RUMMS geht's los! Lang nicht mehr einen so tollen Einstieg gehört! Der Anfang des Opener gibt bereits den Stil des Albums an. Es strotzt nur so vor Energie, es ist frisch und locker und jeder Musiker liefert Meisterleistungen ab.
Versuch Nummer 4 nach Neal Morses Ausstieg schlägt die vorherigen Alben mit Leichtigkeit. Jedes Lied hat seinen eigenen Charme, es klingt an keiner Stelle gleich oder langweilig. Trotzdem zieht sich durch das ganze Album eine Grundstimmung und ein roter Faden, der es nie irgendwie zerstückelt erscheinen lässt. X ist mit fast genau 80 Minuten Musik voll gepackt mit Musik und hätte auch locker das Potenzial und die Einfälle zu einem Doppelalbum.
Der erste Song, Edge Of The In-Between, geschrieben von Bassist Dave Meros, ist bereits über 10 Minuten lang und offenbart das erste mal seit Snow 'klassische' Beard Klänge. Hymnisch, verfrickelt, vertrackt, ein wenig geheimnisvoll ' die Bärte sind wieder da! Besonders gelungen ist das Finale. Die gesamten 10 Minuten lang präsentieren uns die Herren und Mister D'Virgilio eine Rückkehr zu ihren Wurzeln. Ein Neal Morse hätte es nicht besser machen können!
Der nächste Song von Alan Morse, The Emperor's Clothes ist ganz anders. Er beginnt mit akustischen Gitarren und klingt beinahe ein wenig mystisch, bis ganz urplötzlich Posaunen und Hörner ein fröhliches Thema verkünden, das einfach total groovt! Zwischendurch gibt es einen sehr jazzigen Mittelteil, der das ganze perfekt abrundet. An diesem Song hat auch Ex-Cheffe Neal Morse einen kleinen Beitrag geleistet.
Ryo Okumotos Beitrag ist ein Instrumental, vier Minuten lang und vollgepackt mit allerlei durchgeknalltem Kram. Es klingt ein wenig wie ein Mix aus Close To The Edge vermischt mit dem abgefahrsten Crimso-Kram im Sympho-Metal Gewand ;)
Der erste 16 Minüter von NDV setzt wie schon A Guy Named Sid sehr stark auf Groove und Eingängigkeit. Er besteht aus vier voneinander unabhängigen Teilen. Teil eins groovt wie ein Deep Purple Hardrocker und ist recht unspektakulär, während Teil zwei mit einigen wunerschönen Melodien und einem berührenden Text aufwartet. Balladen zu schreiben war schon immer Nick D'Virgilios Stärke! Der dritte Teil ist wieder grooviger, diesmal aber dramatischer und packender. Klasse! Zum Schluss gibt es noch ein großes Finale. Es klingt sehr hymnisch und fröhlich. Spitzen Song.
Nach dem Opener der zweite Song aus Dave Meros' Feder namens The Quiet House bietet einen knochentrockenen Rocker mit allerlei Gimmicks. Der Mittelteil ist zudem von purer Schönheit. Besonders ist hier die Bassarbeit von Dave Meros herauszuheben.
Auf dieser Edition nicht vorhanden ist der Song Their Names Escape me. Ein genialer Song, voller Dramatik und Gefühl. Auch Orchester wurde hier eingebracht. In dem Song werden eine Reihe Namen vorgetragen, die Namen der Vorbesteller der Deluxe Edition. Eine tolle Idee und zudem eine beeindruckende Art für eine Band, ein Tribut und Dank an ihre Fans auszusprechen. Klasse!
Danach wird's wieder straighter und rockiger mit Alan Morses The Man Behind The Curtain. Das rockt, groovt und macht ein Spaß. Hier sollte man wieder einmal Dave Meros Basspiel hervorheben.
Zum Schluss gibt es mit Jaws Of Heaven den vielleicht besten Song von Spock's Beard nach Neal Morses Ausstieg. Hier gibt es eine Riesenmenge an Dramatik, Groove, Relaxtheit, Bombast und Gefühl ' und das alles genial verquirlt. Ganz besonders das Finale gehört zum besten Material überhaupt von Spock's Beard. Ganz großes Kino!
Allgemein muss man sagen, dass die Texte des Albums allererste Sahne sind. Sie strotzen vor Gefühl und Komplexität. Man fühlt sich sehr oft selbst berührt. Ganz große Klasse. Außerdem hat jeder Musiker Platz für sein Instrument und liefert zum Teil bisher ungeschlagene Leistungen ab. Besonders Nick D'Virgilio singt wieder mal wie ein kleiner Freddy Mercury.
Fazit:
Was soll man sagen, Spock's Beard haben ihr Meisterwerk abgeliefert. Nach den zwar guten aber sehr durchwachsenen letzten drei Alben hat die Band es endlich geschafft, ein Album mit durchgehender guter Qualität abzuliefern, das nie langweilig wird. Sie bringen eine Menge Spielgefühl, Komplexität, musikalische Raffinesse, Eingängigkeit und Dramatik ein und drücken dem auch noch den berühmten Spock's Beard Stempel auf. Ich mag jedes der letzten Alben, trotzdem hätte ich nie gedacht, dass ich das mal sage, aber:
Spock's Beard haben ihren Meister endlich übertroffen!
Friedrich Stenzel, 17