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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
35 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Innenansichten des islamischen Fundamentalismus,
Rezension bezieht sich auf: Wovon die Wölfe träumen (Gebundene Ausgabe)
Bekannt geworden ist er durch seine Commissaire-Loeb-Krimis: Der algerische Autor Mohammed Moulessehoul, der unter dem Pseudonym Yasmina Khadra schreibt. Im Aufbau-Verlag erschien nun sein bislang wichtigstes Buch, das kein Krimi ist. „Wovon die Wölfe träumen" skizziert den Abstieg eines jungen, algerischen Mannes vom Chaffeuer einer reichen Familie in die Hölle des islamischen Fundamentalismus. Ein Buch, das angesichts der aktuellen politischen Lage sicherlich aufmerksam gelesen wird - und das mit Recht. Am Anfang steht die Kasbah in Algier: Nafa Walid, der Sohn eines Eisenbahners wächst dort zusammen mit seinen Schwestern auf. Der junge Mann mit dem schönen Profil träumt von einer Karriere als Filmschauspieler. Doch statt vor der Kamera sitzt Nafa zunächst hinter dem Steuer der Luxuslimousinen der reichen, einflussreichen Familie Raja. Für seine Dienstherren fährt er Edelprostituierte durch die Gegend, bringt die Familienmitglieder in vornehme Clubs. Den drastischen Unterschied zwischen Arm und Reich, zwischen Macht und Ohnmacht erfährt er am eigenen Leibe. Als im Bett des Raja-Sohns eine junge Prostituierte an einer Überdosis Heroin stirbt, soll er zusammen mit seinem Kollegen die Leiche der Frau beseitigen. Voller Ekel wird er Zeuge der skrupellosen Machenschaften seiner Herren. Entsetzt wendet er sich ab, kündigt seine Stellung und flüchtet sich in seine Religion. Dies geschieht alles, während um ihn herum die Islamisten in Algerien immer mehr an Einfluss gewinnen. Korrupte Politiker, eine kleine reiche Elite und die allgegenwärtige Armut bieten den fruchtbaren Nährboden für die Ideen der religiösen Fanatiker. Schon bald gehört er der Bewegung an, verrichtet Hilfsdienste und fühlt sich zunächst aufgehoben. Als sein Vater bei einer Polizeirazzia stirbt, bricht Nafa vollkommen mit seinem alten Leben. Er zieht mit den militanten Islamisten in die Berge, um gegen das herrschende System zu kämpfen. Dort wartet die Hölle des Bürgerkrieges auf Nafa: Rivalisierende Banden liefern sich einen erbitterten Kampf um Macht und Einfluss. Brandschatzend ziehen die Terroristen durch die Dörfer und töten Alte, Frauen und Kinder. Nafa legt alle Hemungen ab und angestachelt durch die Frau seines Emirs, dem Führer seiner Gruppe, begeht er ein grauenvolles Massaker. Eindringlich schildert Khadra die Geschichte eines einfachen Mannes, dessen Träume an der harten, algerischen Realität scheitern und der sich mit seiner Enttäuschung in den religiösen Hass flüchtet. Die Innenansichten der totalitären Islamisten-Gruppen, ihr psychologischer Aufbau und ihre Mechanismen zergliedert der Autor anschaulich. Dabei sind Khadras detaillierte Schilderungen, gerade im letzten Teil des Buches, kaum zu ertragen. Es liegt auf der Hand, Parallelen zu den Terroristen des 11. Septembers zu ziehen, doch so einfach ist es nicht. Was Khadra erzählt, ist vor allem eine algerische Geschichte - die zwar Verbindungen nach Afghanistan hat, deren Wurzeln aber im eigenen Land liegen. Darin liegt auch die Bedeutung der Bücher von Yasmina Khadra: Sie lenken den Blick auf Bürgerkrieg und Terror in einem Land, lange vor dem 11. September. Ein Krieg, der viel zu lange vergessen wurde. Khadra führt uns das schmerzhaft vor. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Geburt eines Fanatikers,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wovon die Wölfe träumen: Roman (Taschenbuch)
Yasmina Khadra hat ein Buch über einen jungen Mann in Algerien geschrieben und den Weg, der ihn islamischen Fanatikern in die Hände treibt. Nafid Wali lebt in der Kasbah von Algier und sein großer Traum ist es, Filmschauspieler zu werden. Einmal gelingt es ihm sogar, eine Rolle in einem algerischen Schmachtfetzen zu ergattern, doch weitere Rollen erhält er nicht und schließlich arbeitet er als Chauffeur einer der reichen algerischen Familien, die weit weg von der Kasbah ihr eigenes Leben in gut bewachten europäischen Villen leben. Sohn und Tochter chauffiert er zu den Nobeldiskos, dem Hausherrn kutschiert er die Geliebten durch die Nacht und oft sitzt er nur da und wartet, dass es etwas zu tun gibt. Der Sohn gabelt eine fünfzehnjährige Streunerin auf, die heroinsüchtig ist und an einer Überdosis stirbt. Nafid muss die Leiche entsorgen und außerdem den Mund halten - seine Arbeitgeber sind mächtig genug, im Einparteienstaat Algeriens jede Untersuchung des Todesfalls zu verhindern. „Unser Staat ist ein Rechtsstaat. Das lässt sich nicht leugnen. Aber man muss auch präzisieren, was für ein Recht das ist ... Ein einziges, einmaliges, unteilbares Recht: das Recht, den Mund zu halten." Nafid sucht Trost in der Religion, vertraut sich dem Imam seines Viertels an. „Das war das Beste, was dir widerfahren konnte, Bruder", sagt der ihm, „ Du hattest Träume, hattest Ambitionen. Du warst voll Lebenshunger. Und Gott hat dich dorthin geführt, wo du hinwolltest - um dir die Augen zu öffnen. Du hast den Luxus kennen gelernt, die Macht, die Überheblichkeit. Jetzt weißt du es: Ihre Extravaganzen, ihre schrille Angeberei sind nur dazu da, die hässliche Nichtigkeit ihres Tuns zu überdecken [...] Jetzt weißt du, was gerecht ist und was ungerecht. Denn Armut besteht nicht darin, kein Geld, sondern keine Richtschnur zu haben." Der Besuch des Gottesdienstes jeden Freitag, das Gefühl, in der Gemeinschaft der Gläubigen aufgehoben zu sein, trösten Nafid. Wir schreiben 1988 und die Islamisten beherrschen immer mehr das öffentliche Leben in Algerien. Sie betreiben Garküchen für die Armen, kümmern sich um Familien, deren Ernährer im Gefägnis sitzen, Nafid erhält ein Taxi und hat eine Aufgabe, fühlt sich als nützliches Glied einer großen Gemeinschaft. Und Frauen auf der Straße, die europäisch gekleidet sind, werden beschimpft. Garküchen und Fanatismus, beides gewinnt an Boden bis zu den Wahlen, die die Islamisten gewinnen, bis zum Putsch, der das Parlament auflöst und den Bürgerkrieg einleitet. Jetzt sind es nicht mehr Garküchen, durch die die Islamisten von sich reden machen - jetzt sind es Morde. Und wie viele andere, wird auch Nafid in diesen Abgrund gerissen, wird zum Partisan Gottes, der über Leichen geht, um das Paradies zu schaffen und in der Hölle zu enden. Der Autor hat mit diesem Buch einen Lebenslauf geschaffen, der zeigt, wie Menschen in den Bann des Fanatismus geraten und den Leser erahnen lässt, was hinter den blutigen Gemetzeln im Algerien der Neunziger Jahre abgelaufen sein mag. Nur ein Lebenslauf, sicher nicht typisch, sicher nicht der einzige, aber sicher ein Beispiel, der uns das Unfassbare verstehen lässt. Bereits 1999 geschrieben, aber immer noch aktuell. Das Buch sollte jeder lesen, der sich für Zeitgeschichte interessiert und für die Schicksale, die sich hinter den Schlagzeilen verbergen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Terrorismus verstehen ist möglich,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wovon die Wölfe träumen: Roman (Taschenbuch)
Yasmina Khadra hat in diesem Buch einen Schlüsselroman vorgelegt, der wie kein anderes Buch das Wesen des islamistischen Terrorismus erfasst. Auch verglichen mit den anderen exzellenten Werken des Autors ragt dieses Buch heraus. Die Geschichte eines Jungen aus der Vorstadt Algiers, dessen bürgerlichen Träume zum Scheitern verurteilt sind und der am Ende im Blutrausch eines vollkommen enthemmten GIA Terroismusses endet ist von der ersten Seite an packend geschrieben. Khadra, der als Offizier in der algerischen Armee den Horror hautnah erlebte, beschönigt nichts: das Buch ist grausam es ist schockierend er zeigt wie Menschen jede Grenze und Hemmung verlieren. Aber es macht die Verwandlung von Menschen zu Bestien in einer Art nachvollziehbar, wie sie bislang in seiner Eindrücklichkeit nie geschildert wurde. Eine Pflichtlektüre für alle die das Wesen des Terrorismus verstehen wollen.
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