Buch der 1000 Bücher
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Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Des Knaben Wunderhorn
OA 180508 Form Volksliedersammlung Epoche Romantik
Die Epoche machende Anthologie »alter deutscher Lieder« wurde zum Hauptwerk der »Heidelberger Romantik«.
Entstehung: Arnim und Brentano entwarfen dieses lyrische Kernstück ihres Schaffens im Sommer 1805 am Neckar; den Plan hierzu hatten sie bereits während ihrer Rheinfahrt im Jahr 1802 gefasst. In Heidelberg und Kassel sammelten sie Texte von Liedern, Balladen und Romanzen, weitgehend aus schriftlichen Quellen. Der 1805 (mit dem Druckdatum 1806) erschienene erste Band war R Goethe gewidmet; dessen positive Rezension ermutigte Arnim und Brentano zum Weitermachen. Die Herausgeber riefen in Rundschreiben zur Mitarbeit auf, so dass von etwa 50 Beiträgern umfangreiches Material zusammenkam.
Inhalt: Brentano zufolge sollte Des Knaben Wunderhorn »Geistliche, Handwerks-, Tagewerks-, Tageszeits-, Jahrzeits- und Scherzlieder« enthalten. Insgesamt ist unter den etwa 700 Texten vom Kirchen- bis zum Liebeslied, vom kurzen Kinderreim bis zur langen historischen Chronik-Ballade, von Rollenliedern der Soldaten oder der Bettler bis zum Wanderlied, dem romantischen Genre schlechthin, alles vertreten. Brentano redigierte für den Abschluss des dritten Bandes Kinderlieder; heute noch populär sind z. B. Schlaf, Kindlein, schlaf oder Guten Abend, gute Nacht.
Neben den Volksliedern (1778 / 79) von Johann Gottfried Herder (17441803), deren Hauptvorbild eine Sammlung alter englischer Poesie von Thomas Percy (17291811) gewesen war, benutzten Arnim und Brentano die Ungedruckten Reste alten Gesangs (1784) von Anselm Elwert (17611825) und anonyme oder von benennbaren Dichtern stammende Texte aus weiteren etwa 140 Quellen. Dabei verfuhren sie oft recht unbefangen mit ihren Vorlagen, kürzten, dichteten um, ja fügten zuweilen Texte aus eigener Feder hinzu, was sich vor allem durch kryptische Quellenangaben wie »mündlich« verrät. Der fromm-andächtige, schauerlich-balladeske oder auch breit-historische Ton der Lieder wird nicht selten ironisch gebrochen. Umstritten war die Praxis, Lieder von beinahe zeitgenössischen Autoren aufzunehmen.
Aufbau: Die drei Bände sind mit Absicht weder thematisch noch nach Landschaften oder Konfessionen geordnet. Über kürzere Strecken lassen sich inhaltliche Muster erkennen, etwa das Abwechseln von Räuberhistorien und Marienliedern im 2. Teil; im Ganzen ist das Wunderhorn jedoch ein Beispiel für die romantische Idee der natürlichen Buntheit.
Die verschlungene Ikonografie der Titelkupfer, insbesondere das »Wunderhorn«-Frontispiz des 2. Teils, machte die Bände zu einem Gesamtkunstwerk, dem freilich keine Melodien beigegeben wurden. Dem gesamten Projekt sind noch die 1811 folgenden Altdänischen Heldenlieder von Wilhelm R Grimm hinzuzurechnen und letztlich auch als ursprüngliches Zweigprodukt die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm (181215).
Wirkung: Des Knaben Wunderhorn bot für viele romantische Lyriker der jüngeren Generation, von Joseph von R Eichendorff über Eduard R Mörike bis zu Heinrich R Heine, Vorbilder sowohl in formaler Hinsicht besonders mit der vierzeiligen sog. Volksliedstrophe wie auch durch seine Stimmung. Viele spätere Liedsammlungen übernahmen im Titel das Wort »Wunderhorn«, und die literarischen Anspielungen in der deutschen Literatur von Georg R Büchner bis zu Thomas R Mann sind vielfältig. Die bildenden Künstler des Biedermeier ließen sich ebenso inspirieren wie zahlreiche Komponisten, von Franz Schubert (1797 bis 1828) bis zu Hans Pfitzner (18691949), die aus dem Geist des »Volkslieds« mit Wunderhorn-Texten Kunstlieder schufen. Bei Gustav Mahler (18601911) wurden die Wunderhorn-Gesänge sogar zur Basis seiner frühen Symphonien. A. H.
Kurzbeschreibung
Brentano zufolge sollte Des Knaben Wunderhorn >>Geistliche, Handwerks-, Tagewerks-, Tageszeits-, Jahrzeits- und Scherzlieder<< enthalten. Insgesamt ist unter den etwa 700 Texten vom Kirchen- bis zum Liebeslied, vom kurzen Kinderreim bis zur langen historischen Chronik-Ballade, von Rollenliedern der Soldaten oder der Bettler bis zum Wanderlied, dem romantischen Genre schlechthin, alles vertreten. Brentano redigierte für den Abschluss des dritten Bandes Kinderlieder; heute noch populär sind z. B. Schlaf, Kindlein, schlaf oder Guten Abend, gute Nacht. Neben den Volksliedern (1778 / 79) von Johann Gottfried Herder (1744-1803), deren Hauptvorbild eine Sammlung alter englischer Poesie von Thomas Percy (1729-1811) gewesen war, benutzten Arnim und Brentano die Ungedruckten Reste alten Gesangs (1784) von Anselm Elwert (1761-1825) und anonyme oder von benennbaren Dichtern stammende Texte aus weiteren etwa 140 Quellen. Dabei verfuhren sie oft recht unbefangen mit ihren Vorlagen, kürzten, dichteten um, ja fügten zuweilen Texte aus eigener Feder hinzu, was sich vor allem durch kryptische Quellenangaben wie >>mündlich<< verrät. Der fromm-andächtige, schauerlich-balladeske oder auch breit-historische Ton der Lieder wird nicht selten ironisch gebrochen. Umstritten war die Praxis, Lieder von beinahe zeitgenössischen Autoren aufzunehmen.