Nenas Comeback nach dem Split der Band war 1989 wie ein Wunder, und auch sonst passte der Titel in die Umbrüche der damaligen Zeit. Natürlich war nichts mehr wie zuvor, von der alten Band war nur noch Jürgen Dehmel dabei, aber nach anfänglichem Befremden schloss ich die "neue Nena" in mein Herz.
Sehr nachdenklich setzt sich Nena in "Du bist überall" mit ihrem toten Sohn auseinander, zerbrechlich besingt sie mit Kirchenglocken und Vogelgezwitscher im Hintergrund den "Hero" in ihrem Bauch. Die Wellen rollen heran und Nena sieht geliebten Menschen auf dem Weißen Schiff hinterher, sie singt Liebeslieder an die positive Kraft der Liebe und des Lebens, lässt in Beziehungen "Keine Langeweile" aufkommen und setzt in "Abschied" den ungeliebten Geliebten vor die Tür.
Nena verarbeitet auf/mit diesem Album ihre "schwere Zeit", verliert dabei aber nie die Hoffnung, so dass einen das Anhören keineswegs in Depressionen stürzt. Aber es ist sehr persönlich und regt zum Nachdenken an - und dafür allein schätze ich dieses Album sehr. Musikalisch ist es entsprechend eher akustisch, solide und dezent gehalten, "Fetenhits" u.ä. sucht man hier vergeblich.
Mit einer Laufzeit von nicht einmal 38 Minuten ist es sehr kurz geraten, aber das macht der Inhalt locker wieder wett. Zudem hat man die 98er Wiederveröffentlichung klangtechnisch als auch äußerlich aufgewertet.