...gelingt Konstantin Wecker vielleicht die Produktion seines Lebens.
Was der Liedermacher hier zusammen mit seinen treuen Begleitern präsentiert, ist an Energie, Einfallsreichtum und Inspiration wohl kaum mehr zu überbieten.
Inhaltlich bleibt Konstantin sich treu, ist weiterhin auf der Suche nach einer gerechteren Welt und innerem Frieden, was seiner Meinung nur gelingen kann, wenn man sich selbst treu bleibt und sich einmischt - oder besser, durch Zärtlichkeit und Wut.
Die Produktion und die Arrangements sind dabei dermaßen perfekt eingesetzt und abwechslungsreich, dass man sagen möchte, eine solche Produktion von einem Liedermacher noch nie in den Händen gehabt zu haben. Man merkt in jedem kleinen Detail, wie liebevoll und energisch hier gearbeitet wurde.
Zu den Songs:
Den Titelsong kann man als höchst befreiende, rockige Selbstfindungsanleitung bezeichnen, die Energie und Lust, mit welcher hier musiziert wird, überträgt sich gleich auf den Hörer. Wunderbar, besonders als Opener!!! Die Anspielung auf Erich Mühlsams Gedicht "Der Revoluzzer" wird den Fans wohl nicht entgehen.
"Absurdistan" ist, ebenso wie "Die Kanzlerin", eine herrlich sarkastische Abrechnung mit Politik und Wirtschaft, wobei die beiden Songs sich durch die Instrumentalisierung grundlegend unterscheiden. "Absurdistan" ist eine sehr melodische Rocknummer, die "Kanzlerin" eher politisches Kabaret. Das Musikvideo dazu ist ebenfalls klasse.
Sehr poetisch geht es dann weiter mit den beiden Liebesliedern "Weil ich dich liebe", einem wunderschönen Reggae-Song, bei dem auch Medusen, Venus und Orpheus auftreten, und dem traurigen, aber nicht hoffnungslosen "Schwanengesang".
Ein Vergleich dieser beiden Songs macht deutlich, wie vielfältig - und faszinierend - Weckers Liebeslyrik ist. Sieht man "Die Kanzlerin" dann noch als Liebeslied, wird der Vergleich noch interessanter.
"Es gibt nichts Gutes" ist ein augenzwinkernder Aufruf, zu handeln, bei "Damen von der Kö" wird endlich wieder, ganz im Stil des Wecker - Klassikers "Die feine Gesellschaft", mit den 'Reichen, Schönen und Oberflächlichen' abgerechnet.
"Weltenbrand", vielen Fans wohl schon weitgehend bekannt, erscheint in einer bombastischen Neuauflage mit kräftigen Drums und afrikanischem Chor, bei dem im Finale sogar punkigen "Der Virus" geht es den Börsianern wieder an den Kragen.
Auch "Empört Euch" ist ein Aufruf, sich gegen Ungerechtigkeit etc. einzumischen, inspiriert wurde Konstantin hier durch eine Streitschrift von Stéphane Hessel, der schon 1948 für die Menschenrechte und gegen Diktatur, Unterdrückung und Finanzkapitalismus gekämpft hat. Die Produktion dieses Songs ist dermaßen aufwändig, dass man beim ersten Hören glatt überrumpelt werden könnte von der Vielfalt, Dringlichkeit und Energie des außergewöhnlichen Songs. Auch Pippo Pollina, mit dem Konstantin schon einige Male zusammengearbeitet hat, gibt sich hier die Ehre und ergänzt Weckers Gesang mit seiner interessanten Stimme.
"Buonanotte Fiorellino", von Konstantin durch einige deutsche Strophen ergänzt, ist zum dahinschmelzen und hat sich schon Anfang des Jahres, als Wecker den Song erstmalig dem Publikum präsentiert hat, großem Beifall erfreuen dürfen.
"Es geht zu Ende" ist dann schon etwas trauriger, "SoScheeSchoA" und "Tropferl im Meer" sehr besinnlich und poetisch, vor allem diese beiden letzten Nummern lassen durch ihre beeindruckende Tiefe noch einmal den Lyriker in Konstantin zur vollen Entfaltung kommen, man könnte sie ohne weiteres in einen Gedichtband aufnehmen.
Für diejenigen, die vom fantastischen "Weil ich dich liebe" nicht genug bekommen konnten, hält die CD dann nach "Tropferl im Meer" noch eine 'lost track' - Überraschung bereit.
Somit gelingt Wecker ein beruhigender, friedlicher Ausklang einer perfekten Produktion, die einmal mehr beweist, in wie vielen Genres Konstantin zu Hause ist.
Man merkt seinen Texten an, dass die Musen sich Anfang des Jahres wohl sehr eng an ihn geschmiegt haben, aber gerade bei diesem Album muss man im Besonderen noch die musikalische Vielfalt und den Einfallsreichtum von Wecker, Jo Barnikel und Co. hervorheben.
Langweilig wird die CD sicherlich nie werden, dazu übt die Gesamtstimmung eine zu große Anziehungskraft auf die Hörer aus, wozu auch die Vielseitigkeit der einzelnen Lieder und die Spielfreude der Musiker ihren Teil beitragen wird. Hoffentlich wird sie aber auch als das wahrgenommen, was sie auch ist, nämlich ein dringlicher Aufruf, sich einzumischen, aktiv zu werden und seiner Wut (und Zärtlichkeit) auf die in der CD angesprochenen Ungeheuerlichkeiten und darüber hinaus freien Lauf zu lassen, denn "es gibt nichts Gutes, außer man tut es".
Danke Konstantin!!!