Dies ist das mittlerweile 17.Studioalbum von Käpt'n K und Konsorten und die Maschine läuft noch immer, von Ruhestandsmentalität keine Spur.
Zugegeben, KMFDM erfinden weder sich selbst noch das Genre Industrial-Rock neu, wobei ich vermute dass sie das gar nicht wollen und es mir auch so ganz recht ist. Rein subjektiv betrachtet finde ich dass WTF?! nicht so schnell ins Ohr geht wie die letzten Veröffentlichungen. Stilistisch würde ich es als Mischung bei den Kultalben ANGST (1993), XTORT (1996) und SYMBOLS (1997) einordnen, wobei der etwas erdigere und nicht ganz so fette Sound wie sonst, von der Produktion her eher an Tohuwabohu (2007) erinnert, und die Elektronik wieder etwas mehr in den Vordergrund getreten ist. Anfangs dachte ich mir bei einigen der Songs wirklich "WTF?!", nach öfterem durchhören wurden die meisten davon aber doch noch zum Genuss.
Im Gegensatz zur letzten Veröffentlichung BLITZ, wo man auf alte Mitstreiter wie Tim Skold zurückgegriffen hat, gibts diesmal ein paar neue Freigeister an Bord. Allen voran der Dark-Electro Master Sebastian Komor. Schon sein Remix von KRANK auf der gleichen Vorab-Single ist mindestens gleichwertig zum Originalsong, der stark wie eine Mischung aus Light (ANGST) und Megalomaniac (SYMBOLS) daherkommt. Bei meinen weiteren persönlichen Highlights, dem erfrischend groovigem Rebels in Kontrol (erinnert etwas an Rules von XTORT) und dem heftig stampfendem Amnesia war er auch mit von der Partie. Sehr positiv zu erwähnen sind auch noch das rein elektronische Panzerfaust mit altbekannten Texten aber auf Italienisch und sehr mächtiger Refrain-Melodie, sowie das düster treibende Spectre mit William Wilson als Gastsänger.
Einzig wirkliche Enttäuschung für mich persönlich ist Come on - Go off, die Kollaboration mit Static-X Gitarrist Koichi Fukuda. Ich vergöttere normalerweise seine treibenden Riffs sowie sein Gespür für diabolische Samples, aber mit dem wirren Geschreddere das hier produziert wurde kann ich leider überhaupt nichts anfangen. Nun ja wie heissts aber so schön, über Kunst kann man eben nicht Streiten, und so lange eine Band wie KMFDM nach so vielen Jahren noch immer nicht ihren Biss verloren hat und weiterhin geschäftig bleibt, werde auch ich weiterhin ein treuer Lauscher bleiben.