Dieser eine Satz umfasst alle Facetten der "Affenliebe", die der Lehrer Lance Clayton(Robin Williams) seinem 15jährigen Sohn Kyle(Daryl Sabara) entgegen brachte. Während der allein erziehende Lance, erfolgloser Hobbyschriftsteller und Gutmensch in einer Person ist, war Kyle ein abstoßender, widerlicher, komplett unsympathischer dummer Junge. Außer Lance gab es niemanden, der auch nur einen Funken Sympathie für dieses Ekel aufbringen konnte...na ja...vielleicht noch sein Kumpel Andrew(Evan Martin), aber der scheint auch nicht besonders helle.
So lässt sich Lance von seinem Zögling terrorisieren und gefährdet dabei sogar seine Beziehung zur Kollegin Claire Reed(Alexie Gilmore), mit der er regelmäßig ins Bett steigen kann.
Doch eines Tages verändert sich die Situation dramatisch. Kyle erleidet einen autoerotischen Unfall und stirbt. Lance findet ihn, vertuscht aber die wahre Todesursache und hängt Kyle auf. Zur Tarnung schreibt er am PC einen Abschiedsbrief. Als dieser Brief bekannt wird, und in der Schule rund geht, hält man Kyle posthum für ein verkanntes Genie. Das treibt seltsame Blüten, die Lance in seiner falsch verstandenen Liebe auch noch fördert. So erscheint plötzlich Kyles Tagebuch und die Schüler und Lehrer erheben den ehemaligen Dumpfbolzen zu einer Art Heiligenfigur. Logisch, dass das Fernsehen und Literaturverleger plötzlich bei Lance Schlange stehen. Der feilt noch ein wenig an Kyles Mythos, bis er einsehen muss, dass es so nicht weitergehen kann...
Bob Goldthwait hat mit -Worlds Greatest Dad- eine Tragikkomödie der Kategorie 1A an den Start gebracht. Diesen Plot mit dem Comedian Robin Williams zu besetzen ist dabei so gewagt wie gelungen. Williams muss in diesem Streifen völlig anders agieren, als gewohnt. Vom alternden Lover bis zum gehassten Vater und missverstandenen Literaten zieht er alle Rollenregister seines Könnens, um uns Lance Clayton unglaublich nah zu bringen. Im Gegensatz dazu schafft es Dary Sabara als Kyle all unseren negativen Gefühle auf sich zu ziehen. Dabei balanciert Goldthwait die Story immer haarscharf am Berührungspunkt von Komödie und Drama.
Die Erzählstimme Claytons bringt uns mit dem Satz: "Mein Name ist Lance Clayton, meine größte Angst im Leben ist, das ich mal einsam und allein ende" in die Geschichte. Daran knüpft Godthwait einen fantastischen roten Faden, der einen guten Plot, viele Gefühle, seltsame Charaktere und ein grandioses Ende vereint. Wie dabei der Miesling Kyle zum anbetungswürdigen Verstorbenen mutiert, ist so witzig wie leider auch authentisch. Wenn Goldthwait in einer Szene Kyles "Geist" zu lebenden Personen in Beziehung setzt, ist das ganz großes Kino.
Bei -Worlds Greatest Dad- wird ihnen ab und an das Lachen im Halse stecken bleiben. Wenn oberflächliche Trauer in verklärte Dummheit umgewandelt wird, erkennen wir sofort Verbindungen zum "richtigen Leben". Ein weiterer Hauptdarsteller im Film ist die Musik. Der Soundtrack ist außergewöhnlich genreübergreifend und passen. Von Inara George über David Bowie, Brendon Benson, Nick Hornsby und Freddy Mercury wird da einiges geboten.
Sollten sie mal Lust auf einen "völlig anderen Film" haben, lege ich ihnen -Worlds Greatest Dad- ganz warm ans Herz. Robin Williams in einer Rolle, die ihm auf den Leib geschrieben ist und ein Storybook, das seinesgleichen sucht. Ich habe mich selten bei einer Tragödie so gut unterhalten lassen. Insofern gibt es von mir für diesen Film die absolute Empfehlung zum Anschauen.