So ist es eben, wenn die Erwartungshaltung sowohl beim Publikum als auch bei der Kritik einfach zu hoch ist. Einerseits wurde von Ms. Minogue nach ihrer überstandenen Krebserkrankung einen "Über"hit alá "Can't get you out of my head" erwartet, andererseits aber auch eine Platte mit Tiefgang, in der sie ihre Leidensgeschichte thematisiert. So gesehen war Kylies "X"-Projekt möglicherweise von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Mit einem sehr persönlichen Werk hätte sie die Popfans verschreckt, wie anno dazumal mit Impossible Princess, und bei einem reinem Pop-Album alá "Fever" oder "Light Years" hätte sie wohl erst recht Kritikerschelte bezogen. Sich dessen bewußt, versuchte Kylie Minogue mit einem "Gemischtwarenladen", der "X" zweifelsohne ist, beide Lager zu bedienen. Allerdings gelingt ein derartiger Spagat im Popgeschäft äußerst selten, da so ein Kompromiss auch nicht gerade sexy ist. "X" wurde deshalb weder von den Fans noch von der Kritik mit Begeisterungsstürmen aufgenommen. Auch ich war anfangs nicht sonderlich begeistert. Zu unrecht, wie ich nach fast einem halbem Jahr feststellen muss. Denn "X" ist eine Platte mit Langzeitwirkung, die auf charmante Weise all das vereint, was Kylie in ihrer 20-Jährigen Karriere ausgemacht hat; etwas Indie ("2 Hearts"), viel Pop ("In my arms", "Wow", "The One"), experimentelle Sachen ("Nu-Di-Ty", "Speakerphone") und auch Songs mit Tiefgang ("Cosmic", "No more rain"). Im Gegensatz zu vielen anderen Studioalben von Kylie Minogue gibt es dabei allerdings kaum Füllmaterial.
Fazit: "X" entfaltet seine Wirkung erst nach mehrmaligem Hören, wobei die Platte nie langweilig wird. Als Studioalbum ist es vielleicht Minogues bis dato bestes.