Kurz sind sie, enden plötzlich und offen und hinterlassen ein beklemmendes Gefühl. Carver's Kurzgeschichten sind kleine Alltagssituationsabrisse, in denen nicht viel passiert, sich aber alles ändert. Zumindest für die Protagonisten, deren Handeln von der Trostlosigkeit ihrer Welt beeinflusst wird. Carver beobachtet und beschreibt kurz und genau das zwischenmenschliche Verhalten und die Hilflosigkeit seiner Figuren. Die Titelgeschichte "Wovon wir reden wenn wir von von Liebe reden" behandelt das abendliche Gespräch zweier Paare über Liebe und ihre vorangegangenen Partner, wobei die Teilnehmer sich fremder werden, anstatt sich näherzukommen. Auch in den anderen Geschichten werden ungewöhnliche Begegnungen, gescheiterte Beziehungen und Verhalten in Extremsituationen thematisiert. Immer geht es um zwischenmenschliche Beziehungen und Kommunikation und immer schwingen beunruhigende Stimmungen mit. Carver's Stories schaffen es, eine Atmosphäre wiederzugeben und menschliche Verhaltensweisen zu schildern, die der Realität entsprechen mit all ihrer Tristess und Ausweglosigkeit. Dennoch sind seine Charaktäre nicht hoffnungslos, sie wissen, dass es irgendwie weitergeht, und dass Komplikationen zum Leben gehören. Obwohl ja angeblich Carver's Lektor viel mit der präzisen Kürze der Geschichten zu tun haben soll, wird Carver in Amerika als einer der wahren zeitgenössischer Meister gefeiert. Zu recht!