Groß war die Trauer unter den zahlreichen Fans, als die legendäre amerikanische Indieband Dispatch sich im Jahr 2004 auflöste. Ohne Unterstützung eines großen Plattenlabels, hatten sie sich seit Mitte der Neunziger durch Mund-zu-Mund Propaganda und zahllose Liveauftritte eine große Fanbase in den USA erspielt und konnte am 31.07.2004 ihr letztes Konzert "Last Dispatch", vor 110.000 begeisterten Fans in Boston spielen.
Gut für die Fans, dass mit State Radio, der neue Band von Dispatchmitglied Chad "Chetro" Urmston, bereits Ersatz in den Startlöchern stand. State Radio machen da weiter wo Dispatch aufgehört haben: Rock mit Reggae-, Ska-, und Funkeinflüssen. Der Sound ist ist energiegeladener und härter geworden, die Texte politischer als bei Dispatch.
So kann man es auch auf ihrem Zweitling "Year of the crow" hören: Gleich beim Eröffnungstrack 'Guantanamo macht die Band deutlich, wo sie politisch zu verorten sind. State Radio klagen die amerikanische Außenpolitik an, die ihren traurigen Tiefpunkt im Gefangenenlager Guantanamo Bay erreicht hat. Die nächste himmelschreiende Ungerechtigkeit wird schon im folgenden Lied thematisiert, der Fall von drei Jugendlichen aus West Memphis, Kansas, die trotz sehr dünner Beweislage wegen Mordes verhaftet wurden, wird im Song Unfortunates erzählt. In Songs wie CIA, Sudan oder Fall of the Amercian Empire wird deutlich, dass den Jungs von State Radio so einiges nicht passt, was in der Welt vor sich geht.
Es wäre aber ungerecht, die Band einzig auf ihre politischen Texte zu reduzieren. Die musikalische Qualität ist dafür einfach zu gut. Die Platte strotzt nur vor Energie und reißt den Hörer von der ersten Sekunde bis zu den letzten Klängen des Hidden Acoustictracks mit. Auch die ruhigeren Momente des Albums sind mehr als gelungen, ein Track wie Omar Bay beweist, dass State Radio mehr sind als nur eine weitere politische (Punk)Rockband.
Die Chancen stehen nicht schlecht, dass State Radio mit dieser Platte auch in Europa den Durchbruch schaffen könnten. Selten hat man aus Amerika einen so erfrischenden Sound gehört, State Radio mischen Alternative Rock, Ska, Reggae mit ruhigen akustischen Momenten. Heißer Geheimtipp!