Billy Bragg hat einen bemerkenswerten Weg gemacht, von den frühen Anfängen in den Achtzigerjahren mit schroffem Gesang und schrammelder Gitarre bis zu ausgefeilten Arrangements unter Zuhilfenahme der technischen Möglichkeiten moderner Studiotechnik heutiger Tage. Eine Konstante zieht sich dabei durch seine Alben: Er greift sehr aufmerksam die Lebensumstände derer auf, die vielleicht nie die Gelegenheit haben werden, sich über ein Mikrofon Gehör verschaffen zu können und verbindet gekonnt die menschliche Suche nach Liebe, Halt und Anerkennung mit den großen politischen Idealen, die seine eigene Persönlichkeit überformen. Seine Platten hatten von Anfang an etwas völlig Unverwechselbares für mich. Allein, nur mit Gitarre, gelingt es ihm, eine atmosphärische Dichte zu schaffen, für die Bands wie "The Clash" ein enormes Equipment aufbrachten. Auch live hat mich Billy Bragg sehr überzeugt, solo und von seiner Band begleitet.
Dieses Album gefällt mir von den fünf oder sechs seiner Platten oder CDs, die ich kenne, mit Abstand am besten. Es ist für mich ein Bestandteil der späten Achtziger, die geprägt waren von dem sich abzeichnenden Ende der Apartheit in Südafrika, vom Massaker auf dem Pekinger Tien-an-men-Platz, der AIDS-Krise, der Erwerbslosigkeit großer Bevölkerungsgruppen durch die Umstrukturierung ganzer Branchen, vom bevorstehenden Fall der Mauer und dem Ende des Kalten Krieges. Hier singt einer, 'dessen Fahrradkette, die gestern Abend abgefallen ist, sich nun um sein Herz geschlungen hat'. Er singt von Gesetz und Ordnung, und wie diese auf beiden Seiten des Gerichtssaals empfunden werden können, wenn einer der Beteiligten gerade drei Tage und Nächte in einer zugigen Gefängniszelle hinter sich hat. Vom Unvermögen, seine Liebe auszudrücken ("Must I paint you a picture about the way that I feel?") und - a capella - von zwei Soldaten im Schützengraben, die sich besinnungslos vor Angst aneinander klammern. Die Frage, "Mixing pop and politics, you ask me what the use is", beantwortet sich da schon fast von allein.