Im Gegensatz zu früheren Werken wirkt "The World Needs A Hero" viel bequemer - als hätte die Band in irgendeinem Wohnzimmer bei einer Tasse Tee aufgenommen. Das Resultat sind Songperlen, die man besser vor die Säue werfen sollte, als sie einem (eigentlich Qualität gewohnten) Publikum vorzusetzen.
Zum Beispiel Seichtheiten wie der Titeltrack, der überhaupt nicht aus dem Quark kommt, oder das radiokompatible, aber mit absolut bescheuertem und kitschigem Refrain gesegnete "Moto Psycho" ...
"10.000 Time Goodbye" ist soweit das erste Highlight für mich, auch wenn Überraschungen komplett fehlen: Im Intro Spannung aufbauend, druckvoll und (äußerst) latent an "Symphony Of Destruction" erinnernd. Gleiches gilt für "Burning Bridges", bei dem Mustaine wieder etwas mehr in's Mikro rotzt.
"Promises" ist das wohl ungewöhnlichste Lied auf der Platte: Eine eigentlich ganz schöne Ballade (mit Streichern), bei der aber die gesangliche Limitierung Mustaines ganz klar zu vernehmen ist.
Hat man "Recipe For Hate" überstanden, folgt mit "Warhorse" eine kurzfristige tendenzielle Rückbesinnung auf alte Stärken, die aber lediglich an der Oberfläche des Machbaren kratzt.
"Losing My Senses" ist meiner Meinung nach der schlechteste Song in Mustaines Laufbahn - da helfen auch (geklaute) Textpassagen wie "life can only be understood in reverse, but must be lived forward" nicht.
Das anschließende "Dread And The Fugitive Mind" versprüht wieder etwas mehr Charme, "Silent Scorn" hingegen ist genauso überflüssig wie "Return To Hangar". Mit "When" gibt es zum Abschluss noch ein etwas sperriges, sehr langweiliges Werk epischer Länge - die Art Song, die Bands vielleicht zum Aufwärmen im Proberaum spielen. Braucht man auch nicht.
Obgleich soundtechnisch eine Spur wärmer und präsenter als der (überwiegend) miese Vorgänger "Risk", klingt "T.W.N.A H." doch digital-steril. Der Produktion mangelt es eindeutig an Lebendigkeit - vor allem der Drumsound ist beschämend matschig. Hinzu kommt, dass Jimmy DeGrasso (wie schon auf dem halbgaren Vorgänger) spieltechnisch jedweilige Finesse vermissen lässt. Auch der damalige Neuzugang Al Pitrelli spielt unspannend/belanglos/routiniert ["Du darfst jetzt auch wieder dazwischennudeln, Al. Aber nur KURZ. Und gieß mir dann noch einen Schluck Tee ein, ja?"] - da hilft auch kein "Hangar 18, Part II" [= "Return To Hangar"].
4,5 von 12 = 2 von 5 Punkten. Mit gutem Willen.