Aus der Amazon.de-Redaktion
World's End ist ein skurilles Geschichtspanoptikum, das -- in Anspielung an James Fenimore Coopers Lederstrumpfepos Der letzte Mohikaner (1826) -- vorwiegend die letzten ihres Familiengeschlechts und deren Vorgeschichte vorstellt: Im Grunde nämlich spielt die Story längst im Totenreich, wo sich die Helden und die Ahnen wiedertreffen. Deshalb fährt Walter Van Brunt nach Alaska, ans "fernste, abgefrorenste Ende der Welt", auf der Suche nach dem Vater, der Vergangenheit: Nicht zuletzt eine Reise ans Ende der Zeit also, wo "die Toten aus den Gräbern steigen" und deren Hinterbliebene lebendig begraben sind. So entsteht eine "Grossaufnahme Amerikas am Ende des Jahrhunderts" (Boyle): ein apokalyptischer Totentanz, der sich 300 Jahre historischer Entwicklung mühelos einverleibt.
T. C. Boyle ist der schwarzhumorige Prophet des menschlichen Untergangs. "Die einzige Hoffnung ist, das wir irgendwann aussterben", konstatierte er dementsprechend in einem Interview. Für das Jahr 2000 hat der Autor einen neuen Roman angekündigt. Mit World's End jedoch ist das ultimative Endzeitszenario zur Jahrtausendwende schon längst geschrieben. Wer es noch nicht gelesen hat, der sollte es getrost verschlingen. --Thomas Köster
Buch der 1000 Bücher
Worlds End
OT Worlds End OA 1987 DE 1989 Form Roman Epoche Moderne
Das bitterböse Epos über zwei verfeindete Einwandererfamilien und ihr Verhältnis zu den indianischen Ureinwohnern im Nordosten der USA umspannt 300 Jahre Geschichte. Mit schwarzem Humor und überbordender Fabulierlust schildert Boyle die feudalen, antidemokratischen Ursprünge der US-Gesellschaft und deren Fortwirken bis in die jüngste Gegenwart.
Inhalt: In wechselnden Kapitelblöcken erzählt Worlds End die Geschichte der Grafschaft Westchester nördlich von New York im 17. und 20. Jahrhundert. Im Zentrum stehen zwei aus den Niederlanden eingewanderte Familien, die Großgrundbesitzer van Wart und die verarmten van Brunts, die für sie arbeiten müssen, weil die van Warts für sie die Seereise bezahlt haben. In beiden Jahrhunderten verraten Angehörige der van Brunts ihre Sippschaft und müssen dafür teuer bezahlen. Ein dritter Erzählstrang verfolgt das Schicksal des Indianerstammes der Kitchawanken, der durch Blutsbande mit beiden »bleichgesichtigen« Familien verbunden ist.
Aufbau: Worlds End folgt musikalischen Kompositionstechniken, der Autor nennt den vielstimmigen Roman »eine historische Fuge«. Boyle nimmt ein erzählerisches Grundthema auf, verfolgt es mit Einschüben, Variationen und Abweichungen kontrapunktisch weiter und kehrt immer wieder zum Ursprung zurück. Die Lebens- und Leidensgeschichten von rund 60 Figuren überschneiden sich. Im 17. Jahrhundert stehen sich entrechtete Indianer, bodenständige Farmer und gerissene Kaufleute gegenüber. Im 20. Jahrhundert kämpfen linksgerichtete Hippies gegen religiöse Fanatiker und bornierte Patrioten. Frauen opfern sich aus Liebe oder verraten sie, Söhne verachten ihre Väter, Freunde liefern sich den Erzfeinden aus. Den historischen Wandel, so Boyle, durchzieht tragische Kontinuität: Menschen verstricken sich unabwendbar in Schuld, Geschichte wirkt in ihren Mythen bis in die Gegenwart, die Gewalt der Mächtigen bestimmt Leben und Tod der Besitzlosen. Mit surrealer Fantasie und ungehemmter Freude am Detail liefert Boyle aus verschiedenen Perspektiven eine dunkle Lesart der amerikanischen Geschichte, nach der die Nachfahren die Sünden der Ahnen wiederholen.
Wirkung: Worlds End erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1988 den PEN-Faulkner-Award. Motive und Themen erinnern an große amerikanische Erzähler wie James F. R Cooper, William R Faulkner, Washington R Irving und Mark R Twain. Der Roman machte den exzentrischen Autor außerhalb der USA bekannt und wurde in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt. B. B.
