In den letzten Jahren pendelte das englische Quintett zwischen Pop und Worship hin und her. In die erste Kategorie gehören die entbehrlichen "Mezzamorphis" und "Touch/Audio Lessonover", in die zweite, gelungenere Sparte darf man "King of Fools", "Glo" und "Deeper" einordnen. So tief und persönlich ihre Worshipsongs waren, so belanglos waren leider auch ihre Pop- Anbiederungen. Das liegt allerdings möglicherweise auch daran, dass Popmusik ohnehin zu 80% total belanglos ist. Inzwischen darf man die Versuche der Band, im englischen "Radio One" zu landen, wohl als gescheitert ansehen.
Mit "World Service" hat die Band wieder ein Worship- Album abgeliefert. Gut so, man sollte sich an seinen Stärken orientieren. Was ist musikalisch zu sagen? Dass Delirious weiterhin erfolgreich im Fahrwasser von U2s "Joshua Tree" schwimmen, ohne im Schatten der übermächtigen Iren unterzugehen. Starkes Songwriting, charismatische Stimme, Edgeartige Gitarren, dezente Keyboarduntermalung. Der Gesamtsound ist perfekt. Moderner als bei "King of Fools", aber nicht so spacig wie auf "Glo". Besonders "Inside Outside" und "Every little Thing", die auch als Singles ausgekoppelt wurden, haben absolutes Hitpotential. Aber die ganze CD vermittelt die Geschlossenheit eines zusammenhängenden Gesamtwerks in zwölf Abschnitten.
Dieser Eindruck wird durch die Bonustracks der "Silver Edition" allerdings teilweise aufgeweicht. Von mir aus darf es also auch die reguläre Ausgabe sein. Aber das müsst ihr selbst entscheiden. Wenn ihr der Meinung seid, dass "Joshua Tree" das letzte gute U2- Album bis zu "All that you can't leave behind" war, müsst ihr in "Delirious" zumindest mal reinhören.