Ich hab mich ziemlich auf das neue Pallas-Album gefreut. Die beiden Vorgänger konnten mich rundum überzeugen und hebten sich angenehm vom oftmals sterile und kitschigen Soundbrei im Neo-Progressive-Rock ab.
Butterweiche Produktionen, zuckersüße Keyboardsounds, langweilige, zu lange 'Songs' ' all das sind Dinge, die man an Mass im Neo-Prog wiederfindet, jedoch NICHT bei Pallas! Das Coole an dieser Band ist meiner Ansicht nach das Vermischen von Neo-Prog mit bratzigem Hard-Rock. Damit erinnert Pallas' Stil weniger an die 'üblichen Verdächtigen' wie Genesis, Yes oder VDGG, sondern eher an Bands wie Queensryche, Deep Purple oder Uriah Heep. Dass der Einfluss der klassischen Vier auch nicht fehlt, ist klar. Doch auch die manchmal an Geoff Tate erinnernde Stimme von (Ex-)Sänger Alan Reed weckt den Eindruck, dass die Musiker von Pallas frühe Hard-Rock-Fans waren, die sich gelegentlich zu Crimso einen durchgepfiffen haben.
Genug der Vorrede, denn dieses Konzept, all das, was ich gerade erklärt habe, werfen Pallas mit XXV kaltherzig um! Legt man das Album ein, hört man erstmal ein steriles 'Hello, and welcome'.. Assoziationen an Ayreon werden wach (ist auf diesem Album auch nicht das einzige mal). Dann kommt einer dieser Keyboard Sounds, als würde er aus Guitar Pro 6 stammen.. Einer von diesen, wo ich immer dankbar war, dass sie bei Pallas eigentlich weniger auftauchen. Aber dann entwickelt sich ein Song allererster Güte, der mich aber beim ersten Hören trotzdem nicht aus den Socken gehauen hat. Der Grund dafür ist, dass er NULL nach Pallas klingt! Es handelt sich um einen straighten Rocker mit Metal-(!)-Anklängen. Auch eriinnert mich der Song stark an Shadow Gallery (CliffhangerII). Riffing, Doublebass- wo ist DAS bitte Pallas? Trotzdem der beste Song der Platte. Der zweite Song folgt diesem Prinzip größtenteils, nur ist er schleppender und weniger eingängig. Im Laufe der Platte stellt sich heraus, dass es von dieser Sorte noch einige Nummern zu hören gibt. Mich persönlich begeistern solche Nummern nicht allzu sehr, zumal sie hier manchmal auch ein wenig ähnlich klingen. Trotzdem verbergen sich hinter den Riffs und dem recht hohen Härtegrad eine menge schöner Melodien. Sacrifice beispielsweise, ein weiter straighter Rocker im Up-Tempo, gefällt mir in der Hinsicht gut.
Was mir auf XXV fehlt sind die Power-Balladen im Stile von Ghost Dancer. Atmosphärische Songs finden sich jedoch auch. Something In The Deep besteht eigentlich nur aus Keyboard und Stimme, mit kurzen Gitarreneinwürfen. Zum Schluss wird es sinfonisch, mit Streichern (echte?). Das hätte man zu einem Bombast-Song mit kompletter Band ausbauen können, er endet aber für meine Begriffe zu früh. Eine gute, aber nicht zu Ende gedachte Idee. Violet Sky geht auch in die Richtung, ein nettes ruhiges Stück mit schwebenden Keyboards, einer hübschen Piano-Einlage und einem endlich mal richtig gut zu hörenden Paul Mackie. Dieser Song ist übrigens der zweite Teil der 13-Minuten Suite, die das Album abschließt. Diese erreicht aber auch nicht ganz das Niveau von Epen der vorangegangenen Alben. Doch eins sollte man bei diesem Album wirklich beachten: Es klingt einfach nicht nach Pallas und darauf sollte man vorbereitet sein. Demzufolge bringt es auch nicht viel, Vergleiche anzustellen. Im letzten Song kommt zumindest mal wieder richtig geiles Pallas-Bombast-Feeling auf.
Was ist also zu bemängeln, wieso haut mich XXV nicht wirklich um? Nunja, ich habe Pallas als Vorband von Spock's Beard kennengelernt, und was mir als erstes auffiel, ist dass Sänger Alan Reed einen astreinen Job ablieferte. Umso mehr war ich traurig als ich hörte, dass jener die Band verlassen würde. Ersetzt durch Paul Mackie, bekommen Pallas ein anderes Gesicht. Außerdem reicht dieser nicht annähernd an seinen Vorgänger heran. Und Alan Reed passt einfach besser zur Band, es fehlt einfach ein Stück am Gesamteindruck. Trotzdem liefert Mackie einen akzeptablen Job ab, aber er überzeugt nicht 100%ig.
Was stört mich noch? Die Produktion. Neineinein, Leute, ihr habt doch bei den Vorgängern einen derart fetten aber doch transparenten Sound hinbekommen, wieso hier nicht? Alles ist ein riesiger BREI, in dem eigentlich alles untergeht. Das Schlagzeug ist laut, aber trotzdem nicht wirklich zu hören, Sänger Mackie geht unter dem Mix unter und der eigentlich essentielle Bass ist auch nur selten wirklich gut zu hören. Die Gitarre ist aber meistens sehr gut zu hören (auch beinahe das einzige, was noch wirklich an die vergangen Alben erinnert). Das Keyboard sticht auch oftmals hervor, ob das essentiell ist, ist aber die zweite Frage. Denn genau die Keyboardsounds, die ich am Anfang angesprochen habe, die bei Pallas eigentlich nicht vorkommen, KOMMEN HIER VOR! Teppiche, quietschige Fietschleads, künstliche Chöre.. Wieso?
Das allerschlimmste an diesem Album ist aber das Cover. Wer hat denn diesen Mist verzapft? Würde ich das Teil im Laden sehen, würde ich einen großen Bogen drumrum machen. Wenn man dieses außerordentlich hässliche Geschöpf weglassen würde, bliebe wenigstens noch ein nettes Chaos-Kathastrophen-Kriegs-Apokalypsen-Bild (auch nix Großes) a la Symphony X (Paradise Lost), aber so wirkt es einfach peinlich, wie ein zweitklassiger Halo-Computerspiel-Klon. Naja, die Musik ist ja eh wichtiger.
Und die ist ehrlich gesagt gar nicht mal so schlecht! Klar, die genannten Mankos kann man sich schlecht wegdenken. Aber schlussendlich ist XXV ein ordentliches Album, das Potenzial in Produktion, Sänger und Sounds verschenkt hat. Komponiert ist das Teil nicht schlecht. In 20 Jahren findet man vielleicht eine besser klingende Remaster-Version (haha)..
Kann man XXV ausgewiesenen Pallas-Fans empfehlen? Das Teil punktet sicher bei Neo-Proggies, die bei einem wenig Riffing und Metal-Anleihen nicht unter den Schrank kriechen. Andersherum würde ich es auch Metal-Fans, die Lust auf mehr Atmosphäre haben, ans Herz legen.
Jedenfalls entfernen sich Pallas hier (bewusst?) vom Neo-Prog mehr in die Metal-Ecke. Gleichzeitig verschwinden aber die zuckrigen Keyboard Sounds auch nicht. Die Songs sind kürzer ausgefallen; kein Song überschreitet die 7-Minuten-Grenze. Naja.
Also, XXV kann man sich durchaus anhören, wenn man kein Pallas Album der großen Sorte erwartet.
Das Album ist übrigens Teil2 des Debut-Konzept-Klassikers Sentinel, den ich nicht wirklich mag. Ich bin auch mit den Lyrics nicht allzu bewandert, daher sehe ich es als unabhängiges Album, zumal auch die Musik NULL nach The Sentinel klingt.
Also: Augen zu (Cover) und durch!
Friedrich Stenzel, 18