Seit Namco 2001 Xenosaga Episode I - Der Wille zur Macht angekündigt hat, war ich ganz heiß auf dieses Spiel, da es eines der wenigen RPGs für die PS2 zu werden schien die es mit der schier übermächtigen Final Fantasy Konkurrenz aufnehmen können. Doch leider wurde dabei der PAL-Markt wieder außen vor gelassen, und so entgigng Europäern dieses Highlight. Aber Wunder gibts es immer wieder, und so veröffentlichte Sony dieser Tage die PAL-Version von Xenosaga Episode II - Jenseits von Gut & Böse. Das mag zunächst problematisch erscheinen, da die meisten Europäer wohl kaum Vorkenntnisse über die Story von Episode I haben, und diese Vorkenntnisse sind nahezu überlebenswichtig. Aber Sony hat netterweise eine Bonus DVD mit allen Storysequenzen aus Teil 1 spendiert, die die komplexe Geschichte des ersten Teils sehr schön wiedergibt. Nun zu Xenosaga Episode II selbst. Das Highlight der Xeno-Reihe war seit jeher die Story, und die ist auch hier fesselnd, auch wenn sie die Gesamtstory in eine andere Richtung führt. Hier steht diesmal nicht der Konflikt der Menschen mit den Gnosis im Vordergrund, sondern eher die Hintergrundgeschichte der U.R.T.V.s Rubedo, Nigredo und besonders Albedo. Das ist sehr interessant, und es werden auch weitere Punkte aus Teil 1 aufgegriffen und teilweise aufgelöst, wie zum Beispiel die Rolle von Joachim Mizrahi beim Miltia Konflikt und die Bedeutung der Ormus Organisation. Dennoch endet das Spiel mit einem großen Fragezeichen, denn viele relevante Punkte bleiben weiterhin im Dunkeln. Mir persönlich gefällt das, denn so wird die Vorfreude auf die Antworten in Episode III - Also sprach Zarathustra noch gesteigert. Die Story ist also absolut top und übertrifft die anderer Videospiele bei weitem. Das Gameplay ist ein eher zweischneidiges Schwert. Der wichtigste Punkt auf diesem Gebiet ist bei RPGs das Kampfsystem, und das ist größtenteils gelungen, da sehr komplex, aber vielleicht etwas zu komplex. Außerhalb der Kämpfe gibt es eher wenig zu tun, das Übliche Erkunden von Städten und Dungeons, sowie die Global Samaritan Campaign, einer Art Nebenquest bei der die Probleme anderer Leute gelöst werden wollen. Interessant, aber nicht ganz mein Fall. Auch in grafischer Hinsicht gibt es positives wie negatives zu berichten. Die Charaktere sind sehr schön gestaltet worden, auch wenn mir der Anime Look aus Teil 1 trotzdem sehr gefiel. Die Hintergründe wirken aber teilweise etwas steril. Dafür sind die Zwischensequenzen teilweise eine Wucht, inszenatorisch, dramatisch und effektemäßig klasse, besonders der Kampf Jin gegen Margulis ist einfach super. Wo wir bei den Charakteren sind: die sind allesamt sehr faszinierend. Die meisten sind schon aus Teil 1 bekannt, neu sind Shion Uzukis Bruder Jin, der Realian Canaan mit unterdrückten Emotionen sowie der Patriarch der Ormus Organisation. Wie schon bereits erwähnt liegt das Augenmerk bei den Charakteren in diesem Teil mehr auf Rubedo und Albedo, und das ist gut so. Denn vor allem Albedo ist einfach der beste Schurke der Videospielgeschichte, bei dem in jedem Satz dessen Boshaftigkeit und Verrücktheit spürbar sind, was vor allem an dessem englischen Sprecher Crispin Freeman liegt, der einen traumhaften Job macht. Überhaupt ist die englische Synchro ausgezeichnet und absolut professionell. In musikalischer Hinsicht hingegen gibt es leider nichts aufregendes, was daran liegt dass bei diesem Teil nicht mehr Yasunori Mitsuda für die Kompositionen verantwortlich ist.
Alles in allem ist Xenosaga Episode II schon alleine wegen der DVD zu Teil 1 und der genialen Story für Fans japanischer Rollenspiele ein Pflichtkauf. Jetzt wollen wir nur hoffen dass Teil 3 hierzulande erscheint...