Mit "The Works" lag es Queen besonders am Herzen, wieder einige alte Fans tröstlich zu stimmen, für die das 82er Album "Hot Space" ein klanglicher Schock war. Der von vielen verhasste Synthesizer (seit "The Game" fester Bestandteil) wurde trotzallem beibehalten. Nach der "Hot Space"-Tour stand erstmal die erste längere Pause voneinander an, um Batterien aufzuladen und frische Ideen für Queen zu bekommen. Freddie Mercury arbeitete weiter an seinem Soloalbum (unter anderem auch mit Michael Jackson), Roger Taylor komplettierte sein zweites Album "Strange Frontier", Brian May tobte sich mit befreundeten Musikern aus und lieferte die merkwürdige EP "Star Fleet" ab und John Deacon widmete sich eher seiner Familie.
"The Works" stellt die Summe harter Arbeit da, wollte Queen doch wieder mehr zu sagen haben in der rauen Chart-Welt (ihre letzte Single "Back Chat" von 1982 landete tatsächlich nur auf der #40 in GB). Herausgekommen ist ein kurzes, manchmal fast schon kühles Album, dass den Kampf Mensch vs. Maschine thematisiert. Die erste Single "Radio Ga Ga" war auch gleich ein perfekter Vorgeschmack. Der Song, der auf Roger Taylors kleinen Sohn zurückgeht (welcher offen und ehrlich "Radio Ka Ka" sagte), landete in den britischen Charts auf dem zweiten Rang, konnte sich aber in anderen Regionen die Spitzenposition sichern. Auch die nachfolgenden Singles etablierten sich als unsterbliche Queen-Hits - "I Want To Break Free", ein weiterer großer Hit aus der Feder John Deacons, sorgte mit seinem Video (die Band als Frauen verkleidet, Freddie sinnigerweise trotzdem mit seinem Schnauzer) für ein Verbot in den USA und verschaffte Queen eine nie richtig verheilte Flaute, was die Charts in den Staaten anging - "It's A Hard Life", eine großartige Komposition Mercurys über das schwierige Liebesleben, mit einem oppulenten Video - und "Hammer To Fall", ein weiterer kompromissloser Rocker von Brian May, der auch heute noch frisch und kräftig klingt.
Erstaunlich ist bei diesem Album nicht zuletzt die Tatsache, dass alle Songs (neun, um genau zu sein) auf den jeweiligen Singles veröffentlicht wurden, wenn nicht als A-Seite, dann halt als B-Seite. So könnte man behaupten, dass hier nur Hits vorhanden sind. "Tear It Up" beispielsweise, ein May-Song mit prägnanten Drums, oder auch "Man On The Prowl", eine wunderbare Hommage an die guten alten 50er, der ebenso an "Crazy Little Thing Called Love" erinnert und eigentlich die fünfte und finale Singles des Albums sein sollte, bis man sich doch für den Non-Album-Track "Thank God It's Christmas" entschied. Höhepunkt und eigentlicher Titelsong ist "Machines (or 'Back To Humans'), der den besagten Kampf Mensch vs. Maschine sehr gut in Szene setzt und sogleich die erste May/Taylor Komposition im Rahmen Queens darstellt. "Keep Passing The Open Windows" ist ein beflügelter Mercury-Song, der für den Film "The Hotel New Hampshire" geschrieben wurde - überraschenderweise sollte Queen einen ganzen Soundtrack für diesen Film abliefern, übrig geblieben ist dann aber doch nur "Keep Passing". Den Abschluss des Albums bildet "Is This The World We Created...?", ein fast schon unytpischer Queen-Song, der bei Live-Aid 1985 für einen Gänsehautmoment sorgte.
Diese 2011-Deluxe-Version bietet das Album nun im mittlerweile bekannten Super Jewel Case (der allerdings weiterhin sehr anfällig für sichtbare Schäden bleibt) und leicht erweitertem Booklet (die Erweiterung äußert sich in einigen zusätzlichen Bildern und den bekannten Erläuterungen den Bonus-Songs betreffend). Über die Bonus-EP kann man sich natürlich wieder streiten. Präsentiert wird zuerst die B-Seite von "Radio Ga Ga", der fröhliche May-Rocker "I Go Crazy", den die restlichen Bandmitglieder nicht auf dem Album haben wollten. Meist wird der Song als beste B-Seite von Queen gehandelt, ganz einstimmen kann ich in den Jubelchor aber nicht, zwar hat der Song durchaus etwas verspieltes, wirkt aber ein wenig chaotisch. Zusätzlich gibt es noch den "Headbanger's Mix" von "Hammer To Fall" (und liefert genau das, was der Titel schon verspricht) und zwei Live-Aufnahmen aus Rio, "It's A Hard Life" und "Is This The World We Created...?" - schöne Aufnahmen, die man sicherlich öfters mal hören will. Regelrecht sinnlos dagegen sind die Single Version von "I Want To Break Free" (die es auch schon auf Greatest Hits II gibt) und "Thank God It's Christmas", bei dem frecherweise im Booklet bescheinigt wird, dass dies das erste Mal sei, dass der Song auf einem Album ist - übersehen wir jetzt mal "Greatest Hits III" und das sogar extra für diesen Song veröffentlichte Best Of Album desselben Namens, das in Brasilien herauskam. Dabei gibt es soviel aus der Works-Ära, das endlich mal ans größere Tageslicht will; Extended Versionen von nahezu allen Songs, sehr gute offizielle Remixe (beispielsweise von "Hammer To Fall"), nicht zuletzt nie verwirklichte oder später Solo verarbeitete Demo-Bänder, wie "Love Kills", "Man Made Paradies" und "There Must Be More To Life Than This", die später alle Freddies Solo-Songs wurden, ihre Wurzeln aber in Queen hatten.
"The Works" ist ein großartiges (allerdings allzu kurzes) Album, eine perfekte Mischung aus Hard Rock und Pop, lauten Gitarren und Synthesizers. Lediglich die Bonus-EP hätte man wieder mit gefühlten fünfzig weitaus interessanteren Dingen füllen können.