DIESE CD habe ich sehnsüchtig herbeigefiebert und entsprechend hoch waren meine Erwartungen.
Nun wollen Fans (wie ich) keine großen Experimente von ihren Helden, sondern die typisch fetten OBI-Riffs mit den treibenden Doublebass-Parts, einem pumpenden Bass und Meister Tardy's markerschütterndes Gerödel (gepaart mit dem abartig-kranken Gekeife) über der ganzen Chose und insofern genießen OBITUARY einen ähnlichen Status wie z.B. BOLT THROWER, bei denen jedwede Stilabweichung als Blasphemie angesehen würde.
Dies ist aber nur die EINE Seite der Medaille, denn man kann sich ja nicht auf diesem Bonus ausruhen, sondern sollte innerhalb seines Stils, den OBITUARY ihrerseits geprägt haben, auch entsprechende Qualität abliefern.
Und nach dem für mich etwas uninspirierten "Frozen In Time" haben Tardy und Co. hier wieder eine Florida-Abrissbirne zusammengetrümmert, die herrlich straight in die Fresse knallt und somit jedem DM-Maniac einen Ständer im Schritt bescheren sollte.
Gleich der Opener "Face Your God" tritt richtig in die Eier und versprüht durch das "nicht-dauernd-voll-Doublebass"-Drumming einen gewissen Old-School Charme.
Ab dem zweiten Song "Lasting Presence" wird dann Vollgas gegeben.
Und bei "Steal Your Fate" wirst Du völlig gaga... hier wurden sogar Hardcore-Refrains (!!!) reingezimmert, wo Dir klar wird: Hier sitzt Du nicht im "Zug zum Flug" sondern im ICE direkt in die "Klapse"! Einfach fett...
"Evil Ways", "Bloodshot", "Contrast The Dead" sind eher die 'langsamen' Stücke, sprich: DIE typischen OBI-"Schleifer" und wahre Killer!
Eigentlich sind aus den 11 Tracks keine Ausreißer nach unten (am ehesten vielleicht "Feel The Pain") und nach oben zu verzeichnen, weshalb ich auf eine weitere Beschreibung einzelner Songs verzichte: Alles geht schön stimmig 'in your face' und bietet genau das was die Hörerschaft erwartet und OBITUARY scheuen Neuland ebenso konsequent wie die Kanzlerin eine Mundwinkel-Korrektur.
Sicher klingt vieles wie schon mal da gewesen, aber wir reden hier von Death-Metal und nicht von klassischer Kammermusik und... sind die Genickschmerzen deswegen weniger schön?!
Mit diesem Silberling beweisen OBITUARY, dass Sie nach wie vor zur Speerspitze des groovigen Death Metals amerikanischer Prägung gehören.
Nahezu alle Stücke zünden - zumindest bei mir - gleich nach ersten Mal und fräsen sich förmlich in die Gehörwindungen.
Für mich DER entscheidende Unterschied zu "Frozen In Time".
Spielerisch auf höchstem Niveau, wird hier geballert bis der Arzt kommt, ohne dabei stumpf zu wirken. Des öfteren wird der Sturm aus Doublebass und knackigen Gitarrenbrettern durch coole Groove-Parts aufgelockert, die das Tüpfelchen auf das i setzen.
Getreu dem Motto "Neue Klampfen kehren gut", streut Neuzugang Ralph Santolla (DEICIDE, ICED EARTH) ein Solo nach dem anderen ins festliche Menü - alle schön schmissig gehalten und jenseits jeglicher verfrickelter Ohren-Verknoter - und ersetzt (Noch-)'Knacki' Allen West mühelos.
Fazit: So macht Death Metal auch anno 2007 Spaß! OBITUARY zelebrieren im höchsten maße originelle Riff-Gewitter und eine Kompromisslosigkeit, mit der auf jegliche Art Massenkompabilität gepfiffen wird. Sie sind in gewohnter Umgebung bei SFU, DEICIDE und MALEVOLENT CREATION weiterhin sehr gut aufgehoben.
OBI-Fans werden hier zweifelsohne voll auf ihre Kosten kommen und auch sonstigen Retro-Deathern vom alten Schrot und Korn ist das Album zu empfehlen.
Also: Boxen geölt, Haus- bzw. Wohnungstür verrammelt, Mosh-Fläche freigeräumt und alle Regler nach rechts!!! 40:45 Minuten rauschen zwar schnell vorüber, aber dafür haben ja schlaue Leute die Repeat-Taste erfunden...
Ein wirklich geiles Album, das ganz klar zur 1. Liga der besten Todesscheiben des Jahres gehört! 4,5 Sterne von mir, denn an die OBI-Klassiker reicht es natürlich nicht (ganz) heran - aber viel fehlt nicht. Ehrlich...
Urbi Et OBI, Amen! Kauft und huldigt den Herr(e)n...