Nach ausführlichem Studium der technischen Möglichkeiten dieses DVD-Receivers anhand der PDF-Bedienungsanleitung (Yamaha webseite) habe ich das Gerät bei einem Händler in der Stadt gekauft, weil es dort auch deutlich günstiger als bei Amazon war.
Gut verpackt ist es, allerdings bekommt man den Karton mit den Lautsprechern nicht leicht aus der Packung, so passgenau steckt der Karton im Überkarton drin. Behutsam stelle ich die im Klavierlackfinish gefertigten Boxen hin (habe die schwarz-schwarz Version gekauft). Ich greife dazu beherzt in das Luftloch auf der Rückseite, so lässt sich die Box gut hantieren. Die Boxen sind ganz schön schwer, was meist ein gutes Zeichen für deren akustische Eigenschaften ist. Die Oberfläche scheint ein Kunststoff zu sein, kein echter Lack. Die Lautsprecherkabelenden laut Anleitung verdrillen und nicht zu weit in das dafür vorgesehene Loch am Verstärkerausgang stecken, da es dann nur schwer wieder herausgeht, wenn man es wieder abnehmen will. Beim ersten Anstecken gab es keinen Kontakt bei dem einen Kanal, daher weiss ich jetzt, dass man aufpassen sollte, wie weit man das Kabel einsteckt. Die Buchsen auf der Receiverrückseite haben eine Klappe mit der das abisolierte Kabel eingeklemmt wird. An den Lautsprechern schraubt man das Kabel mit grossen Klemmen fest. Das Lautsprecherkabel verdient seinen Namen, es hat einen für die Leistung wirklich ausreichenden Querschnitt. Ist vom Zusammenlegen natürlich noch bockig und will nicht satt auf den Boden aufliegen. Es glänzt rot und schwarz. Muss man also dann noch sauber verlegen, damit sich das Auge nicht daran stört. Lautsprecher provisorisch zunächst auf dem Tisch aufgestellt.
Die Knöpfe am Gerät sind aus Metall, und sind eher schwergängig, was ich gut finde. Eigentlich sind vom sichtbaren Teil nur die zwei seitlichen vertikalen Zierleisten aus Kunststoff.
Ok es wird "ernst". G. Mahler Symphonie Nr 5, Audio CD eingelegt. Ich denke mir: Sicherlich schaffen das die doch recht kleinen Boxen einfach akustisch nicht wirklich. Meine Vermutung bestätigt sich. Klassik mit dem Dynamikumfang dieses Stückes ist nicht das, was man sich darauf gerne anhört. Kopfhörer (Sennheiser HD 590) klingt sauber. Die Lautsprecher schalten sich beim Anstecken ab.
Also mal einen Kommerzmusiksender ausprobieren? Wurfantenne ist beigepackt und rasch angesteckt. Doch Moment, da ist nur ein mit einem Schrumpfschlauch überzogener Kontakt am Kabelende montiert. Kein echter Koax-Stecker. Dennoch, der Kontakt passt auf den Stift des Steckers auf der Rückseite des Receivers - und hält auch ganz gut. Es rauscht doch bei den meistens Sendern was aber hier normal ist, also an das Hauskabel angeschlossen. Der Suchlauf läuft unaufhaltsam sowohl durch den FM als auch den AM-Frequenzbereich und versucht Stationen zu finden. Er legt sie in die 40 verfügbaren Presets ab. AM bleibt ohne Erfolg, das kann natürlich nicht gut gehen, da ich die Bügelantenne gar nicht angeschlossen habe, weil AM-Empfang benötige ich ohnehin nicht. Also warte ich geduldig und stelle fest, dass der Suchlauf auch im Hintergrund weiterläuft, während ich mich mit der Fernbedienung vertraut mache.
Die Fernbedienung ist übersichtlich und logisch aufgebaut. Sie ist recht gross (gemessene 20cm lang), da ja auch viele Knöpfe Platz finden müssen. Laut Anleitung kann man damit auch das Gerät als Wecker programmieren. Ebenso automatisches Ausschalten. Uhrzeit holt sich der Receiver wenn man will über das RDS Signal. Hätte ich gleich wissen müssen, so hätte ich mir das Uhrzeit einstellen erspart. Scheinbar habe ich doch nicht die Bedienungsanleitung genau genug gelesen. Die gedruckte Version hat Buchformat, da alle Sprachen enthalten sind. Also keine einzelnen dünnen Hefte, was mich immer nervt. Man kann es bequem ins Bücherregal stellen. Dort steht alles gut übersichtlich beschrieben drin. Besonders hervorheben muss man das Kapitel über die geeigneten Discs und Formate. Die gängigen Formate scheinen dort auf, nicht jedoch DVD Audio und Abspielen von Video vom USB Medium. Doch dazu später.
Klanganpassung ermöglicht L/R-Balance, Bass-/Höhen-Anhebung-/Absenkung. Eine Loudness-Funktion habe ich bisher nicht entdeckt. Schade. Eigentlich werde ich die Klanganpassung doch eher nicht brauchen, eventuell ein wenig mehr Bass. Ich drücke gleich wieder auf Pure Direct auf der Fernbedienung. Die Balance bleibt davon unbeeindruckt, was ich sinnvoll finde. Es gibt einen kleinen Tonaussetzer beim Umschalten auf Pure Direct aber kein Knacksen was wirklich stören würde. Die aufgeräumte Bedienerseite des Receivers bietet eigentlich nur die Auswahl der Medien (USB oder DVD) und die anderen Quellen, Lautstärke und Trackauswahl. Man muss also auf alle Fälle mit der Fernbedienung arbeiten, wenn man mehr tun will als Start/stop, Eject und Lautstärke.
Mittlerweile sind ein paar Radiostationen im Kasten und wie ich vermutet habe klingen kommerzielle Pop-Sender ganz passabel. Wirkliche Tiefbässe, die man auch physisch im Bauch spüren würde, können die Boxen naturgesetzmässig nicht wiedergeben, ich habe es auch nicht erwartet. Das Zielpublikum ist doch eher der gelegentliche Hörer, der vor allem relativ viel Videofunktionen für den Preis habe will und bei der Audiowiedergabequalität über die mitgelieferten Boxen Abstriche machen kann - und keinen Platz hat. Das war für mich das wichtigste Kriterium: Klein sollte es sein. Immerhin ein DVD player mit HDMI 1.3 Ausgang (Achtung: kein HDMI-Eingang !) mit Audio optical out und Stereo Aux-In/out + analoger Cinch-Ausgang für eine aktive Subwooferbox. Bei letzterem scheint aber das ganze ungefilterte Signal rauszukommen, in der Anleitung finde ich zunächst nicht viel über die Eigenschaften dieses Ausgangs.
Egal, mein Anwendungszweck war es ein paar Geräte durch eines zu ersetzen, um Platz zu schaffen, und HDMI fit zu sein. Der etwas betagte Teac Receiver kann kein HDMI 1.3 und kommt zu ähnlichem Preis aber ohne Boxen, also schied der aus. Sonst hatte ich kaum Geräte gefunden, die meinen Anforderungen entsprachen und unter 500 Euro kosten. Platz und tolerante Nachbarn für Home Cinema Lautsprecherset mit Tiefbass habe ich ohnehin nicht. Viel mehr als zwei Lautsprecherausgänge gingen sich auch platzmässig nicht aus, wenn man sich das Schuhkarton-grosse Gerät ansieht. Ich wollte damit Musik vom USB stick, DVD und CD abspielen können. Ethernet Anschluss habe ich bei dem Preis nicht erwartet - aber jedesmal eine DVD brennen wenn man einen Film ansehen will, den man auf dem Computer von DVB-T aufgezeichnet hat?
Das geht doch sicher auch über USB! In der Bedienungsanleitung steht nur, dass der Receiver Musik vom USB Medium abspielen kann. Video wird nicht erwähnt. DivX Ultra zertifiziert ist er aber, also kodiere ich ein aufgezeichnetes Filmstück im DivX Home Cinema Format für den USB stick. Anstecken und von DVD auf USB umgeschalten. Die LED am USB Stick leuchtet auf. Der Film läuft wenige Sekunden später ab. Nur das Seitenverhältnis stimmt noch nicht, aus dem 16:9 wurde 4:3, weil mein Test-Fernsehapparat nur 4:3 ist. Werde ich später noch korrigieren. MPEG Program Stream wird nicht wiedergegeben. Ebenso nicht H.264 mit AAC Ton. Windows Media 9 habe ich hingegen wieder vom USB stick zum Laufen gebracht.
Ich brenne eine DVD-Audio Disk. Dieses Format kann nicht jeder DVD player wiedergeben. Ich verwende DVD-RW Medien von Sony und es klappt sofort. Am Fernsehapparat sehe ich das DVD-Audio Menü. Die Tasten lassen sich zwar ansteuern aber der Leuchtrahmen, der die Auswahl (Cursor) markieren soll, liegt neben den Knöpfen. Aha, das Seitenverhältnis ist das Problem. Mein 4:3 Testfernsehapparat zieht das im 16:9 erstellte Layout auf 4:3 auf, die Receiversoftware platziert daher die Cursorrahmen nicht deckungsgleich.
Also brenne ich mit Toast (ja ich bin ein Mac-user) schnell nochmals eine 4:3 Version. Man muss die DVD anhalten, um in den Bereich des Setup-Menüs zu kommen wo man das Seitenverhältnis etc einstellen kann. Dieses "System-Setup" ist wiederum nur aktivierbar wenn DVD als Quelle ausgewählt ist. Das ist wichtig zu wissen wenn man das gleiche bei Wiedergabe vom USB stick machen will. Anschliessend wieder auf Play gedrückt und es geht an der gleichen Stelle weiter. Jetzt stimmt es.
Also kann der Receiver obwohl davon nichts in der Bedienungsanleitung steht sehr wohl auch DVD Audio (Musik) Disks verarbeiten, die ich mit Toast aus iTunes Quellmaterial (AAC) in Dolby Digital umgewandelt habe. Toll, 50 Stunden Musik als Dolby Digital codiert passen so theoretisch auf eine DVD und die Covers sind auch gleich mit auf die Disk gekommen. Es macht Spass mit dem Fernsehbildschirm ohne Rechner (!) in der Musik herumzustöbern, allerdings ohne Fernsehapparat wird das suchen am Receiver eher mühsam. Aber da kann der Receiver nichts dafür. DVD-Audio benötigt eben einen Monitor zum Sichten. Alternativ kann man sich einfach so schnell mal die iTunes files auf eine DVD ziehen und von dort wiedergeben. Auch hier ist laut Bedienungsanleitung nur die Wiedergabe von AAC codierten files von einer CD (nicht DVD) möglich.
Resume für heute abend: Wie ich doch heimlich gehofft habe, kann das Gerät sehr wohl auch Videoformate vom USB-Medium abspielen, zumindest DivX klappt definitiv, wenn man beim Seitenverhältnis mitdenkt und entsprechend kodiert und die Komponenten richtig einstellt.
Lesen Sie weiter... ›