Mit dem dritten Teil des erfolgreichen X-Men-Franchise übernimmt Brett Ratner den Regiestuhl von Bryan Singer, der wohl scheinbar keine grossen kreativen Möglichkeiten inerhalb des mehr als umfangreichen X-men-Universums mehr sah, und sich stattdessen mehr schlecht als recht um Superman kümmerte. 300 Millionen Dollar für einen Aufguss des ersten Superman-Films - da hatte Ratner wohl weitaus weniger Druck (und war auch erfolgreicher).
Der macht seine Sache routiniert und zieht den dritten X-Men-Film schön nach Lehrbuch durch, was aber nicht nur an der auftragsarbeitstypschen Natur eines Brett Ratners, sondern auch an einem Drehbuch liegt, welches ohne grosse Überraschungen daherkommt und auch so einige Schwächen beinhaltet. Nicht dass die ersten beiden X-Men-Filme grandiose Meisterwerke waren, da gab es auch schon ein paar Probleme, aber gerade der zweite hatte die Messlatte schon recht hoch gesetzt. Die kann X-Men 3 nur selten erreichen, was insbesondere an Charkterisierungsproblemen und einer "Hoppla-Hopp"-Politik des "Wir packen alles rein, was geht"-Mentalität liegt, die manchmal zuviel des Guten ist. das wäre unproblematischer gewesen, wenn man dem Film doch mehr Lauflänge gegeben hätte. Ein Beispiel hierfür wäre die Einführung des Mutanten Angel, den man eigentlich gar nicht braucht - er wird nicht ausreichend genutzt und für die Handlung ist er nicht gerade eine Notwendigkeit.
Auch andere neue Mutanten, die zahlreich vorhanden sind, werden seltsam eingesetzt, teilweise weichen deren Rollen auch sehr stark von der Comicvorlage ab. Was hat beispielsweise eine Psylocke an der Seite von Magneto zu suchen? Nichts.
Da haben die Drehbuchautoren wieder gezeigt, wie hoch ihre Comickompetenz ist. Das hat nichts mit Mainstream-Publikums-Kompabilität zu tun, sondern schlicht und ergreifend mit Faulheit und Desinteresse.
Dennoch ist der Film beileibe keine Katastrophe. Die Story ist weitestgehend ok, die Effektshots super und aufwändig, und die Mutantenaction von Ratner gut in Szene gesetzt. Am beindruckendsten -neben der grossen Money-Shot-Szene mit Phoenix am Schluss - kommen die verjüngten Xavier und Magneto her. Mittels eines neuen digitalen Effektverfahrens können Schauspieler künstlich verjüngt und gealtert werden, und es ist unglaublich zu sehen, dass es zu keinem Zeitpunkt auffällt. Wirklich toll!
Schade ist, dass es wieder keinen vernünftigen Sentinel - das sind die haushohen Kampfroboter, mutantenjagende Maschinen - zu sehen gab. Nur einmal währen des Trainings kann man einen abgetrennten Kopf sehen.
Insgesamt hinterlässt X-Men 3 einen grundsoliden, aber etwas gehetzten und seltsam ungenauen Eindruck. Unterhalten kann er aber allemal, und das ist schon einmal ein grosser Pluspunkt. Es hätte besser werden können, aber auch schlechter. Brett Ratner hat zumindestens bewiesen, dass er auch im Superheldengenre Regie führen kann - vielleicht hat er bis zum vierten Teil der Mutantenstory noch mehr dazugelernt.