"Die Macht der Sprache in der ökonomisierten Sozialen Arbeit" (so der Untertitel zu diesem Buch) wird hier sehr eindrücklich beschrieben. Es gelingt dem Autor mit dieser Analyse auf einen schleichenden Prozess aufmerksam zu machen, der jedoch nicht nur den sozialen Bereich betrifft, sondern auch beispielsweise im Bildungsbereich und in der Medienberichterstattung immer mehr um sich greift:
WOrte werden gezielt gesetzt, um Entwicklungen zu beschönigen, zu verschleiern ode machtpolitische Interessen durchzusetzen. Die Wechselwirkung zur tatsächlichen sozialen Arbeit darzustellen, ist ein großer Verdienst des Buches. Denn die alltägliche Arbeit bleibt davon einfach nicht verschont, wenn man bestimmte Begriffe verwendet.
Leider ist die Auswahl der Begriffe von Thomas Erlach gering gehalten und bezieht sich vor allem auf folgende:
Kunde/-in, Effizienz, Non-Profit-Organisationen, Kostenwahrheit, Leistungsmengenerfassung, Qualitätssicherung, Empowerment.
So heißt es in Bezug auf den Kunden/-innenbegriff: "...dass mit zunehmender Verwendung des Begriffes Kundin bzw. Kunde sich soziale Arbeit auf autonome, selbstbestimmte und mit den nötigen Finanzmitteln ausgestattete Menschen ausrichtet. Da die Menshcen, die soziale Einrichtungen bisher aufsuchten, diesen Kriterien weitgehend nicht entsprechen, entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen den Angeboten...und den Menschen, die Hilfe benötigen. Es wird für diese Menschen eben keine passenden Angebote mehr geben." (S.117) Man betrachtet also Menschen als autonom und selbstbewusst handelnde Personen, die schon wissen, was sie brauchen, obwohl sie es de facto nicht wissen (können); wenn es beispielsweise um gesetzlich verankerte Ansprüche geht. So könnte man beispielsweise einem Klienten-Kunden ein Angebot vorenthalten (weil es zu teuer ist), obwohl es realistischer Weise eine große Hilfe sein könnte. Der Klienten-Kunde (weil er über das Angebot nicht informiert wurde), kann somit auch nicht dagegen klagen...
Und so könnte man als Sozialarbeiter immer weiter von dem Blick auf Hilfsbedürftige abrücken, die als Kunden einfach nicht nennen, wa sie wirklich brauchen.
Die Ausführungen von Thomas Erlach, studierter Praxeologe und Mitinitiator der "Linzer Initiative" (einem Netzwerk kritischer Mitarbeitender aus dem Sozialbereich), stellen diverse Hintergründe vor, ohne jedoch tief genug auf die Möglichkeiten von in der Sozialarbeit tätigen Menschen einzugehen, der Macht der Sprache passend zu begegnen. Hier hätte man sich mehr Vorschläge gewünscht.
Ansonsten aber ein elementar wichtiger Anstoss, sich der persönlichen Sprach- und Begriffswahl bewusster zu werden. Die ökonomisch-philosophischen Erklärungen im ersten Teil des Buches werden wohl eher für theoretisch interessiertere Menschen von Belang sein.
Für alle Personen, die im Sozialen Bereich bewusst Veränderungsprozesse begleiten möchten, die nicht zum Nachteil für Hilfe suchende Menschen gereichen sollen, ist diese Lektüre ausgesprochen nützlich. Und vielleicht merken dann auch mehr Menschen, wie schnell Begriffe und Worte genutzt werden, um nachteilige Prozesse schönzufärben. Es wäre gut gewesen, wenn Herr Erlach auch auf die Begriffe Betreuung, pädagogische Angebote, Bildung, Ganztagsbetreuung, Selbstverantwortung stärker eingegangen wäre; denn hier würde auch für Laien noch deutlicher werden, wie arg man in seiner Meinungsbildung hier beeinflusst wird.