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Wucherzins und Höllenqualen: Ökonomie und Religion im Mittelalter [Gebundene Ausgabe]

Jacques Le Goff , Johannes Fried , Matthias Rüb
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 18,95 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Kurzbeschreibung

März 2008
Die Heuschrecken des Mittelalters
In seinem klassischen Werk setzt sich Le Goff mit der Stellung des Wucherers im Mittelalter auseinander. Ein Mentalitätswandel im 12. Jahrhundert festigt seine gesellschaftliche Stellung - ein Meilenstein auf dem Weg zum Kapitalismus.In seinem klassischen Werk setzt sich Le Goff mit der Stellung des Wucherers im Mittelalter auseinander. Ein Mentalitätswandel im 12. Jahrhundert festigt seine gesellschaftliche Stellung - ein Meilenstein auf dem Weg zum Kapitalismus.
Während des 12. und 13. Jahrhunderts führte die Christenheit eine regelrechte Kampagne gegen die Wucherei; auf fünf Konzilen wurde sie damals streng verurteilt; bildliche Darstellungen zeigen den Wucherer, wie er von seiner gefüllten Geldbörse, die ihm um den Hals hängt, in die Hölle hinabgezogen wird ...
Viel gehasst war er - und doch war er notwendig. In Handel und Gewerbe kündigten sich neue Formen des Wirtschaftens an: erste Morgenröte des Kapitalismus, dessen frühester Protagonist der Wucherer ist.
Aber in welchem Zwiespalt steckt er! Zwar vermehrt er sein Geld selbst noch im Schlaf, zugleich aber sind ihm die ewigen Höllenqualen gewiss.
Und doch braucht die neue Zeit ein Kreditwesen. Mühsam suchen sich die Menschen einen Weg zwischen den heiligen Tabus. Doch gibt es einen Ausweg: das Fegefeuer, durch das bestimmte Kategorien von Sündern noch einmal gerettet werden können. Die Sünde wird relativiert, der Sündenkatalog differenziert, der Wucherer hat sein zweifaches Ziel erreicht: hienieden seine wohlgefüllte Börse zu behalten, ohne im Jenseits das ewige Leben zu verlieren. In Siena wird die erste Bank eröffnet, die christlichen Geldverleiher können ruhig schlafen, während ihr Geld sich vermehrt ...

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Wucherzins und Höllenqualen: Ökonomie und Religion im Mittelalter + Geld im Mittelalter + Kaufleute und Bankiers im Mittelalter.
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 205 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 2., völlig überarb. Auflage (März 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608944680
  • ISBN-13: 978-3608944686
  • Größe und/oder Gewicht: 17,6 x 11,8 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 297.105 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»... Der französische Historiker Jacques Le Goff ist einer der besten Kenner des Mittelalters. Er hat zahlreiche Bücher publiziert, etwa über die Intellektuellen oder die Geschichte des Körpers im Mittelalter. Mit der vorliegenden, beeindruckenden Studie blickt der Mediävist zurück auf die Morgenröte des Kapitalismus. ... Der Autor, einer der wichtigsten Vertreter der Sozial- und Mentalitätsgeschichte, der "Nouvelle Histoire", sieht im sogenannten Wucherer zu Recht einen Wegbereiter des Kapitalismus. ...« Ralf Altenhof (Neue Zürcher Zeitung, 28.03.2008) »... Das Buch von Le Goff wie das informative Nachwort von Johannes Fried zeigen dem Leser nicht nur den Zusammenhang von Religion und Ökonomie im Mittelalter. Darüber hinaus belegen sie, wie der Wucher - als "Handel mit der Zeit" - zu einem Wegbereiter des modernen Kapitalismus wurde. Dem heute 83-jährigen Altmeister Le Goff gelingt es auch in diesem Buch, dem Leser eine entlegene und in vieler Hinsicht völlig fremd gewordene Welt durchsichtig zu machen.« Rudolf Walther (Tages-Anzeiger, 05.05.08)

Klappentext

Während des 12. und 13. Jahrhunderts führte die Christenheit eine regelrechte Kampagne gegen die Wucherei; auf fünf Konzilen wurde sie damals streng verurteilt; bildliche Darstellungen zeigen den Wucherer, wie er von seiner gefüllten Geldbörse, die ihm um den Hals hängt, in die Hölle hinabgezogen wird ...

Viel gehasst war er - und doch war er notwendig. In Handel und Gewerbe kündigten sich neue Formen des Wirtschaftens an: erste Morgenröte des Kapitalismus, dessen frühester Protagonist der Wucherer ist.

Aber in welchem Zwiespalt steckt er! Zwar vermehrt er sein Geld selbst noch im Schlaf, zugleich aber sind ihm die ewigen Höllenqualen gewiss.

Und doch braucht die neue Zeit ein Kreditwesen. Mühsam suchen sich die Menschen einen Weg zwischen den heiligen Tabus. Doch gibt es einen Ausweg: das Fegefeuer, durch das bestimmte Kategorien von Sündern noch einmal gerettet werden können. Die Sünde wird relativiert, der Sündenkatalog differenziert, der Wucherer hat sein zweifaches Ziel erreicht: hienieden seine wohlgefüllte Börse zu behalten, ohne im Jenseits das ewige Leben zu verlieren. In Siena wird die erste Bank eröffnet, die christlichen Geldverleiher können ruhig schlafen, während ihr Geld sich vermehrt ...


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wendephase im Mittelalter 6. Juni 2008
Von Arne123
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Wucher - wohl kaum ein anderer Begriff beinhaltet eine explosivere Mischung aus Religion und Wirtschaft. Bis ins 12. Jahrhundert waren für den Christenmenschen die auf verschiedenen Bibelstellen basierenden Verhaltensvorgaben eindeutig: Zinsnahme ist Wucher, und Wucherer landen in der Hölle. Auch wenn die scholastische Lehre verschiedene Ausnahmen vom Zinsverbot kannte, so blieb die Regelung insgesamt über Jahrhunderte wasserdicht. Jacques Le Goff, einer der führenden Mediävisten Frankreichs, beschreibt in diesem Buch, wie sich im Laufe des Hochmittelalters ein Mentalitäts- und Einstellungswandel vollzog, der zu einer Lockerung des Zinsverbots führte und damit zu einem Wegbereiter des Frühkapitalismus wurde. Dabei beschränkt er sich nicht auf das Resumee kirchlicher Normen, sondern untersucht auch deren Popularisierung durch Predigten und Handbücher für Beichtväter sowie deren praktische Akzeptanz anhand von Testamenten. Eine besondere theologische Innovation stellt nach Le Goff in diesem Zusammenhang das Fegefeuer dar: Gegen Ende des 12. Jahrhunderts "geboren" und theologisch begründet, löste es zumindest für bussfertige Wucherer das Dilemma, dass diesseitiger Wohlstand nur um den Preis jenseitiger Seelenpein zu erzielen war - über einen kleinen Instanzenumweg konnte das Paradies nun doch noch erreicht werden. Zudem konnten Verwandte die Leidenszeit des Toten im Fegefeuer durch Gebete, Opfergaben und Fürsprache verkürzen helfen. Gleichzeitig begann die Kirchenlehre, vorsichtig zwischen "gerechtfertigtem Zins" und "übermässigem Wucher" zu differenzieren. Durch beide Entwicklungen wurde das Zinsverbot aufgeweicht, und die gesellschaftliche Akzeptanz des Geldverleihs stieg.

Als herausragender Vertreter der Annales-Schule interessiert Le Goff sich weniger für Ereignisgeschichte, sondern eher für langfristige Entwicklungen und kulturhistorische Hintergründe. Auf den Einfluss der Religion auf ökonomische Phänomene wies bereits Max Weber hin. Im Gegensatz zu Webers Protestantismus-These beschreibt Le Goff jedoch, wie der Abbau eines religiösen Tabus wachstumsfördernd wirkt. Da das Buch sechs eher lose zusammenhängende Einzelartikel enthält, die zudem bereits in den siebziger Jahren geschrieben wurden, ist das umfangreiche Nachwort des Frankfurter Mittelalterspezialisten Johannes Fried besonders hilfreich. Wo Le Goffs Argumentation bisweilen etwas sprunghaft wirkt, systematisiert Fried und konkretisiert den politischen und wirtschaftshistorischen Kontext des Einstellungswandels. Dass die geänderte gesellschaftliche Stellung des Wucherers tatsächlich ein "Meilenstein auf dem Weg zum Kapitalismus" war, ist indes eine kühne These, und Le Goff ist sich dessen bewusst. Ein detaillierter Blick auf die Zeit nach dem Wegfall der sakralen Bremse am Kreditmotor wäre daher begrüssenswert gewesen. Auch über regionale Unterschiede in der Aufweichung des Zinsverbots und deren Gründe würde man gerne mehr erfahren. Trotz dieser geringfügigen Einschränkungen bietet dieses Buch einen faszinierenden Einblick in mittelalterliches Denken. Le Goffs Quellenkenntnis ist beeindruckend, seine Sprache zugleich klar und erfrischend unakademisch, und nicht zuletzt ist die Ûbersetzung sehr gelungen.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Urzeit unseres Finanzsystems 9. Januar 2009
Von Rolf Dobelli HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Nie hatte die Finanzbranche einen so schlechten Ruf wie heute. Könnte man zumindest denken. Doch verglichen mit dem, was die Wechsler und Geldverleiher im Mittelalter zu erdulden hatten, nehmen sich die aktuellen Vorwürfe gegen die Banker geradezu harmlos aus. Der renommierte Historiker Jacques Le Goff stellt in diesem Buch die Kämpfe vor, die damals zwischen kirchlicher Lehre und wirtschaftlichen Notwendigkeiten ausgefochten wurden. Er zitiert ausgiebig Schauergeschichten, mit denen man den Wucherern im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle heiß machte, verliert aber dabei nie die Relevanz des Themas für die heutige Zeit aus den Augen. Es wird klar, dass die mittelalterliche Debatte über den Zins ein Meilenstein auf dem Weg zum Bankwesen und letztlich zum Kapitalismus war. getAbstract empfiehlt das spannende Buch allen, die sich für die Urzeit unseres Finanzsystems interessieren.
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