Normalerweise beziehen Künstler ihre Ideen für neue Songs, Bilder oder Romane aus ihrer Umwelt, aus Erlebnissen und Eindrücken. Nicht so das dänische Duo Alcoholic Faith Mission" (AFM). Thorben Seierø Jensen und Sune Sølund ziehen sich zurück in die Dunkelheit, wenn Sie eine CD produzieren. Allein, in einem Schlafzimmer ohne Licht, bis auf den Schein der Kerze und gewollt unter dem Einfluss von reichlich Alkohol, entstand ausschließlich Nachts die erste CD Misery Loves Company" im Jahr 2006. Dem von der Kritik geliebten Album folgte 2008 der zweite Streich. Diesmal zogen sich die alkoholischen Glaubensbeauftragten zurück ins Loft eines alten Fabrikgebäudes in der 421 Wythe Avenue, nahe dem East River, Brooklyn. Das Dogma von AFM - Alkohol, Dunkelheit und Kerzenlicht erfuhr dabei eine Reformation. Der Sound klingt elektronischer und verzerrter. Einflüsse der kanadischen Indierock-Szene von Bands wie der Broken Social Szene und Arcade Fire werden hörbar. Bei den Aufnahmen zur CD 421 Wythe Avenue" waren neben Jensen (Gesang, Gitarre) und Sølund (Bass, Sampler, Percussion) die Musiker/innen Kristine Permild (Gesang, Keyboard), Camilla Mejlvang (Gesang), Gustav Rasmussen (Trompete, Gitarre) und Laurids Smedegard (Schlagzeug, Gitarre) mit von der Partie. Einzuordnen ist das Ganze irgendwo zwischen Elektronica, Indie-Pop und Alternativ Country, mit stellenweise psychedelischem Einfluss. Die Musik wirkt dabei stark entschleunigt, so, als wollte man die Zeit anhalten. Die Texte sind eher bildhaft und phantasievoll, selten werden ganze Geschichten erzählt. Im Song Gently" geht es in nur einem einzigen Satz, der mehrfach wiederholt wird, um eine Hure, die ganz sanft klarstellt, dass sie nichts empfinden wird, wenn er mit ihr schläft, eben weil sie eine Hure ist. Dabei wird das böse Wort fuck" von Mejlvang so elfenhaft zart dahin gehaucht, dass es jegliche Negativität verliert. Und wenn Mejlvang und Jensens Stimmen dann im Duett verschmelzen, besteht sogar begründete Hoffnung, dass es Rettung für die beiden geben wird. In Nut in your Eyes" sind es eher imaginäre Bilder, die von Permild ganz sanft und sensibel beschrieben werden. Sie singt von Larry und Jonas, in deren Händen sie sich aufgefangen fühlt, vom Schwimmen in den Scherben des Stolzes, wobei sie dabei offensichtlich immer tiefer und tiefer sinkt. Die Stimmen der beiden Frauen ähneln sich und erinnern in ihrer fast kindlichen Sanftheit an Maria Taylor und Orenda Fink der US-amerikanischen Band Azure Ray". Schön, wenn aus selbst gewählter Zwangsjacke so wunderbar zwanglose Songs entstehen!