Das texanische Trio King's X hat ja ein paar Jahre lang einen musikalischen Durchhänger gehabt, währenddessen die halbgaren Alben "Mr.Bulbous", "Manic Moonlight" und "Black like Sunday" veröffentlicht wurden. Umso glücklicher waren die Fans, als anno 2005 mit "Ogre Tones" mal wieder ein echter Kracher rauskam. Produziert hatte Michael Wagener, der gleich für den hier rezensierten Nachfolger wieder unter Vertrag genommen wurde.
So verwundert es nicht, dass "XV" in die gleiche Kerbe haut wie "Ogre Tones". Zwar prügeln die ersten fünf Sekunden dem Hörer nicht so herzinfarkt- hammerschlagmäßig aufs Ohr, aber der Opener "Pray" erweist sich als fett groovender Rocker mit Mitsing- Text, der die Richtung angibt.
Musikalisch ist "XV" einen Tick fetter und rauer abgemischt als der Vorgänger. Die Songs sind wieder durchgängig kurz- knackig gehalten, manche sind etwas weniger eingängig, dafür wirkt der Gesamt- Hördurchlauf stimmiger. Auf Unsinn wie "Bam" hat man dankenswerterweise verzichtet, dafür ist diesmal keine Neuaufnahme aus dem Eigenrepertoire vertreten. Und um's nochmal ganz deutlich zu sagen: Das Ganze groovt wie die Urgewalt. Wenn man laut aufdreht, hat man das Gefühl, von den Drums, dem knurrigem Tiefbass und der Rhythmusgitarre aus dem Zimmer gedrückt zu werden. Zwischendurch gibt's mit "Alright" noch einen echten Headbanger, der sich nahtlos ins Gesamtgefüge einreiht. Wenn man dabei keinen Bewegungsdrang verspürt, ist man schon tot.
Textlich plündern King's X viel christliches Vokabular aus der eigenen Vergangenheit, bringen die Worte jedoch in andere Zusammenhänge. So ist z.B. "Go tell somebody" kein frommer Evangelisationsaufruf, sondern augenzwinkernde Eigenwerbung. Es dürfte bekannt sein, dass das Verhältnis der ehemals christlich orientierten Band zu ihren früheren Weggefährten äußerst zwiespältig ist: Doug Pinnick trägt auf dem Cover deutlich sichtbar ein Kreuz UND ein Pentagramm, Gitarrist Ty Tabor ist das letzte Bandmitglied, das sich auf Nachfragen noch zum Christentum bekennt.
Warum sollte man "XV" kaufen? Weil man die Highlights "Gretchen" und "Dogman" schon im Schrank hat. Weil man von "Ogre Tones" begeistert war. Weil man auf Funk, Metal, Groove, mehrstimmigen Backgroundgesang, Jimi Hendrix und die Beatles steht. Weil einem die Anspieltipps "Pray", "Alright" und "Go tell somebody" gefallen.
Was mich als langjährigen Fan beängstigt, ist die Tatsache, dass Doug Pinnick in neuen Interviews offen darüber spricht, die zwanzig Jahre alte Band wegen anhaltender Erfolglosigkeit möglicherweise einzumotten. Es ist zwar richtig, dass das Trio nie den verdienten großen Durchbruch hatte, trotzdem wäre eine Auflösung ein großer Verlust für die Musikwelt. Diese Band ist absolut einzigartig. Wer's nicht glaubt - selber reinhören macht schlau. Vielleicht auch süchtig, wer weiß?