Es ist die große Zellteilung angesagt im Hause "Fear Factory". Während Sänger Burton C. Bell und Altgitarrist Dino Cazares sich binnen der letzten Monate überraschenderweise scheinbar wieder prächtig verstanden, blieben Neigitarrist Christian Olde Wolbers und Drummer Raymond Herrera auf ihren Songs fürs neue Album sitzen.
Als Bell und Cazares sich dann einfach mal Byron Stroud (SYL, Zimmers Hole) und Gene Hoglan (SYL, Zimmers Hole, Tenet) dazuholten, um unter dem Namen "Fear Factory" von vorn anzufangen, dachten sich Wolbers und Herrera wohl: "Päh, machen wir halt unsere eigene Band auf" und holten sich Sänger John Howard und Basser Pat Kavanach von Threat Signal an Bord, um die liegengebliebenen Songs doch noch umzusetzen.
Das erste Ergebnis dieser Teilung in "Strapping Young Factory" und "Fear Signal" sehen wir hier vor uns unter dem schmucken Namen "Arkaea" mit ihrem ersten Album "Years In The Darkness".
Und was soll man sagen, Wolbers kann immer noch nicht verleugnen, dass er bei Cazares Riffen gelernt hat und dass über 50% der Songs für "Fear Factory" bestimmt waren, merkt man ebenso.
Dennoch schafft die Band es, ein halbwegs eigenes Profil zu entwickeln.
Verantwortlich dafür dürfte der Einfluss von Sänger Howard sein. Wolbers betont in Interviews zum Album meist, dass die Songs auf simplere Strukturen reduziert wurden, um Howard eine möglichst große Fläche für seine Stimme zu geben.
Womit wir es hier im Wesentlichen zu tun haben ist also gesangshookorientiertes Stakkatogeballer mit Industrial-Einsprengseln.
Und das funktioniert auch durchaus ganz prächtig. Wolbers präsentiert seine versimpelten Stakkato-Riffs souverän mal mehr mal weniger stumpf, lässt hier und da mal eine rockige Melodie einfließen.
Herrera macht dazu, wie zu erwarten, was er am besten kann, nämlich dem Stakkato mit der Bassdrum folgen.
Hört sich ausgelutscht an, ist aber immernoch erstaunlich effektiv.
Der Bass folgt die meiste Zeit leider etwas arg sklavisch.
Das recht einfache Rezept wird immer wieder durch Tempo- und Rhythmuswechsel aufgelockert.
Dezente Synths schaffen eindringliche Atmosphären und verstehen es, manch einen Moment ins episch breite auszudehnen.
Über diese Basis zieht Howard souverän wie von ihm gewohnt seine variablen Gesangslinien. Dynamischer Wechsel zwischen schneidendem Keifen, Growls und Screams bestimmt die Strophen, in den Refrains wird der leicht geschriene Klargesang ausgepackt, der ein ums andere Mal an einen etwas aggressiveren Chester Bennington erinnert.
Die Gesangshooks der Refrains sind dabei allesamt äußerst catchy und stets als Höhepunkt der Songs angelegt. Ohrwurmgarantie gibt es definitiv bei mehr als nur einem Song.
Dieses gelungene Zusammenspiel aus Industrial-Feeling, maschinellem Riffing und catchy Gesangsmelodien mit Howards markanter Stimme funktioniert Song für Song super, lässt auf Albumlänge jedoch schnell latente Langeweile aufkommen.
Auch Auflockerungen wie die Ballade "Away From The Sun" oder das "Deftones"-inspirierte "Lucid Dream", die im "Fear Factory"-Kontext vermutlich nicht so möglich gewesen wären, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass alle Songs letztendlich gleich aufgebaut sind und daher schnell vorhersehbar werden.
Wir haben es hier also letztendlich zweifelsohne mit einem guten Album mit einigen Hörwerten zu tun, das auch über die Umdrehungen hinweg ein angenehmes Stückchen wächst.
Doch auf Dauer fehlt einfach der Zündfunke, die kleinen Details.
Man wünscht sich ein wenig, Wolbers hätte die Songs nicht reduziert, denn Howard hätte sicher problemlos zu komplexerem Material singen können. Das hat er schließlich mit seiner Stammband "Threat Signal" bereits eindringlich bewiesen.
Wer "Fear Factory" und "Threat Signal" mag, hat hier sicher einen Pflichtkauf niedriger Priorität vor sich. Fans von modernem Metal allgemein sollten vielleicht vorher reinhören, können aber nichts falsch machen.
Wer Threat Signal nicht mag, weil ihm Howards Stimme auf die Nerven geht (schon immer etwas gewöhnungsbedürftig), der sollte um dieses Album lieber einen Bogen machen