Mit "World Trade Center" gelang dem kontroversen Filmemacher Oliver Stone leider nicht der ganz große Wurf.
Der Film ist handwerklich stark umgesetzt und der sonst so hektische visuelle Stil Stones wich entgegen der Erwartungen einer behutsamen Inszenierung. Man darf auf keinen Fall einen wie bei Stone gewohnten umstrittenen politischen Film voller Verschwörungstheorien wie "JFK", "Nixon" oder "Geboren am 4. Juli" erwarten. Der Regisseur hält sich angenehm zurück und inszeniert eine traditionelle, sehr menschliche Geschichte über das Überleben.
"World Trade Center" fängt enorm stark an, wir sehen New York City am frühen Morgen bevor die allgemeine Großstadthektik beginnt. Dann werden wir mit den beiden Polizisten John McLoughlin (Nicolas Cage) und Will Jimeno (Michael Pena) vertraut gemacht. Wir sehen die üblichen, routinemäßigen Abläufe bei der Polizei, doch dann folgt der große Bruch, als von einem Notfall am World Trade Center die Rede ist. Nun folgen die wohl stärksten Momente des Films. Stone inszeniert die Katastrophe sehr behutsam, doch trotzdem sind diese Augenblicke von einer derart kraftvollen Intensität, das man einfach nur gebannt auf die Leinwand starren kann.
Die zweite Hälfte ist nun leider die schwächere des Films. In einem ständigen Hin und Her wird das Publikum auf der einen Seite mit den Ängsten der Frauen der beiden nun Verschütteten konfrontiert und auf der anderen Seite wird der Überlebenskampf von McLoughlin und Jimeno geschildert.
Das ist alles recht bewegend in Szene gesetzt, doch die Story ist bedauerlicherweise etwas überraschungsarm und zu routiniert umgesetzt. Michael Pena macht eine tolle Figur als Jimeno, Nicolas Cage zeigt auch eine seiner besseren Darstellungen. Leider bleibt Maria Bello als McLoughlins Ehefrau überraschend blass, doch Maggie Gyllenhaal in der Rolle von Jimenos Frau setzt die prägnantesten schauspielerischen Akzente im Film.
"World Trade Center" ist im Endeffekt etwas zu konventionell umgesetzt worden, trotzdem kann man den Streifen als gelungen bewerten. Das ist gutes Kino mit guten Darstellern, auch Stones zurückhaltende Regiearbeit ist hier als positiv zu bewerten, denn für einen zu kontroversen Film über den 11. September 2001 ist es vielleicht noch etwas zu früh.
Stones Film zieht jedoch definitiv den Kürzeren im Vergleich zu Paul Greengrass Film "Flug 93", der einfach das gewisse Etwas hat, das "World Trade Center" fehlt.