Leichte Melancholie, angedeutete Düsternis - vor allem im Textkonzept.
Dazu ein musikalischer Fundus, welcher viele Bereiche streift, um daraus ein eigenes Universum zu kreieren.
Dies sind die Welten von COHEED & CAMBRIA.
Oftmals nicht ganz so leicht zugänglich - dafür mit gehörigem Wachstumspotenzial.
Falls Ihr Euch traut Musik zu entdecken, nicht nur zum schnellen Konsum, dann könntet Ihr hier möglicherweise genau richtig sein.
AUF GEHT'S ...
WISSENSWERTES
Stil
Progressive Rock/Metal
Tendenzen
Rock/Pop/Alternative
Anspiel-Tipps
Far, Made Out Of Nothing, Pearl Of The Stars
EINDRUCK
DAS UNIVERSUM IST UNENDLICH ...
... die Geschichte um COHEED, CAMBRIA und ihren Sohn CLAUDIO ist es nicht.
Es ist vollbracht, die 4-teilige Konzeptstory der oben genannten Protagonisten wird mit dem eigentlichen Prequel der Story, mit der fünften CD, zu Ende gebracht.
Der Weg war lang und voller Gefahren, den die 2001 in New York gegründete Band hinter sich brachte.
Die Geschichte um die "Amory Wars" Saga (es geht um nichts anderes als die Bedrohung des gesamten Kosmos - ui, aber auch), klingt zu verworren, als ob der NORMALO unter uns diese ohne fremde Hilfe begreifen könnte, weswegen wohl auch ein 350 Seiten dickes Comic im Umlauf ist, ein Buch, bzw, ein Film ist angedacht.
Also widmete man sich stets eher der Musik der Band, denn der Story.
Haufenweise RUSH, MAIDEN und PROG/ALTERNATIVE Einflüsse wurden auf den letzten Alben verbraten. Mal eher geradlinig angelegtes Rock-Opus, mal eher progressiv verschraubtes, einer Oper angelehntes Werk. Nun also das abschließende Kapitel (äh, im Konsens das beginnende - ihr versteht?) - wo erste Dunkelheit das Licht vertreibt.
Extrem ambitioniert und umfangreich - dies ist die Welt von COHEED & CAMBRIA.
Die Gefahr des Verirrens im eigenen Konzept - ja, sie war da und wurde manchmal nur knapp umgangen.
Auch auf der vorliegenden Scheibe ist nicht alles farbenfroher Regenbogen, so manche Passage klingt nach früheren Werken und doch ist die Scheibe bei genauerer Betrachtung wichtig und stark geworden.
Dafür sorgen eine Handvoll Songs, welche zu den besten gehören die die Band bisher produziert hat, auch wenn sie eher aus der eingängigen-melodischen Schiene kommen und weniger der härteren Progressiv-Metal/Rock Variante zuzuordnen ist, die die Band in der Vergangenheit aus der gesichtslosen Masse heraushob.
Das Intro "One" eröffnet knapp 2 Minuten lang das Album, Pianomelodie - Ambient-Sequenzen - leerer Raum.
"The Broken" wird nahtlos angehangen, eine pulsierende Rhythmus Nummer, punktgenaues Drumming, vielschichtige Gitarren-Harmonien, genauso an Alternative (Editors), als auch Progressive (Rush) erinernd.
CLAUDIO SANCHEZ agiert eindringlich und hypnotisch, wie immer unverwechselbar.
Sein Gesang gibt einem die nötigen Strukturen in den Songs. Oft hochmelodisch und eingängig, stets emotional gut abgehangen.
"Guns of summer" wirft elektronische Spielereien auf einen hektischen Rhythmus, grandios produzierte schwere Rhythmus-Gitarren, und einen eingängigen Refrain. Das Schlagwerk tackert vor sich hin, ultra komplex und variantenreich.
Ein Album zum Entdecken, oftmaliges Hören ist dringend empfohlen, um die Strukturen der Songs zu durchschauen, den Flow zu begreifen. Es wirkt kompakt, es ist verspielt, es atmet.
Die Produktion bringt die Gitarren glasklar ins Spoundbild ein, welches die Schwere der Rhythmen genauso phantastisch einfängt, wie die zahlreichen produktions-technischen Gimmicks.
"Far" wird dann zum epischen, elegischen, Industrial angehauchten, ruhigen Klangkosmos mit eingängigen Hooks.
"Made out of nothing (All that I am)" ist dann wohl das melodische Überlied der Scheibe.
Eine Refrain-Melodie, welche einem so schnell nicht mehr aus dem Kopf möchte, subtile Melodie - feiner Spannungsbogen - immer weiter kulminierend dem Ende hin - mit feiner Chorlinie im Back - HERRLICH.
Dabei spielt sich jedoch alles weit jenseits des Mainstream ab, der neue Drummer CHRIS PENNIE (Dillinger Escape Plan) sorgt für reichlich wertige Rhythmus-Arbeit.
Die Melodien sind teilweise sehr GROSS geraten - ohne zu blenden, ohne zu pathetisch zu wirken, ohne zu ermüden.
"Pearl of the stars" ist so ein Beispiel.
Eine wahnsinnig emotionale Ballade, mit Akustik-Gitarre beginnende, stimmlich gehauchte Erhabenheit.
Im weiteren Verlauf werden atmosphärische Sounds, nur leicht unterstützende Drums und fast schon leicht symphonische Stimmungen eingeflochten.
Doch alles bleibt eher unauffällig, Akustik-Gitarre und ruhiger Gesang sind klar die beherrschenden Elemente. Unweigerlich verschwindet hier der Alltag - INTENSIV.
Diese Scheibe ist nicht leicht zugänglich - sie ist einerseits hoch melodisch, andererseits aber auch recht vertrackt. Trotzdem bietet sie dabei leichter zu erreichende Struktur - gibt subtile Hammer-Melodien mit auf den weiten Weg durchs All. Und so wirkt der gesamte Klangkosmos von COHEED & CAMBRIA nachhaltig - er wirkt nach und gibt mehr, als das er nimmt. Ruhige-melancholische Stücke, wechseln sich mit rhythmischen Par-Force Ritten ab - LANGZEITWIRKUNG garantiert.
FAZIT
Facettenreich - Vielschichtig - Ambitioniert
Rhythmisch mehr als interessant - Gitarren-technisch verzaubernd
Emotionaler, charismatischer Sänger, mal ruhig-hypnotisch, mal eher treibend-aggressiv,
welcher nicht technisch perfekt, nicht die beste Stimme hat
doch mehr als passend und unverwechselbar agiert
Musik mit Herz und Verstand - ein Album, welches wächst - VERSPROCHEN
DARKEN TOM from DARKENSTORM.COM