Der Wechsel vom kleinen Indie Label zum Riesen Universal, Radio Interviews, Besprechungen in sämtlichen großen Musikzeitschriften ' die Sorgen, was den bösen Ausverkauf der Shout Out Louds kurz vor Veröffentlichung des dritten Albums 'Work' betraf, wuchs mit jedem Gewinnspiel auf der Internetseite. Ganz klar: die Marketingmaschine Universal läuft!
Dann ' endlich ' das neue Album im CD Player, schnippenden Fingers in Position geschmissen, und ' Überraschung! - regungslos stehengeblieben: lauschend. Denn was uns die Shout Out Louds auf 'Work' präsentieren wirkt nachdenklich, wohlüberlegt, treibend zwar, aber erst geht's mal mehr in den Kopf als ins Herz, die Beine. Die schmachtenden Streicher, das wirbelnde Tamburin fehlen, die Emotionen werden nicht direkt ins Gesicht geschleudert, sondern angedeutet und entwickeln sich. Was einem jetzt besser gefällt, ist und bleibt Geschmackssache.
Textlich ist das Album, mal wieder, ganz großes Kino. Sänger Adam Olenius hat Texte geschrieben, die man eher dem skandinavischen Winter, als den sonnigen Stränden Australiens, wo für ihn die Arbeit begonnen hat, zuschreiben würde: 'You have so much to live for, while I'm just dying to stay alive' Verunsicherung, Aufbruch und immer wieder die Liebe, in einer Verletzlichkeit gezeigt, die durch seine Stimme und Bebban Stenborgs Hintergrundgesang in perfekter Harmonie zum Text stehen. Das Alles weckt dann doch das Herz, und könnte es zum zerreißen bringen ' könnte, wäre da nicht diese Melodien!
Wie gesagt, auf satte Streicher und seltsames Getute wurde verzichtet, dennoch sind kleine Spielereien erlaubt, die einem dadurch die Melodie nicht direkt ins Ohr hauen. Carl von Arbin (Gitarre), Eric Edman (Schlagzeug) und Ted Malmros (Bass) zeigenm an ihren Intrumenten was sie können: Dort Rhythmuswechsel, die sich erst nach dem zweiten Hören erklären, da ein Klavier, das Töne ins Lied tupft, und hier ein Schlagzeug, das vorantreibt. Man wundert sich nach dem Hören des Albums dennoch, wo dieser verdammte Ohrwurm herkommt, der einen drei Tage nicht verlassen will.
Und schwups, sind wir wieder am Anfang, sind die Beine jetzt still? Nein, sie wippen mit, wollen sich bewegen. Und wir singen schief, laut und inbrünstig mit: 'To get to know yourself you've got to run away. Never trust anyone. So run away, run, run, run, run, run...'