Die Strawinski-Box beinhaltet 22 CDs und gibt einen umfassenden, allerdings keinen vollständigen Überblick über Strawinskis Schaffen. Der Preis ist unschlagbar, weshalb man getrost zugreifen sollte. So hat man die Möglichkeit, auch einmal relativ unbekannte Werke aus Strawinskis Spätwerk (von Zwölftonmusik geprägte Sakralmusik) anzuhören. Zudem gibt es die komplette neoklassizistische Oper "The Rake's Progress" neben vielem Anderen. Da die Aufnahmen meist aus den 1960-er Jahren stammen, ist die Soundqualität solide, jedoch keinesfalls vergleichbar mit modernen Aufnahmen.
Igor Strawinski (1882-1971) wird nachgesagt, dass er nicht der grösste Interpret seiner eigenen Werke ist. Jedenfalls erhält man einen authentischen Eindruck von Strawinskis Musik und kann so diese später mit anderen Interpretationen vergleichen. Besonders Pierre Boulez' Einspielungen der drei grossen Ballette kann ich sehr empfehlen, denn dort hört man, dass Strawinski das Potenzial seiner Werke bei weitem nicht ausschöpft.
Der Wermutstropfen der grossartigen CD-Box ist das miserable Booklet. Der Begleittext ist belanglos. Schlecht ist, dass die Tracklisten nur auf den Karton-Schubern, nicht jedoch im Booklet abgedruckt sind. Im Booklet sind nur die Werke (inkl. Aufnahmezeitpunkt) der einzelnen CDs aufgeführt. Allerdings ist die Schrift so klein, dass man fast eine Lupe braucht. Schliesslich fehlen Angaben zum Entstehungszeitpunkt der Werke. Dies ist jedoch notwendig, um die einzelnen Werke den verschiedenen Schaffensperioden zuordnen zu können. Ein chronologisches Werkverzeichnis wäre kein Luxus gewesen.