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Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden
 
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Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden [Taschenbuch]

Raymond Carver
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 176 Seiten
  • Verlag: Berliner Taschenbuchverlag (2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442760704
  • ISBN-13: 978-3442760701
  • Größe und/oder Gewicht: 18,7 x 11,9 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 371.205 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden
OT What We Talk About When We Talk About LoveOA 1981 DE 1989 Form Kurzgeschichten Epoche Postmoderne
In den 17 Kurzgeschichten dieses Bandes beschreibt Raymond Carver anhand von Alltagssituationen Menschen, die am Rand der amerikanischen Wohlstandsgesellschaft leben oder schon nicht mehr dazugehören. Die Szenarien kommen mit minimalen Handlungselementen aus und lassen Spielräume für Interpretationen.
Entstehung: Wie seine frühen Einzelveröffentlichungen und den Band Würdest du bitte endlich still sein, bitte hat Carvers Lektor Gordon Lish auch die Erzählungen dieses Bandes stark bearbeitet. Die durch ihn vorgenommenen Änderungen sind, wie Fachleute eindeutig nachgewiesen haben, gravierend. So hat Lish Wovon wir reden, wenn wir über Liebe reden um etwa 50% gekürzt. Zehn der markanten offenen Schlüsse stammen von Lish – und nicht von Carver. So muss im vorliegenden Fall wohl von einer Gemeinschaftsproduktion von Carver und Lish gesprochen werden.
Inhalt: Menschen, die wissen, dass sie ihr Leben verpfuscht haben und keinen Ausweg mehr finden, sind die Protagonisten in Carvers Kurzprosa. Er schildert Alkoholiker und Einsame, die in Beziehungen leben oder sie hinter sich haben, Ehepaare, deren Kinder aus dem Haus sind und die nebeneinander her leben.
Carver stellt die Menschen in ihrem alltäglichen, auch dem Leser bekannten Umfeld dar: Der Autor präsentiert sie beim Kauf gebrauchter Möbel (Warum tanzt ihr nicht?), beim gemeinsamen Betrinken (Pavillion), einer Begegnung im Vorgarten bei der nächtlichen Jagd auf Schnecken (Ich konnte die kleinsten Dinge erkennen), bei einem Gespräch zweier Paare über die Liebe (Wovon wir reden, wenn wir über Liebe reden), einem Angelausflug, bei dem eine nackte Mädchenleiche gefunden wird (So viel Wasser so nah bei uns). Aber auch Mord, Krankheit, die Tragödien des Alltags, Entfremdungen und Existenzangst sind immer wiederkehrende Themen der Kurzgeschichten.
Aufbau: Die Erzählungen folgen dem für amerikanische Kurzgeschichten typischen Muster. Zu Anfang führen sie den Leser mitten in das Geschehen, das mit knappen, kurzen Sätzen in einfacher Sprache beschrieben wird. Ebenso typisch für das Genre ist das offene Ende. Die schnörkellose Sprache erinnert an Klassiker der Short Story wie z. B. Ernest R Hemingway.
Die Erzählungen bestehen zu einem Großteil aus Dialogen oder Monologen einer Erzählerfigur. Fast immer schlägt die Verständigung dabei fehl. Laufende Fernseher, Schnellrestaurants und Waschsalons bilden den Hintergrund für die letztendlich hoffnungslosen Figuren, die stets mit großer Sympathie und Ernsthaftigkeit beschrieben werden.
Wirkung: Nachdem der literarische Durchbruch mit dem ersten Erzählungsband bereits gelungen war, stellte Worüber wir reden, wenn wir von Liebe reden 1981 den literarischen und wirtschaftlichen Erfolg Carvers auf eine breite Basis. Von der Literaturwissenschaft wird der Autor als hervorragender Vertreter der Schule des Minimalismus gefeiert. 1993 drehte Robert Altman (*1925) den Film Short Cuts nach verschiedenen Erzählungen Carvers, von denen zwei aus diesem Band stammen. St. N.

Pressestimmen

"Carver erzählt in einfachen Sätzen scheinbar einfache Geschichten aus dem Alltag von einfachen Menschen. Geschichten von Menschen, denen es geht, wie es unser einem in seinen Tagalbträumen immer noch geht. Menschen in ihren Enddreißigern, ihren Mittvierzigern, die mit einem Mal merken, dass sie vom Leben überholt wurden, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann, dass es tragischerweise aber wahrscheinlich so weitergehen wird, ohne dass sie noch genug Energie hätten, sich dagegen aufzulehnen." (Elmar Krekeler, Die Welt)

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Summer!
Format:Taschenbuch
Was würden Sie alles in Ihren Koffer packen, wenn Ihre Familie Sie gerade aus der gemeinsamen Wohnung und aus ihrem Leben verbannt hätte? „Das wäre das letzte, worüber ich in dieser Situation nachdenken würde", werden Sie vielleicht antworten, aber sind Sie sich da sicher?
Scheinbare Banalitäten und wichtige Unwichtigkeiten, das ist der Stoff, aus dem Raymond Carvers Kurzgeschichten in „Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden" gesponnen sind.
Wenn wir von Liebe reden, dann reden wir von erstarrten Beziehungen, Verzweiflung und Desillusion, könnte das Fazit nach der Lektüre dieses Buches lauten. Carvers Figuren stehen alle mitten im Leben und doch ganz am Rande. Sie haben versucht, das aufzubauen, was man ein solides Leben nennt, geheiratet, Kinder bekommen, doch irgendwie sind sie steckengeblieben im Aufbau ihres kleinen Glücks.
Irgendwas fehlt ihnen, so dass zwei Männer einfach so zwei junge Mädchen ermorden, weil sie sie gerne einmal nackt gesehen hätten.
Irgendwas stört sie gewaltig an ihrem Leben, so dass schon das Schnarchen des Ehemanns einer Frau eine Qual ist.
Irgendwas ist schief gelaufen, so dass ein Mann sich gezwungen sieht, dem alten Leben ein Ende zu bereiten, indem er seine komplette Wohnungseinrichtung verscherbelt.
Was dieses Irgendwas genau ist, erfährt man nie, denn die Geschichten haben keine Erklärung oder gar Lösung anzubieten. Aber der Leser spürt genau, dass es da ist, deprimierend, beunruhigend, bedrohlich und nicht genau zu fassen.

Carver erreicht dies durch seinen ungewöhnlichen Blickwinkel, der sich auf die Details richtet, die man normalerweise nicht als wichtig beurteilen würde. Die Schilderung, wie ein Mann seinen Rasierer, seine Zahnbürste, die Zahnpasta und zum Schluss auch noch die Zahnseide in den Koffer packt, erscheint zunächst lächerlich banal. Doch das Lachen bleibt dem Leser im Halse stecken, wenn er sich bewusst wird, einen Menschen zu beobachten, dem soeben der Boden unter den Füßen weggerissen wurde, als Frau und Tochter ihn endgültig aus der Wohnung geworfen haben.
Das einfache Packen des Koffers, das Zusammensuchen seiner letzten persönlichen Gegenstände veranschaulicht die Verzweiflung und Perspektivlosigkeit des Mannes besser, als jede gefühlstriefende Beschreibung seines Gemütszustandes es hätte tun können.
Es liegt am Leser, sich in die Figuren hineinzuversetzen und ihre Situationen nachzuempfinden. Manche Geschichten bleiben deshalb rätselhaft und unverständlich. Andere jedoch entwickeln gleich beim ersten Lesen eine Faszination, die den Leser mal staunend und mal erschrocken zurücklässt.
Man ahnt, dass das, wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden, oftmals alles andere als idyllisch und romantisch ist.

War diese Rezension für Sie hilfreich?
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Genialer Realismus 22. Januar 2003
Von Hinnark
Format:Taschenbuch
Ich kenne keinen anderen Autor, der Literatur derart komprimiert. Die Geschichten kommen mit einem Minimum an Sprache aus. Stärker kann ein Text kaum verdichtet werden. Die nächste Steigerung wären schon Stichwörter. Er treibt die Tradition der amerikanischen Kurzgeschichte mit ihrer Knappheit und Lakonie z.B. eines Hemingway auf die Spitze und vielleicht auch an ihre Grenze.
Erzählt wird vom Alltag und seiner uns meist nicht bewusst werdenden Trostlosigkeit. Das Buch ist mit dem Effekt vergleichbar, der auftritt, wenn man seine eigene Stimme oder eine Unterhaltung, an welcher man teilgenommen hat, von Tonband hört. Alles wirkt plötzlich etwas schal. Dabei beschäftigen uns so große Dinge wie Liebe. Aus diesem Spannungsfeld bezieht das Buch von Carver seine poetische Kraft.
Ich kann davon immer nur eine Geschichte am Tag lesen. Sie liegen im Magen wie ein sehr schweres Essen, das erst verdaut sein will, bevor neue Nahrung aufgenommen werden kann.
Carver ist ein genialer Realist, der trotz Aussichtslosigkeit seine Träume nicht aufgibt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
In dem Band "Wovon, wir reden, wenn wir von Liebe reden", finden sich siebzehn melancholische, manchmal nichtssagende, doch stets verstörende Kurzgeschichten über Menschen aus der amerikanischen Mittelschicht.

"Ich hege große Sympathien für arme arbeitende Menschen. Ich bin ein Teil von ihnen", sagte Raymond Carver (1938-1988) in einem Interview. Er selber hatte mehrere Jobs, war oft sehr arm. litt unter einer Alkoholsucht, war zwei Mal verheiratet, zuletzt mit der Künstlerin Tess Gallagher, der viele seiner Werke gewidmet sind, und ähnliches erleben auch seine Figuren in dem Band "Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden." Es sind siebzehn Einblicke in die Amerikanische Mittelschicht, voller Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, oft ähneln sich die Protagonisten oder Orte, dann sind sie doch völlig anders und schließlich sind sie doch alle gleich. Zeigen uns die Sprachlosigkeit und Lähmung, wenn es um Liebe geht.
Die Sätze sind oft sehr banal, enthalten oft nicht mehr als Subjekt-Prädikat-Objekt, "Wir gingen nach draußen. Er änderte die Blende. Er sagte, wo ich mich hinstellen sollte, und wir fingen an', ebenso sind die Dialoge oft sehr simpel, manchmal scheinen die Personen gar aneinander vorbeizureden, und dennoch entwickeln die Geschichten eine schreckliche Faszination. Sie fressen sich im Gedächtnis fest. "Da war noch mehr an der Geschichte, und dse versuchte, es sich ein für alle Mal von der Seele zu reden. Nach einiger Zeit gab sie den Versuch auf."
So wird es auch manchen Leser gehen, da nicht alle Kurzgeschichten verständlich sind. Manchmal muss man sie noch einmal lesen, entdeckt in den kurzen Sätze, die entscheidende Stelle oder überliest sie, sie bleiben unverständlich, wie die Beziehung von Mann und Frau. "Er sagte: 'Ich will nur noch eins sagen.' Aber dann fiel ihm nicht ein, was in der Welt das sein könnte."
Der Lektor Gordon Lish hatte viel Anteil an dem besonderen Stil von Carver, da er vieles kürzte, änderte. Im Dezember 2007 veröffentlichte The New Yorker eine Carvers Originalfassung von der Titelgeschichte als "Beginners", indem man Lish Einfluss gut nachvollziehen kann.
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