Dank einer reisefreudigen, US-DVD-kaufwilligen Freundin kam ich schon vor dem deutschen DVD-Release von "Wrong Turn 4" am 12. Januar 2012 in den "Genuss" der englischen Originalfassung, die zudem in der ungeschnittenen Version daherkam. Und nach Sichtung des Films garantiere ich Euch, dass der Film es nicht ungeschnitten nach Deutschland schaffen wird. Die amerikanische Version ist 93 Minuten lang, in der deutschen Version sollen es wohl 89 werden. "Wrong Turn 4" bietet einige ziemlich üble Menschenfleisch-Schnetzeleien, kann darüber hinaus aber natürlich mit überhaupt nichts Neuem punkten, auch wenn die Macher - wie schon so viele vermeintlich Kreative vor ihnen - den 4. Teil als Prequel angelegt haben. Die dünne Handlung solcher Filme dient ja eh nur dazu, den Torture Porn-Sequenzen immer wieder Tür und Tor zu öffnen. Die Darsteller sind Kanonenfutter, die Handlung eben nur blutiger Brückenschlag zwischen den Folterungen und diese zumindest handwerklich solide umgesetzt. Insofern ist "Wrong Turn 4" ein aussichtsreicher Kandidat der Gattung "Kann man gucken, muss man aber nicht". Aber wenigstens ist er besser als der bisher schwächste Teil der Reihe, nämlich Teil 3. Also, wer noch Bock auf die inzestuösen Hackfressen hat, bitte sehr:
West Virginia, 1974, Irrenanstalt XY: Hier sitzen unsere drei grenzdebilen Suppenkasper im noch prä- und postpubertären Alter hinter den Gittern und knispeln sich in Ermangelung anderer Menüvorschläge an den eigenen Fingern rum oder hauen sich auf lau selbst mal ein Auge raus. Da sie aber natürlich, obwohl sie nur irgendwelche Grunzlaute von sich geben, hochintelligent sind und der Inzest der vergangenen Generationen ihren Hirnen selbstredend null geschadet hat, gelingt ihnen, logo, der Ausbruch aus der Klapse. Das sich dadurch für sie eröffnende Krankenhauspersonal-Buffet wird reichlich ausgeschlachtet (ha ha) und dann geht's erstmal ab in den Wald. Wo sich über 30 Jahre später auch die übliche Truppe mittzwanzigjähriger Knalldeppen versammelt hat, um mal Schneemobil zu fahren / sich gegenseitig im hohle-Bemerkungen-machen zu überbieten / an Baumstämme zu pieseln. Rubbeldiekatz bricht ein Schneesturm über den Haufen notgeiler Amöben herein, macht aber nix, da ja glücklicherweise die mittlerweile geschlossene Klapse aus den 70ern im Wald rumsteht. Voll möbliert natürlich, fast besenrein, Kamin funktioniert auch noch, alles super also. Inzestuöse Hackfressen haben ja auch sonst nix zu tun, als da regelmäßig aufzuräumen und feucht durchzuwischen. Ja, die sind natürlich da, soviel war ja wohl klar, oder? Und schon geht sie los, die lustige Twen-Dezimierung, und da haben sich die blutgeilen Lümmel aus der letzten Bank einiges einfallen lassen, jawohl! Neben heißem Öl aus dem Fonduetopp kommen auch handelsübliche Monsterbohrer, Metallstangen und alles, was da sonst noch in der Psychiatrie rumliegt, zum Einsatz. Na dann: Guten Appetit.
"Wrong Turn 4" macht gar nicht erst lange rum und erfreut den Genrefan schon in den ersten Minuten mit einer detailfreudigen Vierteilung. Dann kommt leider eine kleine Durststrecke, in der das Kanonenfutter viel zu lang und leider überhaupt vorgestellt wird. Dass die Amis mental gern im Trüben fischen, ist ja nichts Neues, aber hier wird einem ein Haufen wirklich äußerst dämlicher Exemplare vorgesetzt. Erstmal sind alle so notgeil, dass es mich wundert, dass sie nicht mit hängender Zunge durch die Gänge hüpfen und sich an den Geschlechtsteilen spielen, und dann sind die wirklich alle so doof, dass man ihnen permanent eine reinhauen möchte. Es wird rumgeprollt bis hintengegen, schlaffe Witzchen gerissen, permanent dummes Zeug geredet und man verstrickt sich immer wieder und gerne in den eigenen, wirren Gedankengängen, die alle in einer Sackgasse enden. Dass dieser Haufen nicht lange überlebensfähig ist, dürfte daher nicht überraschen. Vor allem, wenn man im tiefsten Winter in einer völlig ausgekühlten ehemaligen Klapse nur im T-Shirt rumrennt. Aber keine Sorge, im ganzen winterlichen Film ist kein einziges Mal kalter Atem zu sehen, es war also vermutlich muckelig warm im Studio. Oder es lag am seitlich fallenden Schnee, der wahlweise von rechts oder links ins Bild gepustet wurde, der ist wahrscheinlich viel wärmer als normaler Schnee.
Um "Wrong Turn 4" also etwas abgewinnen zu können (und das kann man durchaus), muss man also entweder komplett auf Durchzug schalten, sobald einer dieser vollpfostigen Twens den Mund aufmacht oder den Ton gleich ganz ausschalten, inhaltlich verpasst man da rein gar nichts. Und da solche Filme in der Regel eh mit ihren Splattereinlagen und mehr oder weniger gelungenen Effekten punkten können und wollen, kann man auf den sinnlosen Rest drumherum eh verzichten. Wenn dann unsere drei Gen-Frikadellen die Bühne betreten, ist denn auch in der Regel gleich blutiges Rambazamba angesagt, und das sieht teilweise echt übel aus. Minutenlang wird einem Opfer bei vollem Bewusstsein Fleisch vom Körper gesäbelt, das dann anschließend als Fondue-Material verwendet und verspeist wird. Mannshohe Bohrer werden durch definitiv nicht mehr jungfräuliche Leiber getrieben und auf vollen Touren laufen gelassen, Metallstangen vom Unterkiefer bis ins luftige Hirn getrieben und auch herkömmliche Drahtseile ziehen sich quälend langsam durch krakeelende Mädchenkehlen. Auf dem Goresektor kann der Film also definitiv punkten, da dürfte genug Material für die Zensoren dabei sein.
Leider ist das fast das einzig Gute an dem Film. Sollte reichen, meint Ihr? Na ja... fast. Wie gesagt, Sympathieträger braucht es in solcherlei Filmen nicht unbedingt, der Fokus liegt eh auf den mörderischen Gewaltexzessen und deren möglichst blutiger Umsetzung. Dennoch nervt der Film durch seine ansonsten überaus einfallslose und stereotype Inszenierung und auch das endlose Gequatsche dieser Vollidioten ist nur sehr schwer zu ertragen. Dafür, dass hier knapp zwei Handvoll Opfer zur Verfügung stehen, geht das Ganze irgendwie doch zu gemächlich voran. Auch der Showdown zieht sich, mittlerweile in die schneebedeckten Wälder verlagert, ziemlich in die Länge, kann aber zumindest mit einer recht coolen last sequence punkten.
Von den Darstellern möchte ich nur Dean Armstrong ("SAW - Vollendung") als Fonduevorlage erwähnen, vor allem, weil er mit seinen 38 Jahren als Twentysomething vollkommen unglaubwürdig ist, aber schön schreien und halbwegs schauspielern kann. Der Rest dieses untalentierten Haufens ist so unbekannt wie überflüssig und kommt mir hier nicht namentlich in die Rezension. Regisseur und Drehbuchautor Declan O'Brien hat bislang so fulminante TV-Produktionen wie "Sharktopus", "Cyclops" und "Monster Arche" fabriziert, ich denke, die Titel reichen als aussagekräftige Referenz seines Könnens aus.
Die Ausstattung der US-Scheibe bietet Folgendes: Ton in englisch in DD 5.1, Untertitel in englisch, spanisch und französisch. Extras: Audiokommentar vom Regisseur, Director's Die-Arys, Making another Wrong Turn, Lifestyles of the Sick and Infamous, Music featuring the Blackout City Kids, Deleted Scenes.
Ergo: "Wrong Turn" ist in seinen Splattereinlagen recht gelungen, allerdings nur in der ungeschnittenen Originalversion. Es gibt ausreichend Material, das der deutschen Schere zum Opfer fallen dürfte, und dann macht der Film wahrscheinlich gar keinen Spaß mehr. Die Darsteller sind so schlecht, dass man ihnen einen langsamen und grausamen Tod wünscht, zum Glück schaffen auch sie es nicht, einem den durchaus unterhaltsamen Gore gänzlich zu versauen, das ist ja auch schon mal was. Auch wenn die Dialogsequenzen viel zu lang und definitiv zu dämlich sind, ist man ob des expliziten Gores, der hier gezeigt wird, einigermaßen milde gestimmt. Natürlich hätte dieses Sequel, das sich Prequel nennt, niemand gebraucht, aber wenn man es denn schon mal in die Finger kriegt, dürfen Gorehounds ruhig einen Blick riskieren. Man kann ja den ganzen verbalen Dünnsinn einfach vorspulen. Trotzdem nicht mehr als gute zwei von fünf Fonduesoßen, die den 4. Teil der Reihe halbwegs schmackhaft machen.