Da wo SLAYER draufsteht, da ist auch SLAYER drin. Dieses Statement hat seit über zwei Jahrzehnten seine Gültigkeit, und lässt sich logischerweise auch auf den brandneuen 11-Tracker der amerikanischen Thrash-Institution anwenden. Knapp 3 Jahre nach dem energischen "Christ illusion" sind Tom Araya & Konsorten mal wieder zurück, und tauchen die Welt in ein blutiges Rot. "World painted blood" nennt sich die neue SLAYER-Gewaltakt, der der gesamten Headbanger-Gemeinde gehörig den Hintern versohlen wird. Und dies ohne jegliche Kompromisse !!!
Schon bei den ersten Durchläufen des 40-Minüters ist auffällig, dass sich die Songs durchgehend auf sehr hohem Level bewegen, ohne das ein Song qualitativ abfallen würde. Dies war meines Erachtens nämlich das Problem bei einigen Album-Vorgängern (speziell bei "Diabolus in musica" und "God hates us all") , auf denen auch immer einige schwächere Songs vertreten waren. Und auch wenn SLAYER mit "World painted blood" in Punkto Songwriting erneut nicht an alte Glanztaten wie "Reign in blood" oder "Seasons in the abyss" anknüpfen können, so wissen die neuen Songs vor allem im Kollektiv überzeugen. Soll heißen: Auf der Scheibe sind genau genommen wenige Tracks vertreten, die man als absolute Highlights herauspicken könnte. Dafür überzeugen SLAYER mit "World painted blood" neuerdings wieder über die gesamte Albumdistanz, wobei mit dem etwas lahmarschigen "Americon" lediglich ein kleiner Tiefhänger dabei ist. Die restlichen Granaten bewegen sich alle ausnahmslos auf gutklassigem Niveau - und ohne das ein Song die anderen überragen würde.
Kommen wir nun also zur Musik...und auch hier lassen sich SLAYER natürlich zu keiner Sekunde die Butter vom Brot nehmen. So haben die vier Totschläger endlich wieder ihre Vorliebe für wutschnaubende, energiegeladene Thrash-Geschosse wiederentdeckt, die im gnadenlosen ICE-Tempo runtergeballert werden. Ganz ernsthaft, so brutal wie bei "Public display of dismemberment" , "Hate worldwide" und dem mit tödlichen Riffs gespickten Doppelpack "Unit 731" und "Snuff" waren SLAYER schon lange nicht mehr. Bemerkenswert ist dabei in jederlei Hinsicht, dass Schlagzeug-Gott Dave Lombardo erneut eine tadellose Leistung abliefert, und selbst die wüstesten Blastbeats mit der ihm eigenen Souveränität meistert. Die Sechssaiter-Fraktion um Kerry King und Jeff Hanneman überzeugt dabei durch unheimlich rohes "guitar-shredding", ohne das die SLAYER-eigene Präzision darunter leiden würde. Das bereits im Vorfeld veröffentlichte "Psychopathy red" beinhaltet sogar einige der verrücktesten bzw. anspruchsvollsten Gitarren-Parts der jüngeren Bandgeschichte. Bei Granaten wie "Beauty through order" , "Human strain" (cool!) und dem variablen Opener "World painted blood" wird das Tempo vorerst etwas gedrosselt - was einigen Songs nochmal einen zusätzlichen Punch verleiht! - , ehe dann gegen Ende wieder die unbarmherzige Thrash-Keule ausgepackt wird. Sic! Und da auch die restlichen Songs ("Playing with dolls" & "Not of this world") das hohe Gesamtniveau locker halten können, kann man abschließend nur sagen, dass SLAYER einen würdigen Nachfolger für "Christ illusion" ins Rennen geschickt haben. Im direkten Vergleich hat mir der Vorgänger jedoch vielleicht einen kleinen Tick besser gefallen. Alles in allem ist "World painted blood" aber ein rundum gelungenes Album geworden, dass vor allem in der Breite überzeugen kann, und welches auch nach dem x-ten Durchlauf noch Spaß macht. Kaufen !!!