Ich habe mich als Schüler immer gefragt, wo diese Geschichten für unsere Deutsch-Lesebücher herkommen und ob jemand die auch mal freiwillig liest. Die Antwort fand ich bei der Lektüre dieses Büchleins. Genau da waren sie, etwas krampfig, bemüht, aber wenig originell. "Leib und Seele" ein leicht angezoteter Günter Eich Verschnitt, "Die Schildkrötenwende" ein nach links gewendeter Wolfgang Hildesheimer: Ich war daran, das Buch in die Ecke zu legen und las dann die autobiografischen Geschichten über die Großmutter, die grüne Garnitur, die im Wohnzimmer stand, den Hilerjungen Papanek oder den Auftrag, den der junge gerade emigrierte Autor erhielt: Wie er daran scheitert, den Tod seiner Eltern zu nachzuerzählen. Diese Erzählungen in ihrer sehr einfachen klaren Sprache berühren einen zutiefst. Man wird wütend auf das Naziregime, das die Juden in den Tod oder außer Landes trieb. Sie gehen einem unter die Haut, lassen einem auch, wenn man sie fertig gelesen hat, keine Ruhe. Sobald Erich Fried sich aber von seinen persönlichen Erfahrungen löst, sobald er die Ich-Perspektive verläßt, werden seine Gestalten farbloser und die Geschichten entsprechend belangloser. Insgesamt also ein durchwachsener Eindruck. Dennoch: Die autobiografischen Geschichten sind unbedingt lesenswert.