Was fällt sofort auf ? Es ist diese intensive, direkte Art des Gesangs: bluesig-schwer, aber dennoch so, dass eine ordentliche Portion Jazz im wahrsten Sinne des Wortes mitswingt. Die 10 Songs: nicht gekünstelt, nicht aufgesetzt, sondern aus der vermeintlichen Augenblicklichkeit des Alltags entnommen, weil man ihn vielleicht nicht aushält oder er einen selbst nicht hält. Manchmal glaubt man sogar, durch die Songs den schlammigen Geruch des Mississippi geradezu zu riechen. Das scheint unmöglich, aber bei Melody Gardot ist es wohl wahr.
Gerade mal 23 Jahre jung, gibt es eine eigene Geschichte hinter den Geschichten der Songs. Melody erlitt vor wenigen Jahren einen Unfall mit dem Bike, auf der Straße, angefahren von einem Jeep. Sie wurde zwar wieder gesund, aber seitdem brauchen ihre Augen die dunkle Brille und zum Gehen muss ein Stock helfen.
Die in New Jersey/USA geborene Sängerin und Songschreiberin fällt aus dem illustren Kreis selbstgefällig singender Diseusen, die so tun, als würden ihre Stimmen taugen, den Jazz mit dem Blues zu singen. Melody Gardot erzählt Stories von ihrer Welt neben unserer. Und singt im Schatten des Blues, jazzig-verhangen und nostalgisch verträumt, mit einer Spur von gehaucht-verruchter Eleganz: eine faszinierend schöne Frau. Ein schepperndes Schlagzeug, verklärte Hörner, eine wabernde Orgel, gelegentlich wimmernde Violinen und sogar der warme Klang einer Dobro-Gitarre schaffen eine beeindruckende Atmosphäre. Die alten Blues-Veteranen erzählen gerne, dass der, der den Blues singen kann, seine bittersüßen Ton-Geschichten zum lyrischen Sprechen bringt.
Wenn Melody Gardot spricht, hat der Blues-Gesang endlich wieder einen Namen !