte Arthouse-Produktion gepasst, - und das knappe Budget geschont. Doch die Produzenten wollten werbewirksame Namen.

Bei Kritik an Kunstwerken wird häufig entgegnet, dass es sich ja um ganz bewusst eingesetzte Stilmittel handelt, um beabsichtigte künstlerische Verfremdungen. Die nachfolgende Diskussion verläuft dann meist fruchtlos. Letztlich halte ich es für irrelevant, ob gewollt oder ungewollt; entscheidend ist die individuelle Wirkung beim einzelnen Zuschauer.

12 Years a Slave wird von vielen Bildungsservern für Schulen empfohlen, wie das bei hochgradig politisch korrekten Themenfilmen üblich ist. Es gibt Begleitmaterial für Lehrer. Ob sich McQueens eigenwillige Interpretation von Northups Bericht für den Unterricht eignet, muss jeder Pädagoge selbst entscheiden. Kein Prädikat der FBW. FSK-Empfehlung ab 12.
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-- Resümee 1:
Steve McQueen hat aus einem dramatischen historischen Stoff einen seltsam fiktional und stilisiert wirkenden Film gemacht. Die Themen sind vor allem der Terror und die Qualen der Sklaverei; Gewaltexzesse wiederholen sich in zermürbender Redundanz. Erst an zweiter Stelle interessiert sich der Regisseur für Northups Biografie, die er als Vehikel verwendet für seine einfachen Botschaften. O-Ton McQueen: 'I wanted to see the lash on someone's(!) back, I wanted to see the aftermath of that.'

Auch wenn das maßgeblich von Brad Pitt produzierte Kinodrama noch so viel gelobt und mit noch so vielen Preisen überhäuft wird: Mir fehlt es an seriösen und subtilen realhistorischen Bezügen. Beispiel: Das hier (soweit überhaupt) vermittelte Bild vom Alltagsleben der Sklaven traf nur in Ausnahmefällen zu. Zumeist lebten die Afroamerikaner nicht in einem sozialen und kulturellen Vakuum. In der Regel waren die versklavten Männer, Frauen und Kinder auf den Plantagen in die soziokulturellen Kontexte ihrer Slave-Communities eingebunden. Es gab vielfältge familienähnliche Bindungen, wenn auch instabil und häufig wechselnd.

-- Resümee 2:
Ein überdeutlich intentionaler Film mit erhobenem Zeigefinger. Ein vordergründiger Film, der so gerne tiefgründig und wichtig sein möchte. Ein wenig authentisch wirkender Film, dem eine sperrige, artifizielle Ästhetik anhaftet. Ein Film über ein tragisches Ausnahme-Schicksal mit wenig Kontext und eindimensionalen, holzschnittartigen Charakteren. Ein theatralisches Filmerlebnis, bei dem ich mich ständig geprüft fühlte, ob ich die Botschaft auch wirklich verstanden hatte: Sklaverei ist sehr böse. Ja, das hatte ich verstanden, und das wusste ich eigentlich schon vorher.

Hintergründe, Zusammenhänge und menschliche Widersprüche sind McQueens Zugang nicht. 12 Years a Slave ist (von wenigen Ausnahmeszenen abgesehen) ein simplifizierendes und dem damaligen politischen Bezugsrahmen enthobenes Lehrstück mit missionarischer Note. Eine Oscar-verdächtige, nicht ernstzunehmende Darstellung der Sklaverei in den USA. Rüdiger Suchsland (ähnlich Stephanie Zacharek und andere) hat zutreffend von einer 'aseptischen Passionsgeschichte' gesprochen. Ja, - ein drastischer und zugleich unterkühlter Film, der viele Zuschauer gelangweilt hat.

Für eines allerdings bin ich Steve McQueen dankbar: Er hat mich auf die Memoiren von Solomon Northup aufmerksam gemacht. Wahrscheinlich wäre ich dem lesenswerten Original sonst nie begegnet. Eric Foner beschreibt es als historisches Dokument und zugleich als Propaganda im Dienste der Abolitionsbewegung. Es ist in mehreren englischsprachigen Ausgaben erhältlich, und seit Februar 2014 auch in einer exzellenten deutschen Übersetzung. Nebenwirkung nicht ausgeschlossen: Wer das detailreiche und nachdenkliche Buch liest, könnte den Film mit anderen Augen sehen.

-- Literaturhinweise: > Die Twentieth Century Fox hat das Drehbuch von John Ridley im Netz veröffentlicht (Final Shooting Script, etwa 140 Seiten). Unter foxsearchlight.com/awards ist derzeit ein freier Download ohne Registrierung möglich. > Das ungekürzte Original von Solomon Northups 1853 publizierter Biografie wurde von der Universität North Carolina im Rahmen des Projekts 'Documenting the American South' online gestellt (zusammen mit einer Sammlung von anderen Slave Narratives): docsouth.unc.edu/fpn/northup.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 12. Februar 2015
gut gemacht und tolle Schauspieler.
Jedoch kann ich den Hype und 20 Oskars nicht ganz verstehen.
Es gibt viele und bessere Filme, die solch Themen besser auffassen, verarbeiten und in Bild und Ton gezeigt werden.
Dazu bedarf es auch keiner Megastars, um solche Themen zu verarbeiten.
Das ganze Werk war für mich relativ flach und hat mich nicht so berührt, wie andere schreiben.
Trotzdem interessant zu sehen, was Mensch dem Mensch antut. Aber dazu muß man nur Zeitung lesen

Egal, Geschmäcker sind verschieden und meiner war es leider nicht ganz..
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30 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. Juli 2014
Von der -damals grandiosen- 70er Jahre Serie "Roots - Box Set - Jubiläums Edition [5 DVDs]", über Spielbergs eher klassisch perfekten abgedrehten Beitrag "Amistad [Blu-ray]", bis zur neuzeitlichen Interpretation eines Quentin Tarantino, der mit "Django Unchained [Blu-ray]" jenes düstere Kapitel der Sklaverei filmisch neu aufweckte, war für mich der danach folgende "12 years a slave" wohl ein eher mageres Ergebnis, was in den letzten Jahren an Kinoproduktionen zum Thema "Sklaverei in der amerik. Geschichte/Gesellschaft" auf Film gebannt wurde.
Natürlich, die Schrecken sind unvorstellbar, das Leid grenzenlos. Ebenfalls deckt Regisseur McQueen die gesellschaftlichen Verformung auf; die perfiden Entschuldigungen der Befürworteter der Sklaverei; das als von Gott gegebene Einverständnis, welches die Skalvenhalter zwischen den Zeilen der Bibel mein(t)en entdeckt zu haben. So auch die gebrochenen Charakteren, die auf beiden Seiten, also Opfer und Täter, perfekt aufgedeckt werden (dazu für mich einer der besten Szenen im Film, als Solomon Northup den Gospel mit einstimmt und sich so seinem Schicksal hingibt).
Doch irgendwie bleibt man immer nur Betrachter, da man das Thema filmisch als Kenner kennt. Ein wirkliches Mitfiebern bleibt fern, man ahnt die Wendung, weiß um die Brutalität, meint die div. Charakterzüge der Handelnden aus Filmen zuvor zu kennen, da alles schon irgendwie gleich und eben zu oft erzählt.
Filmisch also alles bekannt, es fehlt die schockierende Wirkung, der Aufschrei gegen die Ungerechtigkeit. (Nebenbei erwähnt: für mich kaum vorstellbar, dass Solomon, in den Nordstaaten, als Freier Bürger, so anerkannt durch die Starßen wandelte. Denn auch nördlich der Mason-Dixon-Linie, so weiß man aus historischen Berichten, waren Schwarze Repressalien ausgesetzt. In den Industriemetropolen des Nordens war zwar Arbeit vorhanden, die Schwarzen wurden jeodch für weniger Lohn entlohnt, was trotz der "Ausbeutung" Zwietracht und Hass in der weißen Arbeiterschicht hervorbrachte. Die "Weißen" machten mehr oder weniger die "Schwarzen" für dieses Lohndumping verantwortlich).
Die Familie des Solomon Northup musste also eher "vorsichtig" durchs Leben in den skalvenfreien Staaten wandeln. Der Film zeigt aber auch, dass sich Solomon - fast schon naiv zu nennen - als Schwarzer, mit und durch seinen Intellekt, irgendwie wohl blindäugig integriert fühlte; in der Gesellschaft der weißen Mittelschicht (wie die Szene beim Gemischtwarenhändler zeigt; und konträr dazu eben die schon erwähnte "Gospel-Läuterungsszene", als er sich die Tatsache seines "Schwarzseins", in dieser zutiefst deformierten und zerrissenen amerikanischen Vorkriegsgesellschaft, eingestehen musste).

Aber: Trotz einiger guten (Film-)Momente und lockend durch den Oscargewinn, war ich mehr enttäuscht als begeistert; hätte mir irgendwie gewünscht, dass Regisseur Steve McQueen die Sache anders angeht; eben nicht dem Ablichten des so oft gezeigtem Skalvendrama folgt. Wäre es z.B. nicht lohnenswerter gewesen, hätte er gezeigt, wie schwer es einem Solomon fiel, sich nach seiner Rückkehr in der "freien" Gesellschaft wieder einzugliedern, als Entwurzelter, gebrochener und desillusionierter Mensch? Die gezeigten Geschehnisse hätten dann in kleineren Rückblenden mehr Präsenz gezeigt, als eben wieder und wieder das Schicksal eines versklavten Menschen zu zeigen, welches man, angefangen von Huckleberrys Finns Jim, über Kunta Kinte, Cinque bis hin zu Tarantinos Django, als Kinofan kennt. Ebenso wäre der politische Sprengstoff im Heute dadurch noch zündender, da der Abgleich mit der immer noch tatsächlichen Gegenwart präsenter gewesen wäre.
So aber mag man fast abwinkend sagen: "Arme Menschen damals. Zum Glück ist diese Zeit vorbei ... und das alles anders ist, zeigt uns der heute amtierende schwarze Präsident". Man lehnt sich also zurück und sieht den Film, mit der Beruhigung: "Das war alles so schlimm in der Vergangenheit ... und gibt es heute nicht mehr und kommt nie wieder".
Natürlich, falsch gedacht !!!; und deshalb hätte mich die von mir vorgeschlagene Variante einer Rückkehr und Eingliederung mehr interessiert; würde so heute noch mahnend zünden, denn das Los von unterdrückten Gruppen bleibt immer aktuell.

Also: für mich ist "12 years a slave" zwar ein guter Film, mit extrem guten bzw. gut geführten Schauspielern, zum Thema "Sklaverei in der nordamerikanischen Geschichte" ist er aber nicht der "Überflieger" - oder gar der BESTE zum Thema -.
Aus rein filmischer, kinematografischer Seite betrachtet, zeigt er uns außerdem, wie schwach die Konkurrenz der letzten Oscarnacht war, dass dieser "gute aber eher kleine Film" gewann; bzw. wie das - z.Z. - politisch liberal gefärbte Hollywood sich seiner Sünden freispricht, indem es diesem Film seinen Segen gab (Brangelina & Co. sind eben momentan die Tenor angebenden in Hollywood). Die Kritik aber, also den Mangel an herausragender Konkurrenz, kann man natürlich nicht "12 years a slave" vorwerfen.

Das für mich absolut "Positive" am Film ist jedoch, ohne jeden Zweifel, seine traumhafte Kameraarbeit, die mit ihren fotografierten Dramabildern mehr als besticht.

Fazit: Sehenswertes Zeitzeugnis im oberen 3 Sternebereich !
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Nun, ich weiß ja nicht - ich habe "Roots", "Armitage" und andere Filme gesehen, die sich mit der Sklaverei auseinander gesetzt haben und ich habe im meinem Studium auch etliche zeitgenössische Quelen aus verschiedenen Perspektiven gelesen.

Die hier dargestellten Ereignisse sind schlimm, aber nicht wirklich schlimmer, als das, was schon vorher zu diesem Thema gezeigt wurde - oder was man heute über moderne Sklaverei erfahren kann, wenn man Zeitungen liest, mit dem Unterschied, dass man damals die Sklaven ganz offen gesehen hat und sie heute eher versteckt werden - ohne, dass es notwendigerweise weniger sind und ohne, dass sie besser behandelt werden. Dazu muss man sich nur einmal anschauen, wie ein Teil unserer Krabben im südostasiatischen Raum gefangen werden. Insofern kann ich den Hype um diesen Film nur eingeschränkt nachvollziehen. Einzigartig ist er auf jeden Fall nicht.

Eine andere Sache, die mich von Anfang an gestört hat, waren die Darstellungen der Verletzungen und der hygienischen Umstände. Ein Mensch, der bis zu zehn Stunden in praller Sonne Baumwolle gepflückt hat, zwischendurch als Antrieb die Peitsche gespürt hat und nun nach Hause wankt, dessen Kleidung ist dreckig, durchgeschwitzt, dem steht der Schweiß und der Dreck auf der Haut und ähnliches mehr. Viele Grausamkeiten wurden unterschlagen, die das Leben in diesen Verthältnissen zu einem ständigen Grauen gemacht haben - wohl auch um die FSK 12 nicht zu gefährden. So wirkt dieser Film in Bezug auf die Darstellung doch ein wenig weichgespült - nicht, dass ich unbedingt mehr davon sehen müsste. Es reicht eigentlich schon, den aktuellen ai-Menschenrechtsreport zur Sklaverei zu lesen.

Davon abgesehen ist der Film okay, aber nicht wirklich so herausragend, wie es allgemein dargestellt wurde.

Die Extras der DVD können auch nur zum Teil überzeugen. Das "Making-of" war in Ordnung, aber die Featurettes waren zum größten Teil Zusammenschnitte aus den Filmsequenzen und Sequenzen aus dem "Making-of", so dass mann manche Teile drei- bis viermal sieht. Nicht wirklich gewinnbringend. Eine Dokumentation über die damaligen Verhältnisse, die Rechtslage etc. wäre das wesentlich ergiebiger gewesen, als die ständige gegenseitige Lobhudelei von Regisseur und Schauspielern.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Doch für Solomon Northup(Chiwetel Ejiofor) geht es ums nackte Überleben. Alles andere zählt nicht mehr. Steve McQueen erzählt Solomons Geschichte mit der Kamera bewegend und beklemmend. Das diese Geschichte Mitte des 19.Jahrhunderts in Amerika tatsächlich passiert ist, unterstreicht die Wichtigkeit von McQueens Film. -12 Years a Slave- ist allerdings, oscarprämiert und mit jeder Menge Vorschusslorbeeren versehen, letztendlich für mich dann doch ein ganz "normaler" guter Film gewesen, der sich dem Schicksal der Sklaven in Amerika in keinster Weise anders genähert hat, als z.B. berühmte Vorgänger wie -Die Farbe Lila-. Der Film ist packend, klasse besetzt und verfügt über ein gutes Drehbuch. Neue Sichtweisen auf Amerikas dunkelstes Kapitel in Sachen Menschlichkeit liefert er jedoch nicht.

Solomon Northup lebt mit seiner Familie in den Nordstaaten als freier Mann. Als seine Frau verreist, lässt sich Northup von zwei angeblichen Zirkusmanagern überreden, mit ihnen nach Washington zu fahren. Dort soll Northup, der ein guter Geigenspieler ist, einige Auftritte absolvieren. Doch die Reise ist ein Trick. Northup wird entführt und an einen Sklavenhändler verkauft. Er landet im Süden von Amerika auf der Farm des Feingeistes Ford(Benedict Cumberbatch). Dort geht es Solomon einigermaßen gut. Er muss sich allerdings den Anfeindungen des Zimmermanns Tibeats(Paul Dano) erwehren. Als Ford in Zahlungsschwierigkeiten kommt, wird Solomon an den Farmer Epps(Michael Fassbender) abgegeben. Epps ist brutal, rücksichtslos, verrückt und kaum zu kontrollieren. Solomon muss lernen, dass mit Epps nicht zu spaßen ist. Sein Leben hängt am seidenen Faden. Doch den Gedanken an Flucht, verliert Solomon nie...

-12 Years a Slave- zeigt schonungslos auf, vor wie kurzer Zeit Menschen noch wie Vieh behandelt wurden. Wer darüber nachdenkt, wird schnell feststellen, dass es auch heute noch Gebiete auf der Erde gibt, wo die Verhältnisse sich nicht viel anders gestalten. Steve McQueen hält mit seiner Kamera voll auf das Elend der Sklaven und die Dekadenz und Grausamkeit der weißen Herren. Für mich war Michael Fassbenders Verkörperung des Farmers Epps der absolute Höhepunkt des Films. Wie Fassbender dem Wahnsinn dieses Mannes Gestalt verleiht, das empfand ich als ganz große Schauspielkunst...
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Nach der Lektüre des 1853 erschienenen Tagebuchs Zwölf Jahre als Sklave - 12 Years A Slave (Gesamtausgabe) von Solomon Northup, das dem britischen Regisseur Steve McQueen als Vorlage diente, war ich höchst gespannt auf diesen Film.

Die Verfilmung entspricht der literarischen Vorlage, der in seiner Eindringlichkeit das Blut in den Adern gefrieren lässt. Sie hat mich jedoch lange nicht so gepackt wie die Lektüre. Das mag mit der irgendwie glatten schauspielerischen Leistung des Protagonisten zusammenhängen, dem man kaum anmerkt, wie in seinem Inneren der Glaube an Recht und Gerechtigkeit bricht. Jedenfalls bewahrt die von Chiwetel Ejiofor großartig dargestellte Figur des »freien« Afroamerikaners, der von Menschenhändlern betäubt, in die Südstaaten verschleppt und dort versklavt wird, bis zum Ende ihre Würde, was bei den unglaublichen Qualen und Erniedrigungen, die der Mann durchmachen muss, schwer glaubhaft bleibt.

Der Film ist ein ausgezeichneter Beitrag zur aktuellen Diskussion um das Weltbild der »freiheitlichen« USA, deren Historie sich auf die Vernichtung anderer Kulturen (wie die der Indianer), die Versklavung Andersfarbiger und die Verfolgung Andersdenkender (McCarthy-Ära) gründet, ohne dass dies bislang selbstkritisch aufgearbeitet wurde.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Wer meine Rezensionen kennt, weiß, dass ich eher auf die technische Umsetzung eingehe. Mehr Infos unter mryamaha-heimkinofreak punkt de

Vorwort: Da ich den Film nicht spoilern will und ich Bluray Rezensionen nur dann für sinnvoll halte, wenn man die Qualität und Umsetzung bewertet, mache ich dies hiermit.

Bildbewertung 2:40:1 1080p / MPEG-4 Codec

Dieser Film ist für die Leinwand gemacht, wenn auch das Thema weniger schön und angenehm zu betrachten ist.
Die Schärfe - und Detailzeichnung ist hervorragend, sowie der satte Schwarzwert.
(was bei Blurays keine Selbtsverständlichkeit ist!)
Technisch gesehen gibt es nur einen Bildpunkt Abzug, den in dunklen Szenen sieht man leichte Kompressionsartefakte. Um die reproduzieren zu können, benötigt man allerdings einen hochwertigen Beamer, dem nichts verborgen bleibt.

Tonbewertung Deutsch DTS HD Master Audio 5.1.

ACHTUNG!!! Es gibt Gerüchte und Meldungen im Netz, der Film sei in der deutschen Synchro nicht lippensynchron zum Bild. Offenbar gibt es eine Charge, die in Umlauf kam, wo dieses Problem vorzufinden ist dann bitte umtauschen!

Ansonsten, die Ton ist sehr räumlich abgemischt, auch wenn hier themenbedingt kein Surroundfeuerwerk zu erwarten ist. Die Musik von Hans Zimmer packt einen ins Geschehen und es sind eher die feinen Details, die diesen Mix sehr hörenswert machen. Die Dialoge sind bestens verständlich. Klasse!

An interessanten Extras wurde nicht gespart.

- Interviews mit: Chiwetel Ejiofor, Steve McQueen, Michael Fassbender, Lupita Nyong’o, Brad Pitt & Hans Zimmer
- Featurettes:
- Chiwetel Eijofor wird Solomon Northup
- Die Vision des Regisseurs
- Ein Portrait über Solomon Northup
- Das Team hinter 12 Years a Slave
- Die Filmmusik
- Vom Buch zum Film
- B-Roll
- Bildergalerie
- Deutsche Trailer
- Originaltrailer

Technisch gibt es kaum Beanstandungen, der Film an sich gehört ins Archiv! Punkt.
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43 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Die Blu-ray (Extras, Bildqualität) wird nach Erscheinen des Films bewertet. Ich werde mir den Film nach dem Kinogang gestern definitiv kaufen.

1841, Saratoga Springs, New York: Der freie Afro-Amerikaner Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor, "Amistad", "Salt") ist hochangesehener Geigenspieler und allseits beliebt. Eines Tages, als seine Frau wie so oft mit seinen Kindern aufbricht, um einen lukrativen Auftritt anzunehmen, wird er mittels eines Bekannten von zwei fremden Männern angesprochen, die seine Künste für den Zirkus benötigen. Er willigt ein, da das in Aussicht gestellte Geld nach zweiwöchtigen Auftritten ein kleines Vermögen darstellt. Tatsächlich fährt Solomon mit den beiden Herren nach Washington. Sie geben sich freundlich und speisen vorzüglich. Solomon erhält sogar noch mehr Geld als abgesprochen. Dann an dem Abend wird ihm im Restaurant übel. Er erwacht Stunden später in Ketten. Man macht ihm auf unmissverständliche Art und Weise klar, dass er seine Vergangenheit vergessen soll, er ein Sklave ist und Platt heißt. Platt vermisst natürlich seine Familie. Aber um sein Leben zu schützen mit der Aussicht, sie eines Tages wiedersehen zu können, stellt er sich wie gewünscht mit seinen Mastern gut.

Erster Plantagenbesitzer ist William Ford (Benedict Cumberbatch). Der Mann ist an sich herzensgut, aber dennoch Sklavenhalter wie jeder andere Plantagenbesitzer im Süden auch. Er kann Platt auch nur auf Schuldschein kaufen. Eines Tages gelangt Platt jedoch mit dem Aufseher John Tibeats aneinander. Um sein Leben zu schützen lässt Ford seinen Sklaven an Edwin Epps (Michael Fassbender) überstellen. Ein ungeahntes Matyrium beginnt...

Wenn man um die 50 Kilometer fahren muss, um diesen Film zu sehen lässt dies innerhalb der deutschen Kinolandschaft tief blicken, wo diverse Blockbuster zwei bis drei Kinosäle füllen während Filme wie dieser hier nur im kleinen kettenlosen Spartenkino zu finden ist. Der Film zeigt schonungslos den Süden. Ohne schönes Geschnörkel oder romantische Verklärtheit. Die Schwarzen werden wie Eigentum und Vieh behandelt. Bestrafungen sind an der Tagesordnung. Tote ein notwendiges Übel. Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe mit ungewollten Schwangerschaften keine Seltenheit. Wenn eine Sklavin wegen eines Stückes Seife der Rücken in Fetzen gepeitscht wird lebt ein dunkles Stück Geschichte im "Land of the Free"-Kult auf, dass dort lieber in Vergessenheit geraten würde. Die Schauspielerleistungen sind eindrucksvoll, Kulissen und Kostüme absolut detailverliebt. Die wahre Geschichte von den mir unbekannten Solomon Northup wurde bravourös in Szene gesetzt. Es ist wirklich schade, dass die deutsche Kinolandschaft diesen Film größtenteils übergeht.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Solomon Northup wird aus seinem geruhsamen Leben als Violinist und Familienvater im Norden der USA gerissen, als er unversehends von brutalen Menschenhändlern entführt und in die Sklaverei verkauft wird. Auf seiner Odyssee lernt er viel über die Lebensumstände seiner versklavten Mitmenschen und die Zustände auf den überwiegend unmenschlich geführten Plantagen.

Nachdem so wohl in den Feuilletons diverser Zeitungen, als auch bei der Oscar-Berichterstattung immer wieder "12 Years a slave" besonders hochgelobt wurde und der Streifen ja auch einige der begehrten Trophäen erringen konnte (u.a. "Bester Film"), entschied ich mich für einen Blindkauf. Historisch um Authentizität bemühte Filme kommen bei mir als Geschichtslehrer in der Regel sowieso gut an, dazu sind zwei meiner absoluten Schauspiel-Favoriten in Person von Benedict "Sherlock" Cumberbatch und Michael Fassbender dabei und das Thema ist prädestiniert für große Emotionen und herrliche Gänsehaut-Momente. Leider blieben insbesondere die letzten beiden Elemente, aus meiner Sicht, vollkommen auf der Strecke. Selten habe ich einen so nüchternen Film über die Unmenschlichkeit der Sklaverei gesehen, der den Zuschauer kaum eine Beziehung zu der Hauptperson knüpfen lässt. Denke ich an Spielbergs "Amistad" oder aber auch die Serie "Roots", so existieren einige Beispiele, die ihre Botschaft wesentlich effektiver herüber bringen. Selbst die 80er-Kultserie "Fackeln im Sturm" ging mit dem Thema wesentlich fesselnder um. Die Geschichte wird so auf ihre, zugegeben durchaus interessante, Handlung reduziert, provoziert mit authentisch wirkender Gewalt und bietet immerhin den Darstellern viel Raum zur Entfaltung - insbesondere Fassbender als rücksichtsloser Plantagenbesitzer hat mich hierbei beeindruckt.

Zur Technik: Hier trumpft die Scheibe richtig auf. Ein unermesslicher Detailreichtum, hervorragender Kontrast und Schwarzwert im visuellen Bereich, sowie die hervorragend abgemischte DTS-HD MA 5.1.-Audiospur (fast durchgängig perfekt ortbare Räumlichkeit, klare Dialogverständlichkeit) sorgen für ein Unterhaltungserlebnis auf der Höhe des technisch Machbaren. Die komplett in HD vorliegenden Extras (u.a. eine Doku über die Adaption der Buchvorlage, Interviews mit Darstellern und Hintergrundinformationen zum Filmteam) sind ebenfalls durchaus sehenswert und runden den diesbezüglich sehr guten Eindruck der Blu-ray ab.

Lange habe ich mit mir gerungen, ob der Film mit drei Sternen nicht zu knapp weg kommt, aber insgesamt wiegen die fehlende Emotionalität und der Mangel an wirklichen Gänsehaut-Momenten (bis auf den Schluss, der ansatzweise dazu inspiriert) einfach für einen Film mit derartigen Vorschusslorbeeren und einer gewissen historischen Zielstellung zu schwer. Die gefühlte Authentizität der Ereignisse allein ist zu wenig, die teils grandiosen Darsteller sorgen zwar für eine bewundernswerte Zurschaustellung von Schauspielkunst, aber auch das tröstet nicht komplett über teils langatmige Mimikstudien (gefühlt schaut man dem Hauptdarsteller in manchen Szenen minutenlang beim Herunterklappen der Mundwinkel zu - sorry für die Formulierung, anders kann ich es nicht beschreiben) und die (beabsichtigte?) Nüchternheit hinweg. Und irgendwie bleibt am Ende der Rezension doch so dieses Gefühl, dem Streifen schon ein wenig Unrecht zu tun und dieser seinen Anspruch vielleicht an einer ganz anderen Ecke versteckt, als dort, wo ich ihn zu finden gehofft habe.
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