Muss das eine CD mit ausschließlich Cover-Versionen sein? Mir wäre eine echte Def Leppard CD lieber gewesen, dachte ich, legte die neue CD ein und nahm alles wieder zurück.
Die alten Songs waren schon immer gut. Die neuen Versionen sind - kann man besser sagen? Sie halten sich nahe an das Original und sind dennoch ganz anders. Und endlich rockt Def Leppard wieder. Endlich gibt es wieder richtig fetzige Gitarren. Wer sich nicht vorstellen kann, dass Def Leppard einen Song von Blondie zum Besten gibt, der sollte ruhig mal ein Ohr riskieren. Ich war jedenfalls äußerst positiv überrascht. Es mag zwar sein, dass einige Stücke nicht genau der Stil von Def Leppard sind (und nicht die genialen, typischen Zwischenteile enthalten, die nur Def Leppard so genial beherrscht), aber was sie daraus machen, ist eine leckere Mischung aus Original und Def Leppard.
Für die, die die ein oder andere Originalversion (noch) nicht kennen:
-= 20th Century Boy (T.Rex) =-
Die neue Version klingt fast wie das Original. Und genauso gut. Zwar nichts Neues im Remake, aber alles Neue hätte diesen Klassiker kaputt gemacht.
-= Rock On (David Essex) =- (*)
Ein Song, den man unmöglich covern kann, lebt er doch von seinem schrägen Sound, den Rasseln und Bongos. Dachte ich. Doch Def Leppard fügt diesem Song ganz neue Sounddimensionen - erzeugt durch Gitarreneffekte - hinzu. Klangkulissen ohne richtige Riffs wie in diesem Fall beherrschen Def Leppard wie keine andere Band (übrigens auch live!). Kein Wunder also, dass der grandiose Song von David Essex in der neuen Version nichts einbüßt. Sie hält sich zwar an das Original, klingt aber dennoch unverwechselbar nach Def Leppard. Für mich eines der drei besten Stücke auf der CD!
-= Hanging By The Telephone (Blondie)=-
Mit dem Original konnte ich nie viel anfangen. So überraschte mich die neue Version sehr. Das soll der Song von Blondie sein? Er ist es. Ich habe es überprüft. Alles noch das gleiche. Selbst die Gitarrenriffs sind im Grunde dieselben. Und dennoch. Die Gitarren klingen anders, auffälliger. Der Song klingt anders. Interessanter. Rockiger. Eindeutig besser!
-= Waterloo Sunset (The Kinks) =-
Meiner Meinung nach einer der schwächeren Songs auf der CD. Er ist toll eingespielt und gemischt. Auch hier werden ganze Klangkulissen mit den Gitarren erzeugt. Er klingt anders als das Original, bietet aber nichts Neues.
-= Hell Raiser (The Sweet) =- (*)
Ich liebe Sweet. Ich liebe Hell Raiser. Das Original hat richtig Power und gleichzeitig Melodie. Def Leppard ist ja nun weniger für straighten Hardrock bekannt... Aber gleich mit dem ersten Akkord rast ihre Version von Hell Raiser den Highway zur Hölle entlang. Und zwar mit einer Power, die man nie für möglich gehalten hätte. Die Gitarren rocken richtig ab und der Gesang ist phänomenal. Apropos Gesang, wer singt denn da diese geniale Fistelstimme, die fast klingt wie das Original, nur noch besser? Es ist Justin Hawkins von THE DARKNESS. Respekt, dieser Song haut rein. Es ist einer meiner Lieblingssongs auf diesem Album!
-= 10538 Overture (ELO) =-
Das Original finde ich relativ langweilig. Es plätschert scheinbar endlos dahin (5:30 Min). ELO hat bessere Songs. Aber ich war gespannt, was Def Leppard aus dem Streichorchester macht... Es bleibt ein Streichorchester. Keine Ahnung, ob es nur gesampelt ist. Es klingt echt. Und es ordnet sich - wie sollte es anders sein - schön den Gitarren unter. Und hey, der Song klingt plötzlich wunderschön. Und schneller. Er ist auch nur noch 4:30 lang... Wieder sind die einzelnen Elemente nah am Original. Und dennoch klingt diese Version ganz nach Def Leppard. Gut so.
-= Street Life (Roxy Music) =-
Herzanfall. Wie konnten sie nur diesen Song auswählen? Nun ja, Def Leppard hat in ihm wohl etwas anderes gehört als ich. Und was, das zeigen sie in ihrer Version - zum Glück ohne Roxy Music. Und siehe, es ward Rock.
-= Drive-In Saturday (David Bowie) =-
Auch hier hat das Original das Zeug zur auditiven Schlaftablette. Ein Valiumersatz bleibt es auch in der neuen Version. Aber ich kriege davon wenigstens keine Migräne mehr. Wäre es ein eigener Song von Def Leppard, würde ich ihn als Pflichtballade bezeichnen.
-= Little Bit Of Love (Free) =-
Free hat eine schöne, gemütliche Art zu rocken. Selbst bei ihrem Kracher All Right Now. Little Bit Of Love mochte ich schon immer sehr. Und jetzt kommt Def Leppard daher und wertet ihn sogar noch auf, indem sie ihn noch eine Spur fetziger machen. Und wieder diese Gitarren... Was haben wir sie auf den letzten Alben vermisst!
-= Golden Age Of Rock'n'Roll (Mott The Hoople) =-
Purer Rock'n'Roll, soweit das Original. Purer Rock'n'Roll mit einer ordentlichen Portion Distortion das Cover. Das geht direkt in die Beine! Und es erinnert an Def Leppard in den frühen 80ern!
-= No Matter What (Badfinger) =-
Ein alter, schöner Ohrwurm. Ein Ohrwurm bleibt es auch in der neuen Version. Aber hier bietet das Cover wieder wenig Neues. Und die zweite Gitarre aus dem Original mit den reggae-ähnlichen Einwürfen geht leider im neuen Mix unter. Finde ich persönlich etwas schade.
-= He's Gonna Step On You Again (John Kongos) =- (*)
Ein genialer Song mit genialen Rhythmus und genialen Gitarren. Jetzt auch in genialem Sound. Das Original MUSS man haben. Und das Remake allein ist die ganze neue CD wert. Es ist einfach unbeschreiblich - gut.
-= Don't Believe A Word (Thin Lizzy) =-
Ich liebe Thin Lizzy. Don't Believe A Word ist einer seiner besten Stücke. Def Leppard kann diesen Song doch nur kaputt machen, oder? Falsch. Joe Elliott klingt hier Phil Lynott sogar fast zum verwechseln ähnlich. Auch die Gitarren liegen sehr nah am Original, ähnlich wie bei 20th Century Boy. Und genau wie da ist die neue Version ebenso genial wie das Original. Ein Stück, das Def Leppard offensichtlich liegt!
-= Stay With Me (The Faces) =-
Ich mag Rod Steward nicht besonders - aber dieses Stück sang er klasse. Und jetzt kommt PHIL COLLEN (!) und macht ihm mit seiner Reibeisenstimme mächtig Konkurrenz. Es ist phantastisch, wie Phil singt! Ich hätte auch nie gedacht, dass Bottle-Neck-Gitarren zu Def Leppard passen. Sie tun es. Schade ist nur, dass die neue Version schon etwas älter ist. Sie befand sich bereits als B-Seite auf der Single NOW (2002). Wer die Single nicht hat, der sollte sich Phil am Mikrofon wirklich nicht länger entgehen lassen!
In den USA gibt es YEAH! in drei Haldelsketten als Sonder-Editionen inklusive Bonus-Tracks, auf die wir in Europa leider (vorerst) verzichten müssen:
Wal-Mart (American Girl, Search And Destroy, Space Oddity, Dear Friends, Heartbeat)
Target (When I'm Dead And Gone)
Best Buy (Winter Song)