Mit "World Gone Wrong" ging Bob Dylan den Weg weiter, den er bereits auf dem Vorgängeralbum "Good As I Been To You" eingeschlagen hatte. Er setzte sich nur mit Gitarre und Harmonika bewaffnet ins Studio, verzichtete auf Band und jedes weitere Beiwerk und nahm Songs auf, die ihn einst als jungen Folksänger zu eigenen Werken inspiriert hatten.
Wieder einmal spaltete Dylan damit Publikum und Kritik, viele Fans hatten ihm nach den krisengeschüttelten 80er Jahren enttäuscht den Rücken gekehrt, konnten auch mit dem neuen Weg, den ihr Idol beschritten hatte, nicht viel anfangen. Auch die Dylanologen waren sich nicht einig, ob diese Rückbesinnung auf die Tradition der Folkmusik nun ein Fortschritt oder ein Verstecken ihres Meisters hinter den Altvorderen war und Dylan in der Rolle des Traditionswahrers der Richtige war. Einige Kritiker schütteten über das zweite Album Dylans ohne eigenes Material einiges an Häme aus, glaubten, hier den Beweis für die endgültige Ausgebranntheit des einstigen Dichterfürsten gefunden zu haben.
Wenn man mit Dylan vertraut ist, weiß man, daß ihm Schelte und Lob völlig egal sind, er geht immer den Weg, den er für richtig hält und läßt sich auch von Spott und Hohn nicht davon abbringen. "World Gone Wrong" stellte sich im Nachhinein (Johnny Cash brachte ein Jahr später mit "American Recordings" ein ähnliches Album heraus und erlebte damit ein sensationelles Comeback) als eines der besten und intensivsten Alben Dylans seit langer Zeit heraus. Durch den Verzicht auf jegliches Beiwerk rücken die alten Songs in ihrer ganzen manchmal brutalen Direktheit in den Vordergrund und wer anders als His Bobness, der einen wichtigen Teil seiner Karriere allein mit seiner Gitarre und seinen Songs bestritten hat, wäre geeignet, diese Songs, die in Amerika ebenso zur Volkskultur gehören, wie hierzulande etwa "Am Brunnen vor dem Tore", in neuem Glanz erstrahlen zu lassen, und dies mit den einfachsten Mitteln, mit Gitarre, Harmonika und seiner eigenwilligen Gesangsweise. So entsteht eine sehr intensive Atmosphäre, Dylan gibt den Geschichtenerzähler und man wird von Nummer zu Nummer mehr in den Kanon der alten Blues - und Folksongs auf diesem sperrigen, leisen Album, auf dem es keine Ablenkung duch Studiomätzchen und musikalische Kunststückchen gibt, hineingezogen. Ganz ohne Zweifel eine der besten Platten des alternden Meisters.
Vier Jahre später gab es dann auch neues eigenes Material von Dylan zu hören. Die Atmosphäre der beiden Alben voller Traditionals konnte er auch auf "Time Out Of Mind" hinüberretten, das durch seine Düsterkeit und die sonst ungewohnte kompromißlose Direktheit von Dylans Texten lebt und für den Meister ein lang ersehntes und triumphales Comeback bedeutete.
Somit kann man dieses leise, intensive Folkalbum auch als Vorstufe zu einer der besten Platten aller Zeiten sehen, das Dylan den Weg wies und ihn wieder zu alter Stärke und Kreativität zurückführte.