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Produktinformation
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Natürlich hat auch Wut, wie fast alle Bücher Rushdies nach Verhängung der Fahdwa, stark autobiografische Züge: Wie sein Protagonist, so benutzt auch der Autor "das Material seines eigenen Lebens und verfremdet es durch die Alchemie der Kunst". So ist auch Wut, der der schönen indischen Lebensgefährtin Padma Lakshmi des noch verheirateten Rushdie gewidmet ist, nicht zuletzt als Parabel eines Menschen zu verstehen, der gegen seinen Willen zur Bedrohung für seine nächsten Angehörigen geworden ist und in der Anonymität der Großstadt untertauchen muss. Derlei Parallelen allerdings sind nie allzu fruchtbar. Vielmehr bleibt festzuhalten, dass Rushdie in Wut die Fäden seiner virtuos gestrickten Geschichte bei allen Verwicklungen und Doppelbödigkeiten nirgends aus den Händen gibt. So ist der Roman ein faszinierendes, sprachlich hoch explosives Vexierspiel über den Verlust von Identität und das Tier im Menschen geworden, das jederzeit ausbrechen kann. Und über eine (im übrigen brillant beschriebene) dekadente Wohlstandsgesellschaft zur Jahrtausendwende, die immer am Rande der ganz großen Katastrophe schwebt. --Thomas Köster
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In erster Linie ist das Buch eigentlich eine große Liebesgeschichte, deren zahlreiche Beteiligte das Wort Dreiecksbeziehung schon reichlich unkompliziert erscheinen lassen. Aber Malik Solanka (die Paralellen zum Autor werden sehr deutlich!), die Hauptfigur des Geschehens, die aufgrund ihres latenten Gemütszustandes einer von vielen Gründen ist, dieses Buch „Wut" zu betiteln, muß erst wie jeder Mensch die Grundlektion lernen: bevor ich (wieder) einen anderen Menschen lieben kann, muß ich zunächst (wieder) mich selbst lieben.
Sicherlich sind politische Hintergründe und feinfühlige Beobachtungen, wenn nicht gar Vorahnungen hinsichtlich der Ereignisse am 11.09.2001 unglaublich und bezeichnend. Das Buch erschien in den USA kurz vor(!) den Anschlägen. Dem nicht genug, ist es auch jetzt - vor dem Hintergrund des Irak-Krieges - mehr als nur faszinierend und lehrreich, in diesem Buch zu versinken. Es ist quasi in seinem Tenor der Roman zu einigen Thesen aus dem aktuellen Buch von Emmanuel Todd. Es zeigt einfach, daß Fehlverhalten und Fehlentwicklungen immer auf den gleichen menschlichen Emotionen basieren. Hier ist es eine (un)ausgesprochene Angst, die sich vor allem darin äußert, sie in möglichst hektischer, gewinnbringender und ultra-hipper Weise überhaupt nicht zu erkennen, geschweige denn kennenzulernen. Hier wird von Rushdie jedem und allem gnadenlos der Spiegel vorgehalten. Ohne dabei den Anspruch auf Allmacht oder Allwissenheit zu erheben.
Sicherlich sein bestes Buch seit „Harun und das Meer der Geschichten"! Ein Buch, dessen Inhalt tief in das kollektive Bewußtsein eindringen sollte und gleichzeitig einfach nur das ist, was man von einem sehr guten Buch erwarten kann: beste Unterhaltung und ein Begleiter, den man vermissen wird, wenn die letzte Seite umgeblättert ist.
Sein Protagonist Malik Solanka ist Inder, der in England studiert hat und dann eines Tages wie aus heiterem Himmel Frau und Kind verläßt und nach Amerika flüchtet. Es wird bald klar, daß Solanka eigentlich nur vor sich selbst flieht, er kann sich selbst und seine unerklärbaren Wutausbrüche nicht mehr aushalten. Und so lebt er nun unglücklich und verwirrt in den USA und weiß eigentlich gar nicht so recht, was er hier überhaupt will. Er weiß nur eines: Seine Wutausbrüche zerstören sein ganzes Leben. Und schließlich holt ihn die Vergangenheit ein.
Die wichtigste Erkenntnis, die ich (für mich) aus diesem Buch gezogen habe, ist, daß man vor seinen Problemen nicht davonlaufen kann, man muß sich ihnen stellen. Prof. Solanka läuft eigentlich sein ganzes Leben lang davon, seine Probleme laufen aber mit ihm und DAS ist sein eigentliches Problem. Zuletzt flüchtet er in eine Welt, in der er eigentlich gar nicht sein will und die ihm nichts geben kann. Und als letzte Konsequenz zieht das Schicksal selbt einen Schlußstrich. Und so ist es immer - wer davonläuft, verirrt sich am Ende meistens. Das Leben ist nicht immer leicht, nicht immer schön, aber es läßt sich nicht meistern, wenn man den eigenen Problemen aus dem Weg geht.
Fazit: Ein tolles Buch, das auch einige herbe Kritik an der westlichen dekadenten Welt übt, aber mit Sicherheit nicht nur als solches verstanden werden sollte.
Ein perfektes Leseerlebnis für unruhige Gemüter...
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