O.K., dies ist ein kleines, dünnes Buch, was soll man da groß erwarten?
Aber der Reihe nach: Der "Typenkompass Versuchsflugzeuge der USA: X-Planes seit 1946: Experimentelle Fluggeräte seit 1946" ist ein kompakter und vor allem vollständiger Überblick über die seit Ende des 2. Weltkrieges mit einem "X"-Kürzel versehenen Luftfahrtprojekte der USA. Und es ist wirklich alles enthalten, nicht nur die bekannten X-Flugzeuge sondern auch unbekanntere Projekte, Raketen (teilweise aus dem Raumfahrtprogramm), Flugkörper bis hin zu so schwarzen Projekten, dass lediglich die vermutete X-Bezeichnung aufgeführt ist. Diese Vollständigkeit bis in die aktuelle Gegenwart sehe ich auch als Hauptargument für das Büchlein an.
Doch es gibt leider auch sehr viel Schatten. Einmal ist es schade, dass die Projekte nur auf maximal zwei Seiten (wenn auch mit vielen Bildern) erläutert werden - teilweise mit redundanten Informationen bei Varianten desselben Projektes. Es gibt darüber hinaus auch Tabellen, wer wie oft mit dem Gerät geflogen ist. Aber: die Erläuterungen bleiben sehr an der Oberfläche. Bei dem kleinen Format und dem Preis ist dies aber verständlich.
Was aber für meine Begriffe gar nicht geht: der Text wimmelt von Tippern und Satzfehlern! Die Sätze sind stellenweise sehr fragwürdig aufgebaut, dass man zwei- bis dreimal lesen muss, um den Sinn der Aussage zu verstehen.
Auch die Qualität der Bilder ist streckenweise ...enttäuschend. Zugegeben, gute Farbbilder aus den frühen 50ern mögen rar sein. Dass aber digitale Bilder, die von der Auflösung bestenfalls für eine Briefmarke taugen auf Halbseitenformat gezogen werden und das ganze bescheiden bis stümperhaft aussieht, ist inakzeptabel.
Mir drängt sich der Eindruck auf, dass hier vom Verlag wenig bis gar keine Qualitätskontrolle angesetzt wurde. Lektorat scheint auch ein Fremdwort gewesen zu sein, ebenso wie Bildbearbeitung. Mir ist schleierhaft wie solche Klöpse bis in die Produktion bzw. in Kundenhand kommen konnten? Das Buch hat durch diese zahlreichen qualitativen Mängel in weiten Teilen den Charme eines Schüler- oder Praktikantenprojektes, was ich sehr schade finde.
Insofern mein Fazit: gut gedacht, schlecht gemacht. Zwei Sterne, und das ungute Gefühl, dass Sparen nicht der Weisheit letzter Schluß sein kann. Den Ruf des Motorbuch Verlages bessert dies jedenfalls nicht.