Am Anfang hatte ich gezögert, weil das Buch mit fast 50 Euro nicht gerade ganz billig ist - aber es ist total klasse und wirklich jeden Cent wert. Denn, wie auch in der Werbung steht, es ist sowohl ein Technik-Lehrbuch, als auch ein Buch zur Judo-Geschichte. Darüber hinaus ist es meiner Meinung nach aber auch - und das steht nicht in der Werbung - ein tolles Nachschlagewerk, um festzustellen, wie irgendwelche Judo-Würfe offiziell benannt werden. Gerade zu dem letzten Punkt gibt es ja international viel Durcheinander (unterschiedliche Namen, selbst kreierte Bezeichnungen, falsche Einordnungen, etc.). Hier schafft dieses Buch endlich einmal Klarheit und kann damit eigentlich als verbindliche Referenz für alle Judoka weltweit dienen.
Anfänger sind mit diesem Buch sicherlich etwas überfordert, aber alleine schon aufgrund des letztgenannten Punktes kann es ruhigen Gewissens allen fortgeschrittenen Judoka empfohlen werden - und für Trainer, Kampfrichter und Funktionäre, die endlich auch wieder international "up-to-date" sein wollen, müßte es sogar zur Pflichtlektüre werden.
Teilweise ist das Buch nicht ganz so einfach zu lesen, was sicherlich an der ziemlich "blumigen Sprache" liegt. Aber dazu muss man wissen, dass es komplett aus dem Japanischen übersetzt wurde und auch sehr viele alte Bücher darin zitiert werden. Andererseits machen aber auch gerade diese für unsere Ohren etwas ungewohnten und ausschmückenden Formulierungen den besonderen Reiz aus, denn mann spürt bei jedem Satz, dass er von den höchsten japanischen Meistern kommt. Der Autor selbst (Toshiro Daigo) hat ja den 10. Dan, die höchste Graduierung, die jemals jemand im Judo erhalten hat. Und er zitiert auch noch andere alte Meister mit dem 9. und 10. Dan. Da steckt soviel überliefertes Wissen drin, dass ich wahrscheinlich noch Monate (oder sogar Jahre?) brauchen werde, um das alles erst einmal richtig zu verarbeiten.