Emmylou Harris war längst eine mit diversen Grammys ausgezeichnete "Grande Dame" der Countrymusik, als ihr 1995 die Zusammenarbeit mit dem Frankokanadier Daniel Lanois d a s Album ihrer Karriere bescherte. Der Studiozauberer Lanois, der als Produzent bereits die Longplayer von Größen wie U 2, Peter Gabriel, Bob Dylan oder Robbie Robertson veredelt hatte, kreiert auch auf "Wrecking Ball" mittels intensiver Gitarrenarbeit, die zumeist von ihm selbst übernommen wird, sowie ausgefeilter Rhythmik (markante Drums und Percussions) einen dichten Klangteppich, der keinen Vergleich mit der "Wall of Sound" eines Phil Spector zu scheuen braucht. Glücklicherweise wirkt keiner der zwölf Songs überproduziert, so dass Mrs. Harris' fragile Sopranstimme ihren ganzen Zauber entfalten kann.
Obwohl es sich bei diesen bis auf zwei Ausnahmen ausschließlich um Fremdmaterial (u. a. von Bob Dylan, Jimi Hendrix oder eben Daniel Lanois) handelt, klingen sie so, als seien sie eigens für Emmylou komponiert worden. Von den illustren Studiogästen ist Neil Young (Gesang, Mundharmonika) bei dem von ihm beigesteuerten
Titelsong mit von der Partie. Zudem lässt er "Sweet Old World" mit dem längsten von ihm je gehörten Mundharmonikasolo ausklingen. Weitere VIP's sind Steve Earle (Gitarre) und U 2's Larry Mullen jun., der bei den meisten Stücken hinter dem Schlagzeug sitzt.
Dass das Album eher nach Folkrock denn nach Nashville klingt, dürfte nicht einmal Country-Puristen stören. Songs wie "Where Will I Be", "All My Tears" oder - meine beiden persönlichen Favoriten - "Goodbye" und "Going' Back To Harlan" muss man einfach lieben. "Tanzmusik für den Himmel" hat sie damals ein Kritiker - wohl auch im Hinblick auf die Fotos im Booklet - treffend bezeichnet. Auf jeden Fall eine Platte für die oft zitierte aber noch nie geortete einsame Insel!